Transgender: Was bedeutet transsexuell, transgender und transident?

Beim Wort transgender handelt es sich um ein Adjektiv: Es beschreibt Personen, bei welchen die Identität nicht mit dem per Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, und Menschen, die sich nicht mit dem binären Geschlechtssystem (strikte Einteilung in männlich und weiblich) identifizieren können.

Transgender: Was der Begriff bedeutet
Transgender, transident und transsexuell werden oft synonym verwendet, was nicht ganz richtig ist.
© Getty Images/Westend61

Transgender, transsexuell und transident werden häufig synonym verwendet. Jedoch können die Begriffe voneinander abgegrenzt werden. Was bedeutet es trans* zu sein und wo liegen die Unterschiede?

Im Überblick:

LGBTQ: Flaggen und Bedeutung

Transgender: Was bedeutet das?

Das Wort trans kommt aus dem Altgriechischen, trans* ist ein Adjektiv. Es bedeutet, dass die Geschlechtsidentität von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht abweicht. Eine Geschlechtsidentität (im Englischen "gender") betrifft den Teil der Identität, der auf das Geschlecht bezogen ist, sie umfasst Einstellungen und das eigene Erleben bezüglich einer Geschlechtszugehörigkeit. Sie kann mit dem per Geburt zugewiesenen Geschlecht (im Englischen "sex") übereinstimmen, was als Cis-Identität bezeichnet wird, oder davon abweichen (Transidentität). In Abgrenzung dazu gibt es Geschlechterrollen, die die Erwartungen anderer an ein bestimmtes geschlechtstypisches Verhalten umfassen.

Wichtig: Neben Trans-Personen gibt es auch intersexuelle Menschen, bei denen die medizinische Zuordnung zu einem Geschlecht bei der Geburt uneindeutig ist. Inter*Personen können sich sowohl als Cis- oder Trans-Mann oder -Frau sowie auch als non-binär identifizieren.

Bei Trans-Personen ist die Geschlechtsidentität nicht deckungsgleich mit dem zugewiesenen Geschlecht. Trans-Personen stecken nicht im "falschen" Körper, wie oftmals unbedarft gesagt wird, sondern aufgrund des Körpers wird ihnen eine nicht empfundene Geschlechtszugehörigkeit zugewiesen. Diese Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung kann auf Dauer zu einer Geschlechtsdysphorie führen. Trans-Personen wurden lange Zeit als psychisch krank eingestuft, das ist lange überholt. Die Genderdysphorie gilt jedoch als Diagnose, sie wird aufgrund des empfunden Leidensdrucks gestellt, der mit der Falschidentifikation durch andere sowie mit Diskriminierungserfahrungen zusammenhängt.

Trans-Personen können den Wunsch haben, durch die Einnahme von Hormonen und geschlechtsangleichenden Operationen ihren Körper so zu verändern, dass er mit dem Selbstbild und der empfundenen Geschlechtsidentität übereinstimmt, das wird als Transition bezeichnet. Nicht jede Trans-Person muss jedoch den Wunsch haben zu transitionieren. Zu dem Prozess gehören auch juristische Aspekte wie eine offizielle Namensänderung.

Transsexuell, transident und transgender: Wo ist der Unterschied?

Früher wurde der Begriff transsexuell vorwiegend verwendet, er ist inzwischen weitestgehend veraltet. Er basiert auf der Annahme von zwei Geschlechtern, fußt also auf einem binären Geschlechtssystem. Zudem betont der Begriff die körperlichen Merkmale des Geschlechts, weniger den Identitätsaspekt. Er wird oftmals, insbesondere als Fremdbezeichnung als diskriminierend wahrgenommen. Transsexualität galt zudem lange als psychologische Störung, weshalb vorsichtig mit dem Begriff umgegangen werden sollte.

Der Begriff transgender hingegen bezieht sich mehr auf die Geschlechtsidentität und ist nicht strikt auf ein binäres System bezogen, transident gilt als Synonym mit noch stärkerer Betonung der Geschlechteridentität.

Sexuelle Identität und sexuelle Orientierung

Die sexuelle Identität kann cis oder trans sein, das sagt lediglich darüber etwas aus, ob man sich mit dem per Geburt zuordneten Geschlecht identifiziert und welchem Geschlecht sich ein Mensch zugehörig fühlt. Die sexuelle Orientierung hingegen sagt aus, von wem sich eine Person sexuell angezogen fühlt. Eine Trans-Person kann sowohl hetero-, bi- wie auch homosexuell sein. Weitere sexuelle Orientierungen sind:

Pansexualität: Pansexuelle Menschen fühlen sich zu Personen, egal welchen Geschlechts hingezogen. Die Person alleine zählt, nicht die sexuelle Identität.

Asexualität: Asexuelle Menschen empfinden kein sexuelles Verlangen oder Interesse.

Demisexualität: Es handelt sich um eine Form der Asexualität, wobei sich demisexuelle Menschen erst sexuell zu jemandem hingezogen fühlen, wenn eine emotionale Verbindung besteht.


Transspektrum: Welche Geschlechtsidentitäten gibt es?

Es gibt weit mehr Geschlechtsidentitäten als nur Mann und Frau. Das Transspektrum umfasst mehrere sexuelle Identitäten, auch nicht binäre Personen gehören dazu:

  • Agender: Agender-Personen können sich mit keinem Geschlecht identifizieren.

  • Trans-Mann: Ein Trans-Mann ist ein Mann, dem bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde.

  • Trans-Frau: Eine Trans-Frau ist eine Frau, welche bei der Geburt das männliche Geschlecht zugewiesen wurde.

  • bigender: Bigender-Personen identifizieren sich sowohl als männlich als auch weiblich.

  • genderfluid: Darunter wird ein fließender Übergang zwischen verschiedenen Geschlechtsidentitäten verstanden, genderfluide Personen wechseln ihre Geschlechtsidentität oftmals und/oder bewegen sich dazwischen.

  • Demi-gender: Demi bedeutet halb, Demi-gender-Personen identifizieren sich nur teilweise mit einem Geschlecht. Sie können sich noch mit einem weiteren Geschlecht identifizieren, was aber nicht unbedingt so sein muss.

  • nonbinary/enby/genderqueer: Für non-binäre Personen werden oftmals auch Begriffe aus dem englischen Sprachraum verwendet, sie können synonym verwendet werden, manchmal gibt es auch Vorlieben bezüglich einer Formulierung.

Pronomen – Die richtigen Worte finden

Auf Social-Media-Plattformen kann man beobachten, dass immer mehr Menschen ihre Pronomen ins Profil schreiben. Was für Cis-Personen erst einmal befremdlich wirken mag, hat gute Gründe. Die Anrede von Trans- Personen mit dem falschen Pronomen wird oftmals als schmerzhaft wahrgenommen und kann eine Genderdysphorie auslösen, häufig auch einhergehend mit weiteren psychischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depression. Deshalb hilft es, wenn auch Cis-Personen ihre Pronomen in das Profil schreiben, denn es zeigt: Alleine das Aussehen muss nicht zwangsläufig das Geschlecht definieren und es hilft, misgendern (die Anrede mit dem falschen Pronomen) zu vermeiden.

Trans-Frauen möchten oft mit "sie/ihr" angesprochen werden, Trans-Männer mit "ihm/sein". Im Zweifel hilft es auch zu fragen, wie jemand angesprochen werden möchte, um negative Gefühle bei der angesprochenen Person zu vermeiden. Schwieriger wird es bei Personen, die sich als non-binär identifizieren, denn in der deutschen Sprache sind solche Fälle nicht vorgesehen. Im Englischen wird dabei oft "they/them" verwendet, im Deutschen werden verschiedenste Anreden und Pronomen verwendet, oft auch nur der Name. Auch hier hilft es oft zu fragen.

Intimbereich: Welche Schönheitsoperationen gibt es?
Artikel zum Thema
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Meistgeklickt zum Thema
Onanieren: warum Masturbation so wichtig ist
Tabu-Thema Selbstbefriedigung

Ist Selbstbefriedigung nur für Singles oder auch in der Partnerschaft wichtig? Alles über onanieren mehr...

Kamasutra für Frauen: Das Liebesspiel für lesbische Paare
Sexualität

Sexstellungen für Lesben: Welche Positionen beliebt sind und wie lesbisches Kamasutra funktioniert. mehr...

Vulva: Diese Formen gibt es
Sexualität

Wie sieht eine Vulva aus? Es gibt verschiedene Formen, wie die Vulva einer Frau aussehen kann. mehr...

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang