Karate fordert Muskeln, Herz und Hirn
Rundum fit im Alter mit Kampfsport
Zeitung lesen oder Vokabeln pauken allein reicht nicht, um die grauen Zellen fit zu halten! Nur wenn man synchron die motorischen und die kognitiven Fähigkeiten trainiert, scheint dies die geistige Leistungsfähigkeit effektiv zu erhalten und zudem noch glücklich zu machen. Dies bestätigte eine Untersuchung mit betagten Karate-Sportlern.
Sportliche Aktivität kann neben dem positiven Effekt auf die körperliche Kondition auch dazu beitragen, die kognitiven Fähigkeiten im Alter zu erhalten. Neuere wissenschaftliche Studien legen sogar den Schluss nahe, dass ein synchrones motorisches und kognitives Training die geistige Leistungsfähigkeit besonders effektiv fördert.
Körper und Geist gleichermaßen beansprucht beispielsweise regelmäßiges Karate-Training: Es stimuliert die inneren Organe, verbessert Kreislauf, Atmung und Verdauung und fördert insgesamt die Gesundheit und die Beweglichkeit. Neue, unbekannter Bewegungsabläufe zu lernen stellt für ältere Menschen eine Herausforderung dar, führt dabei aber gleichzeitig auch zu physischem und psychischem Wohlbefinden und zu Entspannung. Zudem ist Karate eine Schulung der Geistesbildung, die einen bis ins hohe Alter begleiten kann. Als ganzheitliche Bewegungsform fördert das Kampfsport-Training konditionelle, koordinative und kognitive Fähigkeiten.
Weiße Haare - schwarzer Gürtel
Dass Karate im hohen Alter körperlich fit hält und gleichzeitig optimales ist, bestätigte nun das Resultat einer Studie, die die Universität Regensburg in Kooperation mit dem Bayerischen Karatebund und einem Regensburger Facharzt für Allgemeinmedizin durchgeführt hatte.
Das Forscherteam um Prof. Dr. med. Petra Jansen vom Institut für Sportwissenschaft und Dr. med. Katharina Dahmen-Zimmer vom Institut für Psychologie der Universität Regensburg hatte 48 Seniorinnen und Senioren im Alter zwischen 67 und 93 Jahren untersucht. Im Zentrum des Interesses stand die Frage, ob durch Karate neben einer Verbesserung der körperlichen Gesundheit auch positive Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit und des psychischen Befindens festzustellen sind. „Es ging dabei darum, die Effekte eines Karate-Trainings gezielt mit den Einflüssen eines "rein kognitiven" beziehungsweise eines "rein motorischen" Trainings zu vergleichen“.
Die Probanden teilten die Forscher auf vier Versuchsgruppen auf: Die erste Gruppe erhielt ein "rein" motorisches Training, eine zweite ein "rein" kognitives Training, eine dritte Gruppe absolvierte ein Karate-Training nach den Regeln des Deutschen Karate-Verbandes (DKV) und eine letzte fungierte als "Kontrollgruppe ohne Training".
Tendenziell führten alle Trainingsangebote, das die Senioren drei bis sechs Monate ein- bis zweimal wöchentlich zu Verbesserungen der kognitiven Leistungsfähigkeit. Am deutlichsten verbesserten sich die Merkleistung und die visuelle Merkfähigkeit bei der Karate-Gruppe, auch wenn diese Effekte bislang nur in der Tendenz nachgewiesen wurden.
Kampf, Schweiß und Heiterkeit
Nach Ansicht der Regensburger Forscherinnen und Forscher ist dies auf den Umstand zurückzuführen, dass im Zusammenhang mit dem Karate-Training komplizierte Bewegungsabläufe im Gedächtnis behalten werden mussten. Zudem wies das Forscherteam nach, dass die Karate-Seniorinnen und -Senioren am Ende des Experiments weitaus weniger depressive Stimmungen zeigten, also ganz einfach glücklicher waren als zuvor.
Untersucht worden waren sowohl selbständig im privaten Haushalt lebende Personen, als auch um Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen in Regensburg. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 78,8 Jahre (67 bis 83 Jahre). Die Spanne der Kampfsport-Anfänger reichte von 69 bis 81 Jahre, sodass in der Karate-Gruppe das Durchschnittsalter bei 73 Jahren lag. Personen mit ersten Symptomen einer Demenz oder anderen Störungen mit kognitiven Defiziten konnten nicht an der Untersuchung teilnehmen. Jeweils vor und nach den Trainingseinheiten wurden die kognitive Leistungsfähigkeit und die emotionale Befindlichkeit untersucht.
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