
Konflikte & Mobbing
Häufig gemobbt: die "schwierige Person"
In fast jedem Unternehmen gibt es sie: die so genannte "schwierige Person". Ein Mensch, mit dem alle Probleme haben, mit dem keiner richtig klarkommt. Häufige Folge: der Kollege wird gemobbt. Doch in den seltensten Fällen liegt den Problemen am Arbeitsplatz wirklich die Persönlichkeit des Betroffen zugrunde. Viel eher liegt der Fehler im System - in der Organisationsstruktur des Betriebs.
Erfahrene Personaltrainer und Organisationsberater wissen, dass die so genannte "schwierige Person" häufig eine ganz wichtige Funktion innerhalb einer Organisation innehat. Sie deutet auf Defizite in der Unternehmensorganisation hin.
Ein Kennzeichen dafür, dass die "schwierige Person" tatsächlich diese Funktion erfüllt, ist, wenn die Abteilung, das Büro, kurz: das System, immer wieder solche Personen "ausbildet". Kaum ist die eine Problemperson "beseitigt", entwickelt plötzlich die nächste solche unangenehmen Eigenschaften, so dass wieder alle sagen können: "Wenn wir die/den loswerden könnten, ginge es uns gut!"
Die wichtige Rolle der "schwierige Person"
Die so genannte "schwierige Person" hat eigentlich eine wichtige Rolle. Für folgende Fehler in der Organisation kann der vermeintlich schwierige Kollege das erste Anzeichen sein.
- Die "schwierige Person" ist Ausdruck eines Problems, das die Organisation an sich hat.
- Die "schwierige Person" ist der Sündenbock bei ungeklärten Machtfragen.
- Auf die "schwierige Person" wird alles Negative projiziert, damit man die wahren Probleme nicht angehen muss.
- Die "schwierige Person" ist Auslöser für nötige Innovationen (meckert, will ständig Veränderungen).
- Die "schwierige Person" bringt verborgene Wahrheiten zum Vorschein (spricht ständig unangenehme Dinge an, hat kein Taktgefühl)
- Die "schwierige Person" übernimmt Merkmale oder "krankhafte" Eigenschaften (Pathologien) einer Organisation und kommt so zu ihrer Rolle. In der Beraterfachsprache heißt das dann: "Sie dunkelt nach."
- Jemand wird von der Organisation zur "schwierigen Person" gemacht, indem alles auf ihn projiziert wird, was die Organisation an sich selbst nicht mag und nicht zur Kenntnis nehmen will.
Mobbing kann also auch ein Symptom von tief greifenden Problemen der Organisation an sich sein. Wenn aber die Führungsriege diese Schwierigkeiten auf keinen Fall ansehen und schon gar nicht ändern will, haben Gemobbte keine Chance. Dann bleibt nur noch eine gut vorbereitete Klage vor dem Arbeitsgericht, hier ist das Mobbing-Tagebuch unabdingbar.










