Was zahlt die Krankenkasse?

Künstliche Befruchtung: Verfahren und Kosten

Qualitätssiegel Nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Expert*innen geprüft

Eine künstliche Befruchtung kommt für viele Paare infrage, bei denen es nicht auf natürliche Weise mit der Schwangerschaft funktioniert. Die sogenannte assistierte Reproduktion umfasst verschiedene Verfahren, die sehr teuer sein können. Wer bestimmte Kriterien erfüllt, kann die Kosten aber senken.

GettyImages-136810267.jpg
© Getty Images/Science Photo Library - ZEPHYR

Artikelinhalte im Überblick:

Schwanger werden – die besten Tipps

Künstliche Befruchtung: Methoden im Überblick

Von einer künstlichen Befruchtung – oder assistierten Reproduktion (ART) – ist die Rede, wenn der Zeugungsakt nicht auf natürliche Weise während des Geschlechtsverkehrs passiert, sondern Ei- und Samenzelle mithilfe medizinischer Verfahren miteinander verschmelzen.

Samenübertragung (Insemination)

Bei der Samenübertragung findet die Befruchtung im Körper der Frau statt. Dabei wird aufbereitetes Sperma in den weiblichen Genitaltrakt – meist direkt in die Gebärmutter der Frau – injiziert. Die Methode der künstlichen Befruchtung kommt beispielsweise infrage, wenn der Partner wenige oder nicht genügend Samenzellen hat. Möglich ist außerdem, die Spermien mit einer speziellen Kappe vor dem Muttermund zu platzieren (Kappeninsemination). Die Erfolgschancen sind dann aber deutlich geringer.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Bei der In-vitro-Fertilisation wird eine Eizelle in einem Reagenzglas mit der männlichen Samenzelle zusammengebracht und im Falle einer Verschmelzung in die Gebärmutter überführt. Die Samenzellen müssen dann selbst den Weg zur Eizelle finden. Die Methode wird etwa angewandt, wenn die Eileiter verschlossen sind oder fehlen, die Frau Antikörper gegen die Spermien bildet (immunologische Sterilität) oder die Zeugungskraft des Mannes reduziert ist.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Bei der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird ein einzelnes Spermium unter einem speziellen Mikroskop in eine dünne Pipette gezogen und direkt in die Eizelle gespritzt. Bei der ICSI findet im Gegensatz zur IVF eine sichere Befruchtung statt. Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass sich ein Embryo entwickelt. Ist dies jedoch der Fall, wird er in die Gebärmutter der Frau überführt.

Intratubarer Gametentransfer (GIFT)

Beim Intratubaren Gametentransfer (GIFT) werden die Eizellen per Bauchspiegelung abgesaugt und direkt mit den frisch aufbereiteten Spermien in den Trichter des Eileiters (Tube) gebracht. Die Befruchtung erfolgt also im Körper der Frau.

Dieses Verfahren setzen Mediziner*innen bei einer langjährigen, ungeklärten Sterilität der Frau ein, bei männlichen Fertilitätsstörungen und bei speziellen Formen der Endometriose, wenn Schleimhautzellen der Gebärmutter den Trichter verkleben. Die Methode birgt allerdings ein erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft und für die Bauchspiegelung muss die Frau eine Vollnarkose erhalten. Daher wird diese Methode heute nur noch selten angewandt.

Hormonbehandlung vor der künstlichen Befruchtung

Fast immer ist eine künstliche Befruchtung an eine Hormonbehandlung der Frau gekoppelt, um das Reifen mehrerer Eier anzuregen. Rund eine Woche nach der Stimulierung der Eierstöcke prüfen Ärzt*innen mehrmals Größe und Reife der Eizellen. Erscheinen diese befruchtungsfähig, muss die Frau die follikelstimulierenden Hormone (FSH) absetzen und der Eisprung wird eingeleitet, indem das Hormon humanes Choriongonadotropin (HCG) verabreicht wird.

Bei Verfahren wie der IVF und der ICSI entnimmt der*die Arzt*Ärztin die Eizellen 24 bis 48 Stunden später mit einer langen, feinen Nadel aus den Eierstöcken. Das geschieht meist durch die Scheide, manchmal auch per Bauchspiegelung. Die Frau erhält zuvor Beruhigungsmittel, Schmerzmedikamente oder eine Narkose. Nach dem Eingriff können leichte Blutungen und ein Wundgefühl auftreten.

Samengewinnung für künstliche Befruchtung

Fachleute unterscheiden zwei Arten der Befruchtung: Bei der homologen Befruchtung wird das Sperma des Partners genutzt. Bei Unfruchtbarkeit oder wenn sich ein lesbisches Paar ein Kind wünscht, ist die Behandlung auch mit einem Spendersamen möglich (heterologe Befruchtung).

Für die Samengewinnung masturbiert der Mann meist direkt im reproduktionsmedizinischen Zentrum. Um die Qualität der Spermien zu erhöhen, bereitet das Labor die Samenflüssigkeit auf. Für den Fall, dass im Samenerguss keine Spermien vorhanden sind, können oft welche aus den Nebenhoden (MESA) oder aus den Hoden (TESE) entnommen werden. Dafür ist eine kleine Operation nötig. In bis zu 75 Prozent der Fälle finden Fachleute dann doch Samenzellen. Das gewonnene Gewebe lässt sich auch einfrieren und später verwenden (Kryokonservierung).


Rechtliche Grundlagen zur künstlichen Befruchtung

In Deutschland wird die künstliche Befruchtung durch das Embryonenschutzgesetz von 1991 geregelt. Verboten sind laut diesem:

  • Eizellspende
  • Forschung an Embryonen
  • Klonen oder genetische Veränderungen von Embryonen
  • Leihmutterschaft
  • Geschlechtswahl (nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei geschlechtsgebundenen Erbkrankheiten erlaubt)

Zudem dürfen Ärzt*innen nur maximal drei Eizellen befruchten und keine von ihnen verwerfen (Dreierregel).

Während Eizellspenden verboten sind, ist die Samenspende erlaubt. Die Embryonenspende ist hingegen ein rechtlicher Grauzone. Der Verkauf von Embryonen ist strafbar. Allerdings dürfen Paare eingefrorene Embryonen, die sich nicht mehr benötigen, an andere Paare weitergeben.

Kosten: Wie teuer ist eine künstliche Befruchtung?

Die Kosten für einen Behandlungszyklus der Art IVF oder ICSI bewegen sich im Bereich von 3.000 bis 4.000 Euro. Hinzu kommen je nach individuellem Bedarf Kosten für

  • Beratungsgespräche
  • Medikamente
  • Entnahme von Spermien aus Hoden oder Nebenhoden
  • Spendersamen
  • Einfrieren und Lagern von befruchteten Eizellen

Da meist mehrere Versuche zum Schwangerwerden nötig sind, kann die künstliche Befruchtung teuer werden.

Künstliche Befruchtung: Kostenübernahme durch Krankenkasse

Ein Paar, das sich für die assistierte Reproduktion entschließt, kann mit einer Kostenbeteiligung von 50 Prozent der Krankenkassen rechnen.

Dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das Paar ist verheiratet und es werden ausschließlich Ei- und Samenzellen der Ehepartner verwendet.

  • Beide Ehepartner sind mindestens 25 Jahre alt. Der Mann ist jünger als 50 Jahre, die Frau nicht älter als 40 Jahre.

  • Weder Mann noch Frau wurden vorher sterilisiert .

  • Sowohl Mann als auch Frau haben vorher einen HIV-Test (Nachweis des Aids-auslösenden Virus) durchgeführt.

  • Es hat eine ärztliche Beratung stattgefunden und die Behandlung wird als medizinisch notwendig erachtet.

  • Es liegen ein Behandlungsplan und eine ärztliche Bescheinigung für hinreichende Erfolgsaussichten vor.

Die Kostenübernahme ist zudem auf eine bestimmte Anzahl an Versuchen begrenzt. Bei der In-vitro-Fertilisation beschränkt sich die Beteiligung an den Kosten beispielsweise auf drei Behandlungen.

Unverheiratete Paare müssen eine künstliche Befruchtung und die damit möglicherweise verbundenen Kosten für die hormonelle Stimulation oder Medikamente komplett selbst bezahlen.

Verschiedene Satzungsleistungen von Krankenkassen

Krankenkassen haben jedoch prinzipiell die Möglichkeit, innerhalb eines gewissen Rahmens Angebote in ihre sogenannten Satzungsleistungen aufzunehmen, die über das hinausgehen, was der für alle Kassen verbindliche GKV-Leistungskatalog vorsieht. Wie viel und unter welchen Voraussetzungen gezahlt wird, ist also von Kasse zu Kasse unterschiedlich. Auch die Regelungen von privaten Krankenkassen sind sehr verschieden. Paare mit Kinderwunsch sollten sich daher bei ihrer Krankenkasse informieren, welche Kosten genau übernommen werden.

Zusätzliche finanzielle Unterstützung bei künstlicher Befruchtung

Ungewollt kinderlose Paare können zudem eine finanzielle Unterstützung, die von Staat und Bundesland übernommen wird, beantragen: Für die erste bis vierte IVF oder ICSI kann ein Zuschuss in Höhe von bis zu 25 Prozent erfolgen. An der Bundesinitiative Hilfe und Unterstützung bei ungewollter Kinderlosigkeit nehmen mittlerweile elf Bundesländer teil.

Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung

Eine künstliche Befruchtung kann kinderlosen Paaren den Kinderwunsch erfüllen. Allerdings kann sie keine Garantie für eine erfolgreiche Befruchtung bieten. Die Erfolgschancen, durch eine Kinderwunschbehandlung ein Kind zu bekommen, sind individuell sehr verschieden und hängen beispielsweise

  • vom Alter der Frau,
  • der verbleibenden Fruchtbarkeit oder
  • dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.

Im Durchschnitt liegt die "baby-take-home"-Rate (Lebendgeburtenrate) bei etwa 22 Prozent. Je öfter ein Paar versucht, mithilfe der assistierten Reproduktion schwanger zu werden, desto höher ist die Chance, dass es klappt. Nach vier Behandlungen werden etwa zwei von drei Patient*innen schwanger.

Mögliche Risiken einer künstlichen Befruchtung

Die Methoden der künstlichen Befruchtung gelten insgesamt als sehr sicher und risikoarm. In seltenen Fällen können während der Hormontherapie oder der Eizellenentnahme allerdings Nebenwirkungen wie Schwindel oder Hitzewallungen auftreten. Unabhängig davon kann eine Kinderwunschbehandlung oft eine emotionale Belastung sein, vor allem wenn es nicht sofort bei den ersten Versuchen funktioniert.

Ist die Behandlung erfolgreich, verläuft die Schwangerschaft meist normal. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass Kinder, die durch eine künstliche Befruchtung entstanden sind, häufiger an Fehlbildungen leiden und im späteren Alter ein erhöhtes Risiko für bestimmte Erkrankungen (etwa Herzinfarkte oder Schlaganfälle) haben.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass es häufiger zu Mehrlingsschwangerschaften kommt, da Mediziner*innen meist zwei oder drei Embryonen einsetzen.

Die verblüffendsten Fakten über Sperma
Beratender Experte
Frau Lucia Cremer

Kinderkrankenschwester und frühkindliche Entwicklungsbegleitung

Artikel zum Thema
Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Aktuelle Fragen aus der Community
Meistgeklickt zum Thema
PMS oder schwanger? Anzeichen richtig einordnen
Kinderwunsch

PMS ähnelt oft den Anzeichen einer Schwangerschaft. Selbsttest kann helfen, Symptome richtig einzuordnen. → Weiterlesen

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2023/05: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Funke Digital GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: https://www.lifeline.de/

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.

Sie haben Lifeline zum Top-Gesundheitsportal gewählt

Sie haben Lifeline zum Top-Gesundheitsportal gewählt. Vielen Dank für Ihr Vertrauen.