Interview mit Ernährungsexperte

Xucker – die gesunde Alternative zu Zucker und Süßstoff?

Xucker, also Xylit, hat weniger Kalorien als Zucker, soll jedoch so gut schmecken wie das Original und ebenfalls ein Naturprodukt sein. Außerdem soll Xylit Karies hemmen. Lifeline fragte einen Experten, was von diesen guten Eigenschaften tatsächlich zutrifft und was ins Reich der Xucker-Mythen gehört.

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Zucker vs. Xylit: Xucker hat weniger Kalorien und wirkt antibakteriell. Damit kann der Zuckeralkohol, der ursprünglich aus Birkenrinde ("Birkenzucker") gewonnen wurde, unter anderem Karies eindämmen.
© iStock.com/Elmik

Xucker gilt als neuer Star unter den Süßungsmitteln. Dabei ist sein Inhaltsstoff Xylit bereits seit langem bekannt, er süßt etwa zuckerfreie Kaugummis. Xucker ist jedoch nicht zu verwechseln mit Xucker light, der mit Erythrit einen anderen Süßstoff enthält.

Zwar ist Xucker nicht kalorienfrei wie andere Süßstoffe: Xylit liefert etwa 40 Prozent weniger Energie als Zucker, also rund 240 kcal pro 100 Gramm. Wer allerdings statt Zucker auf Xucker setzt, spart damit trotzdem täglich eine Menge Kalorien. Allerdings gibt es auch Menschen, die an einer Unverträglichkeit gegenüber Xylit leiden und auf Xucker deshalb mit Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall reagieren.

Xucker soll vor Krankheiten schützen

Geschmacklich unterscheiden sich die weißen Xucker-Kristalle nicht wesentlich vom Original. Ähnlich wie Traubenzucker vermitteln sie auf der Zunge ein angenehmes Schmelzgefühl. Doch wie sieht es mit den anderen positiven Effekten aus, die Xucker haben soll, etwa dem Schutz vor Krankheiten wie Diabetes oder seiner antibakteriellen Wirkung bei Karies, Parodontose sowie Nebenhöhlenentzündung und Mittelohrentzündung?

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Im Interview mit Lifeline beantwortet diese Fragen Dr. Udo Kienle von der Universität Hohenheim, der sich auf das Thema Süßstoffe und Süßungsmittel spezialisiert hat:

Xucker soll ein reines Naturprodukt aus Birkenrinde sein. Stimmt das?

Dr. Udo Kienle: Bei Xucker handelt es sich um Xylit. Das ist ein Zuckerstoff, der von Natur aus in Früchten, Gemüse und Holz in geringen Anteilen vorkommt. Früher wurde Xylit für die Herstellung des Süßstoffs aus Birkensirup gewonnen. Heute geht das synthetisch.

Das Xylit für Xucker wird also chemisch hergestellt?

U. K.: Das geschieht durch Fermentation. Gentechnisch manipulierte Hefebakterien produzieren aus einem stärkehaltigen Substrat wie Mais den Zuckeralkohol Xylit. Viele Zusatzstoffe in Lebensmitteln werden auf diese Weise hergestellt, übrigens auch Medikamente.

Ist Xucker ein geeigneter Ersatz für Zucker, etwa in Sachen Süßkraft?

U. K.: Xylit hat eine fast so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker, jedoch wesentlich weniger Kalorien. Von daher wäre Xylit also ein echter Zuckerersatz. Allerdings kommt es auch auf den Geschmack an. Mir persönlich schmeckt beispielsweise Xylit im Kaffee nicht, hier ist meiner Meinung nach Zucker unschlagbar. Aber das wird vermutlich jeder anders empfinden.

Xucker soll vor allem für Diabetiker sinnvoll sein. Was ist dran?

U. K.: Xylit wird vom Körper insulinunabhängig verarbeitet. Das heißt, durch Xylit gibt es keine Insulinausschüttung und der Blutzuckerspiegel wird nicht in die Höhe getrieben, wie das Zucker macht. Sicher ist das sinnvoll für Diabetiker. Allerdings gibt es Süßstoffe, die im Gegensatz zu Xylit keine Kalorien enthalten. Weil für Diabetiker meist auch das Thema Übergewicht eine Rolle spielt, entscheiden sich daher viele für einen Süßstoff ohne Kalorien.

Xucker wäre jedoch eine gute Option, um Diabetes vorzubeugen?

U. K.: Das ist ein komplexes Thema. Nicht jeder, der viel Zucker isst, bekommt Diabetes. Andere Risikofaktoren wie die genetische Disposition, Übergewicht und Bewegung spielen dabei ein Rolle. Xylit zur Diabetesprävention sehe ich daher kritisch.

Aber gegen Karies und Parodontitis soll Xucker wirken. Stimmt das?

U. K.: Zuckeralkohole wie Xylit können tatsächlich Karies bremsen. Dazu gibt es große, aussagekräftige Studien aus Finnland, die das beweisen. Denn die Keime, die Karies und Parodonitis auslösen, können Xylit nicht verstoffwechseln. Anders als Zucker ist Xylit also keine Nahrung für diese Keime. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie Karies vermeiden, wenn Sie Lebensmittel essen, die mit Xylit gesüßt sind. Denn Lebensmittel sind komplex und enthalten oft andere Stoffe, die sehr wohl von den Kariesbakterien verstoffwechselt werden. Lebensmittel mit Xylit können demnach Karies hemmen, müssen es aber nicht.

Wie sieht es mit der Kariesprophylaxe mit Xylit aus?

U. K.: Die Tasse Kaffee mit Xylit hat keine gute Anti-Karies-Wirkung. Der Kaffee mit Xylit wird einfach hinuntergeschluckt und hat kaum Kontakt mit Mundhöhle und Zähnen. Sinnvoller sind Kaugummis mit Xylit. Beim längeren Kauen kann Xylit nämlich besser gegen Karieskeime wirken.

Diese antibakterielle Wirkung von Xylit könnte auch bei Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündung und anderen Entzündungen eine Rolle spielen.

U. K.: Dazu gibt es meines Wissens kaum Studien und die müsste man sich genauer ansehen. Ich würde auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenn ich vermute, eine der genannten Krankheiten zu haben.

Hat Xucker Nebenwirkungen?

U. K.: Wie alle Zuckeralkohole kann Xylit ab einer gewissen Menge abführend wirken. Ein Beispiel: Wer 60 Kilogramm wiegt, kann bei mehr als 30 Gramm Xylit pro Tag diese Nebenwirkung bemerken. Diese Menge ist relativ schnell erreicht, etwa mit sechs Tassen Kaffee, die über den Tag verteilt getrunken werden und jeweils mit einem Teelöffel Xylit gesüßt sind.

Ist Xucker Ihrer Meinung nach der bessere Zucker?

U. K.: Das kommt darauf an, wie Ihnen Xylit schmeckt. Der normale Haushaltszucker ist vom Geschmack her im Vergleich zu allen Süßstoffen unschlagbar. Außerdem spielt auch der Preis eine Rolle: Ein Kilogramm Xylit kostet momentan immerhin um die zwölf Euro. Das ist also auch ein Kostenfaktor. Im Zusammenhang mit Kariesprävention ist Xylit jedoch bemerkenswert. Wer gerne Kaugummi kaut, für den sind Xylit-Kaugummis ideal, um Karies zu bremsen.

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