Was zahlt die Kasse?

Künstliche Befruchtung: Verfahren und Kosten

Eine künstliche Befruchtung kommt für viele Paare infrage, bei denen es nicht auf natürliche Weise mit der Schwangerschaft klappt. Die sogenannte assistierte Reproduktion umfasst verschiedene Verfahren, etwa die In-vitro-Fertilisation, die aufwändig, teuer und belastend sein können. Wer bestimmte Kriterien erfüllt, kann zumindest die eigenen Kosten senken.

Mutter und Baby
Es gibt unterschiedliche Verfahren der assistierten Reproduktion. Bei manchen findet die Befruchtung der Eizelle in der Petrischale, bei anderen im Körper der Frau statt.
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Von einer künstlichen Befruchtung – oder assistierten Reproduktion – ist die Rede, wenn der Zeugungsakt nicht auf natürliche Weise während des Geschlechtsverkehrs passiert, sondern Ei- und Samenzelle mithilfe medizinischer Verfahren miteinander verschmelzen. Dabei gibt es verschiedene Methoden:

  • In-vitro-Fertilisation (IVF): Die Eizelle wird in einem Reagenzglas mit der Samenzelle des Partners zusammengebracht und im Falle einer Verschmelzung in die Gebärmutter überführt.

  • Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Hier wird die Samenzelle direkt in die Eizelle eingebracht, die dabei sicher befruchtet wird.

  • Intratubarer Gametentransfer (GIFT): Gemisch aus Ei- und Samenzellen wird an einer bestimmten Stelle des Eileiters platziert. Die Befruchtung findet also im Körper der Frau statt außerhalb statt. 

  • Insemination: Das Sperma wird zum Beispiel in die Gebärmutter oder den Eileiter gespritzt. Auch bei dieser Methode findet die Befruchtung im Körper der Frau statt.

  • In-vitro-Maturation (IVM): Hier wird der Frau im Gegensatz zu den anderen Methoden eine unreife Eizelle entnommen, die in der Petrischale heranreift und dann befruchtet wird.

Kosten der künstlichen Befruchtung: So teuer kann es werden

Die Kosten für einen Behandlungszyklus der Art IVF oder ICSI bewegen sich im Bereich von 3.000 bis 4.000 Euro. Hinzu kommen je nach individuellem Bedarf Kosten für

  • Erstgespräch
  • Medikamente
  • Entnahme von Spermien aus Hoden oder Nebenhoden
  • Spendersamen

und vieles mehr. Da das Schwangerwerden oft nicht beim ersten Versuch klappt, kann die künstliche Befruchtung für Paare sehr teuer werden.

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Was zahlt die Kasse? Welche Zuschüsse sind sonst möglich?

Ein Pärchen, das sich für die assistierte Reproduktion entschließt, kann mit einer Kostenbeteiligung der Kassen rechnen, wenn es einige Voraussetzungen erfüllt:

  • Das Paar muss verheiratet,
  • der Mann zwischen 25 und 50 und
  • die Frau zwischen 25 und 40 Jahre alt sein.

Gesetzliche Krankenversicherungen übernehmen in diesem Fall 50 Prozent der Kosten für bis zu

  • acht Zyklen der Insemination ohne Hormonbehandlung und
  • drei Zyklen der Insemination mit Hormonbehandlung und
  • drei Behandlungen der In-vitro-Fertilisation oder Intracytoplasmatischen Spermieninjektion.

Unverheiratete Paare müssen eine künstliche Befruchtung und die damit möglicherweise verbundenen Kosten für hormonelle Begleitbehandlung oder Medikamente komplett selbst bezahlen. Die gesetzliche Krankenkasse darf diese Kosten nicht übernehmen, entschied im Frühjahr 2014 das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg in Potsdam. Der Zuschuss für eine Kinderwunschbehandlung ist übrigens die einzige Krankenkassenleistung, bei der ein Trauschein notwendig ist.

Krankenkassen haben jedoch prinzipiell die Möglichkeit, innerhalb eines gewissen Rahmens Angebote in ihre sogenannten Satzungsleistungen aufzunehmen, die über das hinausgehen, was der für alle Kassen verbindliche GKV-Leistungskatalog vorsieht. Wie viel und unter welchen Voraussetzungen gezahlt wird, ist also von Kasse zu Kasse völlig unterschiedlich.

Hier finden Sie einen Überblick zu den zusätzlichen Leistungen der Krankenkassen bei künstlicher Befruchtung.

Ungewollt kinderlose Paare können zudem eine finanzielle Unterstützung, die von Staat und Bundesland übernommen wird, beantragen: Für die erste bis vierte IVF oder ICSI kann ein Zuschuss in Höhe von bis zu 25 Prozent erfolgen. An dieser Initiative nehmen jedoch nur sechs Bundesländer teil: Berlin, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen.

Hormonbehandlung vor der künstlichen Befruchtung

Fast immer ist eine künstliche Befruchtung an eine Hormonbehandlung der Frau gekoppelt, um das Reifen von mehreren Eiern anzuregen. Rund eine Woche nach der Stimulierung der Eierstöcke prüft der Arzt mehrmals Größe und Reife der Eizellen. Erscheinen diese befruchtungsfähig, muss die Frau die follikelstimulierenden Hormone (FSH) absetzen, und der Arzt löst den Eisprung aus, indem er ihr das Hormon Choriongonadotropin (hCG) spritzt.

Bei Verfahren wie der IVF und der ICSI entnimmt der Arzt die Eizellen 24 bis 48 Stunden später mit einer langen feinen Nadel aus den Eierstöcken. Das geschieht meist durch die Scheide, manchmal auch per Bauchspiegelung. Die Frau erhält zuvor Beruhigungsmittel, Schmerzmedikamente oder eine Narkose. Nach dem Eingriff können leichte Blutungen und ein Wundgefühl auftreten.

Samengewinnung für künstliche Befruchtung

Wenn der Arzt die Eizellen entnommen hat, braucht das Labor frischen Samen. Daher masturbiert der Mann meist direkt im reproduktionsmedizinischen Zentrum. Um die Qualität der Spermien zu erhöhen, bereitet das Labor die Samenflüssigkeit auf.

Für den Fall, dass im Samenerguss keine Spermien vorhanden sind, können oft welche aus den Nebenhoden (MESA) oder aus den Hoden (TESE) entnommen werden. Dafür ist eine kleine Operation nötig. In bis zu 75 Prozent finden die Ärzte dann doch Samenzellen. Das gewonnene Gewebe lässt sich auch einfrieren und später verwenden.

Gleiches gilt für befruchtete Eizellen, bei denen noch keine Verschmelzung der Erbanlagen stattgefunden hat (Kryokonservierung). In diesem Vorkernstadium gilt die Eizelle mit dem Spermium noch nicht als Embryo. Ein neuer, noch unerforschter Weg ist das Assisted Hatching, das das Einnisten des Embryos in die Gebärmutter fördern soll. Dazu wird die Hülle der Eizelle künstlich eingeritzt oder verdünnt, um dem Embryo das Schlüpfen zu erleichtern.

Die verschiedenen Verfahren der künstlichen Befruchtung:

Samenübertragung (Inseminationsbehandlung)

Bei der Samenübertragung findet die Befruchtung im Körper der Frau statt. Dabei werden Samenzellen in den weiblichen Genitaltrakt eingeführt. Je nach genauem Zielort unterscheidet man folgende Formen der Insemination:

  1. Kappeninsemination: Die Spermien werden mit einer Kappe vor dem Muttermund platziert.

  2. Intrazervikale Insemination (ICI): Die Spermien werden im Gebärmutterhals platziert. Dieses Verfahren kann besonders Paaren helfen, bei denen die Frau unter Vaginismus (reflexartige Verkrampfung der äußeren Scheidenmuskulatur) leidet. Das Sperma braucht hierbei nicht vom Prostatasekret des Mannes gereinigt zu werden und die Verfahren sind in einer regulären Frauenarztpraxis durchführbar.

  3. Intrauterine Insemination (IUI): Durch eine Hormonbehandlung wird zunächst der Eierstock so stimuliert, dass eine ausreichende Anzahl Follikel heranreift. Ein zusätzliches Medikament löst dann den Eisprung aus. Durch eine Art Schlauch spritzt der behandelnde Gynäkologe die gereinigten und durch ein spezielles Verfahren konzentrierten Spermien in die Gebärmutter. Das Verfahren gilt als schmerzfrei.

  4. Intratubare Insemination (ITI): Nach der Hormonbehandlung werden die Spermien direkt im Eileiter platziert. Dieses Verfahren ist allerdings mit mehr Schmerzen für die Frau verbunden.

Die Insemination verspricht Erfolg, wenn mindestens 20 Prozent bewegliche Spermien und nicht mehr als 80 Prozent Fehlformen vorhanden sind. Sinkt der Prozentsatz unter 20 Prozent, steht dem Paar noch die Möglichkeit der Befruchtung mit Fremdsperma oder die In-vitro-Fertilisation offen.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Eine In-vitro-Fertilisation ist für viele Paare der letzte Versuch, ein Kind zu bekommen, nachdem die anderen Methoden keinen Erfolg gebracht haben. Sie wird etwa angewandt, wenn die Eileiter verschlossen sind oder fehlen, die Frau Antikörper gegen die Spermien bildet (immunologische Sterilität) oder die Zeugungskraft des Mannes reduziert ist.

Bei der IVF wird die Eizelle außerhalb des weiblichen Körpers im Labor mit der Samenzelle zusammengebracht und im Brutschrank kultiviert, wo die Befruchtung stattfinden soll. In Deutschland darf nur die eigene Eizelle verwendet werden; eine Eizellspende ist nicht erlaubt, eine Samenspende hingegen schon.

Ob die Befruchtung geklappt hat, lässt sich unter dem Mikroskop erkennen. Es erfolgt die Auswahl der Eizellen, die der Arzt zurückgibt; die übrigen befruchteten Eizellen werden verworfen oder eingefroren. Wenige Tage nach der Entnahme überträgt der Mediziner ein bis drei befruchtete Eizellen in den Körper der Frau. Mit einem dünnen Schlauch (Katheter) schleust er die Eizellen durch die Scheide und den Muttermund in die Gebärmutterhöhle. Das ist für die meisten Frauen wenig oder gar nicht schmerzhaft.

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Rund zwei Wochen nach dem Transfer der Embryonen in die Gebärmutter zeigen der Hormonspiegel und Kontrolluntersuchungen, ob eine Schwangerschaft begonnen hat. Knapp vier Wochen nach dem Eingriff lässt sich auf einem Ultraschallbild erkennen, ob der Embryo lebt, und ob es sich um ein Kind oder Mehrlinge handelt. Letzteres kann passieren, wenn zwei oder drei befruchtete Eizellen übertragen werden.

Es kommt allerdings öfter vor, dass sich der Embryo gar nicht in der Gebärmutter einnistet. Im Schnitt wird bis zu ein Viertel der Frauen nach einem Transfer schwanger. Die Geburtenquote pro IVF-Durchgang, "babytakehome-Rate" genannt, liegt aber nur bei etwa elf bis 13 Prozent.

Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Bei der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird ein einzelnes Spermium unter einem speziellen Mikroskop in eine dünne Pipette gezogen und direkt in die Eizelle gebracht, die der Frau zuvor entnommen wurde. Auch hier ist vorher meist eine Hormonbehandlung der Frau nötig.

Bei der ICSI findet im Gegensatz zur IVF eine sichere Befruchtung statt. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich ein Embryo entwickelt. Ist dies jedoch der Fall, wird er in die Gebärmutter der Frau überführt. Die Erfolgschancen, durch eine ICSI-Behandlung ein Baby zu bekommen, liegen bei 15 bis 20 Prozent.

ICSI ist eines der häufigsten Verfahren der künstlichen Befruchtung und kommt vor allem zum Einsatz, wenn der Mann nur wenige oder unbewegliche Spermien produziert, die nicht von allein die Hülle der Eizelle durchdringen können.

Intratubarer Gametentransfer (GIFT)

Beim Intratubaren Gametentransfer (GIFT) werden die Eizellen per Bauchspiegelung abgesaugt und direkt mit den frisch aufbereiteten Spermien in den Trichter des Eileiters (Tube) gebracht. Die Befruchtung erfolgt also im Körper der Frau.

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Dieses Verfahren setzen Ärzte bei einer langjährigen, ungeklärten Sterilität der Frau ein, bei männlichen Fertilitätsstörungen und bei speziellen Formen der Endometriose, wenn Schleimhautzellen der Gebärmutter den Trichter verkleben. Die Erfolgsquote liegt bei etwa 20 Geburten pro 100 Transfers. Die Methode birgt ein erhöhtes Risiko für eine Eileiterschwangerschaft. Ein Nachteil: Für die Bauchspiegelung muss die Frau eine Vollnarkose erhalten.

In-vitro-Maturation (IVM)

Normalerweise werden für eine künstliche Befruchtung Eizellen verwendet, die im Körper der Frau – meist unter Hormongaben – herangereift sind. Bei der In-vitro-Maturation (IVM) dagegen entnimmt der Reproduktionsmediziner unreife Eizellen und lässt sie ein bis zwei Tage in einer Petrischale heranreifen, in der sich die Hormone FSH und hCG befinden. Dann werden die Eizellen befruchtet und nach zwei weiteren Tagen in die Gebärmutter eingesetzt.

Bislang wird dieses neue Verfahren in Deutschland selten angewandt. Es verhindert zwar eine Hormonbehandlung der Frau. Doch es ist strittig, ob IVM zu Chromosomenschäden führen kann. Nach den vorliegenden Studien scheint diese Befruchtungsart eine Option für Frauen mit dem PCO-Syndrom zu sein, bei dem der Eierstock viele kleine unreife Eizellen bildet. Bei anderen Frauen ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft geringer als bei der herkömmlichen IVF. Ob IVM eine Hilfe für junge Frauen nach einer Chemotherapie sein kann, untersuchen Wissenschaftler noch.

Was Stress in Frauen anrichtet

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. September 2017
Durch:
Quellen: http://www.informationsportal-kinderwunsch.de/startseite/; Familienplanung.de

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