Giftige Substanzen in Früchten, Blüten, Blättern

Giftpflanzen im Garten: Gefährliche Schönheiten

Tipps zum Vorbeugen von Vergiftungen und Erste Hilfe im Notfall

Sie haben prächtige Blüten oder verlockende Früchte: Von vielen Stauden, Sträuchern und Bäumen im Garten sollten wir jedoch besser die Finger lassen, denn sie sind giftig. Manche von ihnen enthalten sogar Substanzen, von denen eine tödliche Gefahr ausgeht. Welche das sind und wie man sich selbst, seine Kinder und Haustiere schützt – unsere Tipps.

Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
Verlockende Früchte – leider aber giftig: Das Pfaffenhütchen gehört zu den Giftpflanzen im Garten.
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Sie besitzen so klangvolle Namen wie Tollkirsche, Eisenhut, Engelstrompete oder Fingerhut, sie erfreuen Gärtner und Spaziergänger mit ihren Blüten oder Düften – und trotzdem sollte man ihnen mit Respekt begegnen. Die offizielle Liste des Bundesumweltministeriums enthält allein 49 Pflanzenarten, die bereits bei der Einnahme von geringen Mengen mittelschwere bis schwere Vergiftungen hervorrufen können.

Neben diesen gibt es jedoch auch noch eine Reihe weitere Pflanzen, die leichtere Vergiftungen hervorrufen können. Zu ihnen zählen solche "harmlosen" Vertreter wie die Gartenbohnen. Deren Früchte sollten auf keinen Fall roh genascht werden.

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Eisenhut gehört zu den giftigsten Pflanzen überhaupt

Zu den giftigsten Pflanzen in Europa gehört der Eisenhut. Er steht unter Naturschutz und wächst sowohl im Garten als auch wild. Die tiefblau oder hellgelb blühende Staude enthält die Substanz Aconitin, welche zu den stärksten Pflanzengiften überhaupt gehört. Schon geringe Mengen können tödlich sein. Eine Vergiftung macht sich anfangs durch Mundtrockenheit und Kribbeln auf der Haut und an Fingern und Zehen bemerkbar. Später folgen unter anderem Krämpfe, Herzrhythmusstörungen und Atemlähmung.

Das Gift des Eisenhuts kann nicht nur durch das Verschlucken von Blättern oder Blüten aufgenommen werden, sondern auch über die Schleimhäute und selbst durch die intakte Haut – zum Beispiel beim Pflücken oder der Gartenarbeit. Weil vom Eisenhut eine große gesundheitliche Gefahr ausgeht, sollten Gärtner nur vorsichtig mit der Pflanze hantieren. Wenn Kinder  im Garten unterwegs sind, sollte der Eisenhut besser entfernt werden.

Giftpflanzen im Garten für Kinder gefährlich

Für Kinder stellen giftige Pflanzen eine besondere Gefahr dar. Kleinkinder erkunden beim Spielen ihre Umwelt mit den Händen und dem Mund und „kosten“ Blätter, Blüten und Beeren ohne Scheu. Ähneln diese – wie die pink-orangenen Früchte des Pfaffenhütchens – auch noch Gummibärchen, gibt es für neugierige Steppkes oft kein Halten. Beim Giftnotruf Erfurt sind Pflanzen die dritthäufigste Ursache für Vergiftungen bei Kindern. Durch das geringere Körpergewicht reicht bei Kindern zudem eine weit geringere Menge an Pflanzenmaterial aus, um Vergiftungssymptome hervorzurufen.

Ähnliches gilt für Haustiere: Viele Pflanzen im Garten sind auch für Katzen und Hunde oder Nutztiere wie Kühe und Pferde gefährlich. So kommt es regelmäßig durch das versehentliche Verfüttern von Schnittgut der Eibe zu Vergiftungen bei Weidetieren.

Giftige Pflanzen als Drogenersatz

Bei Erwachsenen spielen Vergiftungen durch Pflanzen dagegen kaum eine Rolle. Meist passieren solche Unfälle, wenn mit Pflanzen experimentiert wird, die für ihre berauschende Wirkung bekannt sind und die als Ersatz für herkömmliche Drogen genutzt werden. Dazu gehören unter anderem Tollkirsche, Engelstrompete, Stechapfel und Hortensie.

Früchte, Blätter oder Wurzeln werden dabei gegessen, geraucht, als Tee aufgebrüht oder zum Zubereiten von Speisen genutzt. Von solchen Versuchen sollte man jedoch die Finger lassen. Denn der Giftstoffgehalt einer Pflanze ist unter anderem abhängig von Standort, Art, Witterung und Pflanzenteil. Eine für die Gesundheit gefährliche Dosis können Laien kaum einschätzen.

Symptome einer Vergiftung durch Gartenpflanzen

Die Anzeichen einer Vergiftung durch Gartenpflanzen können ganz unterschiedlich sein: Werden Pflanzenteile gegessen, kommt es oft zu Unwohlsein, Erbrechen, Magenkrämpfen und plötzlichen Durchfällen. Die Pupillen können sich erweitern, Sinneswahrnehmungen wie Sehen und Hören verändern sich, eventuell fängt die Haut an zu kribbeln oder der Betroffene fühlt Wärme und Kälte anders. Beim Kontakt mit der Haut treten oft starker Juckreiz oder Rötungen auf.

Welche speziellen Symptome einzelne Giftpflanzen hervorrufen, können Sie in unserer Bilderstrecke am Ende des Beitrags nachlesen.

Wie lassen sich Unfälle mit giftigen Pflanzen im Garten vermeiden?

Auch wenn von giftigen Pflanzen Gefahren für die Gesundheit ausgehen, müssen sie nur in Ausnahmefällen komplett aus dem Garten oder von öffentlichen Grünflächen entfernt werden. Das würde viele der zum Teil unter Naturschutz stehenden Arten nur unnütz dezimieren. Besser ist es, sich über die gefährlichen Schönheiten zu informieren und bewusst mit ihnen umzugehen.

Was Gärtner beachten müssen, um sich vor Giftpflanzen zu schützen

So sollten Erwachsene beim Hantieren im Garten einige Grundregeln beachten:

  • Beim Umgang mit bekannten giftigen Pflanzen, aber auch unbekannten Gewächsen Handschuhe und möglichst langärmelige Arbeitskleidung tragen.

  • Gejätete giftige Pflanzen extra entsorgen, damit Haustiere oder Nutzpflanzen nicht damit in Kontakt kommen. 

  • Blumenzwiebeln und anderes Pflanzenmaterial getrennt von Lebensmitteln lagern. So können zum Beispiel Narzissenzwiebeln leicht mit Gemüsezwiebeln verwechselt werden.

  • Pflanzen Sie giftige Doppelgänger nicht in die Nähe von Nutzpflanzen: So kann das Laub von Maiglöckchen und der Herbstzeitlosen leicht mit Bärlauch verwechselt werden.

Beim Kauf von neuen Pflanzen für den Garten oder das Wohnzimmer sollte man sich zudem über die Giftigkeit informieren und beraten lassen.

Kindgerechter Garten ohne giftige Pflanzen

Wer kleine Kinder hat, sollte jedoch im heimischen Garten auf einige besonders "verlockende" Exemplare verzichten. Nach einer DIN-Verordnung zur Gestaltung von Kinderspielplätzen und Kindereinrichtungen sind nur Goldregen, Pfaffenhütchen, Seidelbast und Stechpalme unzulässig. Aber auch Engelstrompete oder Eisenhut gehören nicht in einen Privatgarten, in dem kleine Kinder unterwegs sein könnten. Auch andere Pflanzen, von denen eine Gefahr für Kinder ausgeht, sollten nicht am Gartenzaun oder an gut zugängliche Stellen im Garten gepflanzt werden.

Bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen können sich Eltern über Pflanzen für einen kinderfreundlichen Garten informieren. Die Fachleute empfehlen dabei zahlreiche Blütenstauden, Sträucher, Bäume und Obstgehölze, die nicht nur ungiftig und pflegeleicht sind, sondern deren Früchte, Blätter und Äste sogar als Spielmaterial dienen können.

Mit den Kindern Regeln für den Umgang mit Giftpflanzen aufstellen

Eltern können Kinder jedoch nicht komplett vor giftigen Pflanzen schützen. Kinder, die draußen toben und spielen, können auch mit wildwachsenden Arten in Kontakt kommen. Deshalb ist es wichtig, gemeinsam mit dem Nachwuchs kindgerechte Regeln zu besprechen, damit die Kleinen möglichst nicht in Versuchung geraten.

Grundregel sollte sein, dass nur das gegessen wird, was Mama und Papa erlaubt haben. Falls das Kind doch einmal eine verbotene Frucht genascht hat, darf es nichts verheimlichen. Die Eltern müssen sofort Bescheid wissen – auch wenn es einen Freund oder eine Freundin betrifft. Ganz wichtig: Es gibt keine Strafe dafür, wenn das Kind „beichtet“.

Was tun bei Vergiftungen mit Pflanzen?

Haben sich Kinder trotz aller Vorsicht Blätter oder Früchte in den Mund gesteckt und ist ihnen danach unwohl oder müssen sie gar erbrechen, dann sollte schnell und trotzdem besonnen gehandelt werden.

Folgende Punkte sind wichtig, wenn eine Vergiftung durch Pflanzen vermutet wird:

  • Wenden Sie sich an die für den Wohnort zuständige Giftnotrufzentrale. Schildern Sie am Telefon möglichst genau, wovon und wie viel das Kind gegessen hat und wie lange die Einnahme zurückliegt. Ein Foto der Pflanze können sie oft per E-Mail an die Giftnotrufzentrale schicken. Befolgen Sie die Hinweise der Giftnotrufzentrale zu Erste-Hilfe-Maßnahmen.

  • Augen oder Haut, die mit Pflanzensäften in Kontakt gekommen sind, mit viel Wasser spülen beziehungsweise abwaschen. Der Mund kann mit Wasser oder Tee gründlich ausgespült werden, das verdünnt das Gift an den Schleimhäuten. Das Kind anschließend nur Wasser oder Tee trinken lassen, keine Milch. Sie kann die Aufnahme giftiger Substanzen beschleunigen.

  • Lassen Sie das Kind erbrechen, falls dies noch nicht geschehen ist. Geben sie dazu lauwarmes Wasser zu trinken – aber niemals Salzwasser.

  • Suchen sie unverzüglich einen Kinderarzt oder Notarzt auf.

  • Lassen Sie sich die Pflanze, von der das Kind gegessen hat, zeigen und nehmen Sie Blätter, Blüten und wenn vorhanden Früchte mit zum Arzt. Das erleichtert die Identifizierung der Pflanze, die Behandlung kann schneller eingeleitet werden. Bei der Pflanzenbestimmung können auch Apotheker, Gärtner, Gartennachbarn oder Biologielehrer helfen.

Wichtig ist, keine unüberlegten Therapieversuche in Eigenregie zu starten. Die meisten „Hausmittel“ sind veraltet und schaden mehr, als sie nützen. Bleiben Sie möglichst ruhig: Auch wenn viele Symptome und Schilderungen bedrohlich klingen – die meisten Vergiftungsfälle mit Gartenpflanzen verlaufen zum Glück relativ harmlos.

In der Galerie zeigen wir Ihnen Bilder von einigen der wichtigsten Giftpflanzen im Garten:

Die wichtigsten Giftpflanzen im Garten

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Letzte Aktualisierung: 03. März 2015

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