Kampfkunst & Kampfsport

Capoeira vereint Kampf und Tanz

Es begann in Brasilien. Im 17. Jahrhundert entwickelten afrikanische Sklaven die Capoeira, um als Tanz getarnt Selbstverteidigung zu üben. Heute hat Capoeira auf der ganzen Welt Fans. Allein in Berlin gibt es über 15 Schulen, in denen verschiedene Formen der Capoeira unterrichtet werden. Was so leicht aussieht, erfordert eine gute Koordinationsfähigkeit und hartes Training.

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Spektakulärer Spaß: Capoeira kommt aus Brasilien und erobert die Welt.
(c) Ryan Mcvay

Wie lange es dauert, Capoeira gut zu beherrschen, ist ganz unterschiedlich. "Wenn jemand eine gute Konstitution hat und seit zehn Jahren turnt, kann er in zwei Jahren extrem viel lernen", sagt Juliane Kubicki, Trainerin bei Abada-Capoeira Berlin. Doch der Einsatz lohne sich. "Das Besondere ist, dass Capoeira kein reiner Sport ist", erklärt Kubicki. "Capoeira hat sehr viel Akrobatisches, gemischt mit Kampf und Tanz. Und mit der Zeit lernt man über die Musik und Lieder auch die brasilianische Sprache."

Den Gegner aus dem Gleichgewicht bringen

Die Kämpfer selbst bezeichnen Capoeira als "Spiel". Inmitten eines Kreises - der Roda - tanzen zwei Gegner in weißen weiten Hosen: Sie versuchen sich durch angedeutete Tritte zu verwirren, weichen mit geschmeidigen Bewegungen aus, um den anderen in einem günstigen Moment durch eine Fußangel aus dem Gleichgewicht zu bringen. Geleitet wird das Geschehen vom Spieler der Berimbau. Mit diesem einsaitigen afrikanischen Musikbogen gibt der Lehrer den Rhythmus an, zu dem sich die Kämpfer bewegen sollen. Begleitet wird die Berimbau von einer Atabaqu, einer Standtrommel und einem Pandeiro, einem Tambourin. Zur Musik singt der Lehrer alte und neue Geschichten aus dem Alltag. Die Umstehenden stimmen darin ein.

Historisch diente Capoeira den Sklaven in Brasilien vor allem zum Training von Angriffs- und Fluchttechniken. Die tänzelnde Bewegungen sollten Verfolgern das Zielen erschweren. So gewannen die Sklaven Zeit und erhöhten ihre Aussicht auf eine erfolgreiche Flucht. Heute ist Capoeira eine Art Volkssport in Brasilien. In einigen Schulen und Universitäten ist Capoeira sogar Prüfungsfach.

Heute gibt es zwei Kampfarten

Im Capoeira gibt es zwei Kampfvarianten: Angola und Regional. Die langsam gespielte "Angola" ist die traditionellere Form. Kampfelemente werden hier stärker hinter tänzerischen Bewegung versteckt. "Die Kämpfenden sind viel näher am Boden", erklärt Trainerin Kubicki. Bei der "Capoeira-Regional" dagegen steht der Kampf im Vordergrund und die Geschwindigkeit des Spiels ist wesentlich schneller. "Diese Art ist viel variationsreicher und akrobatischer", sagt Kubicki. "Regional ist kampfsportlicher."

Schon Kinder lernen Capoeira

Bei Abada-Capoeira Berlin lehrt Kubicki "Regional". Rund 20 Vereinsmitglieder und etwa 30 Schüler trainieren hier zurzeit. Dabei ist Capoeira schon lange keine Männerdomäne mehr. "Vor zehn Jahren in Brasilien gab es nur ganz wenige Frauen", erzählt Kubicki, die selbst seit zwölf Jahren Capoeira macht und in Brasilien gelernt hat. "Heute ist das Verhältnis fast ausgeglichen, auch bei Abada-Capoeira." Bereits Kinder lernen den Kampftanz. "In Brasilien gibt es schon Kurse für Zweijährige. Mein Limit liegt bei sechs Jahren."

Nicht nur bei Kindern schult Capoeira die Koordination des Körpers und die Reflexe. Es fördert auch das Gruppengefühl und das seelische Gleichgewicht des Einzelnen. Dennoch ist Capoeira nicht für jeden geeignet. "Menschen mit starken Gelenk- und Rückenprobleme sollten sich vor Trainingsbeginn mit ihrem Arzt beraten", rät Kubicki.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. September 2008
Quellen: bsmo-Gespräch mit der Capoeira-Trainerin Juliane Kubicki und nach Informationen von Nestor Capoeira, Capoeira. Kampfkunst und Tanz aus Brasilien

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