Unerfüllter Kinderwunsch

Künstliche Befruchtung: Welche Kasse zahlt?

50 Prozent der Kosten einer künstlichen Befruchtung müssen gesetzliche Krankenkassen tragen, aber nur für die ersten drei Behandlungsversuche und wenn das Paar bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Über ihre Satzungsleistungen bieten einige Kassen jedoch deutlich mehr – bis hin zur kompletten Kostenübernahme.

Krankenkassen übernehmen bis zu 100 Prozent des Eigenanteils
Einige Krankenkassen ebnen ihren ungewollt kinderlosen Versicherten den Weg zum Elternglück - durch Zuschüsse zur künstlichen Befruchtung oder komplette Kostenübernahme.
Getty Images/iStockphoto

Ungewollt kinderlos: Dieses Schicksal trifft rund sechs Millionen Menschen in Deutschland. In vielen Fällen könnte die Medizin mit künstlicher Befruchtung nachhelfen. Ob diese Hilfe in Anspruch genommen wird, ist jedoch eine Kostenfrage.

Während die gesetzlichen Krankenkassen vor 2004 noch die Kosten für bis zu vier künstliche Befruchtungen übernahmen, gibt es seither nur noch 50 Prozent Zuschuss von der Kasse – und das nur für die ersten drei Versuche. Außerdem müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Kassen überhaupt für den Versuch einer künstlichen Befruchtung zahlen: Das Paar muss verheiratet, der Mann zwischen 25 und 50 und die Frau zwischen 25 und 40 Jahre alt sein. So sieht es der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung vor.

Unverheiratete Paare müssen eine künstliche Befruchtung komplett selbst bezahlen. Die gesetzliche Krankenkasse darf diese Kosten nicht übernehmen, entschied im Frühjahr 2014 das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg in Potsdam. Der Zuschuss für eine Kinderwunschbehandlung ist übrigens die einzige Krankenkassenleistung, bei der ein Trauschein notwendig ist.

Kosten der künstlichen Befruchtung

Die Kosten einer künstlichen Befruchtung bewegen sich im Bereich von mindestens 2.000 Euro für einen Behandlungszyklus, oft kostet ein Versuch, schwanger zu werden, deutlich mehr. Paare, die sich dafür entscheiden, müssen also mit einem Eigenanteil von mindestens tausend Euro rechnen.

Krankenkassen haben jedoch prinzipiell die Möglichkeit, innerhalb eines gewissen Rahmens Angebote in ihre sogenannten Satzungsleistungen aufzunehmen, die über das hinausgehen, was der für alle Kassen verbindliche GKV-Leistungskatalog vorsieht. Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz, das zum 1. Januar 2012 in Kraft trat, dehnte die Möglichkeit dazu weiter aus. Das betrifft unter anderem den Bereich der künstlichen Befruchtung.

Inzwischen machen schon einige Krankenkassen davon Gebrauch und greifen ihren Versicherten mit unerfülltem Kinderwunsch mit höheren Zuschüssen zur künstlichen Befruchtung finanziell unter die Arme. Wieviel und unter welchen Voraussetzungen gezahlt wird, ist dabei von Kasse zu Kasse völlig unterschiedlich. Die AOK Baden-Württemberg beispielsweise übernimmt ab Juli 2013 statt der gesetzlich vorgeschriebenen 50 Prozent drei Viertel der Kosten für die ersten drei Versuche, wenn beide Partner bei der Kasse versichert sind.

Außerdem setzt sich die AOK im Südwesten über die ansonsten geltenden Voraussetzungen für die Bezuschussung der künstlichen Befruchtung hinweg: Es gibt hier keine Altersbeschränkung für die Frau. Gleichgeschlechtliche Paare können den Zuschuss ebenfalls erhalten – vorausgesetzt, ein zur künstlichen Befruchtung zugelassener Arzt bestätigt, dass keine besonderen gesundheitlichen Risiken vorliegen und Erfolgsaussichten bestehen.

Künstliche Befruchtung von Kassen unterschiedlich bezuschusst

Aus der AOK-Familie hat sich zudem die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland dazu entschlossen, mehr für ungewollt kinderlose Paare zu tun. Diese Kasse ist aber nicht ganz so großzügig: Sie trägt 62,5 Prozent der Kosten für die ersten drei Versuche. Unter den zahlreichen Betriebskrankenkassen gibt es ebenfalls einige, die den Kinderwunsch ihrer Versicherten über ihre gesetzliche Verpflichtung hinaus unterstützen, wenn es allein auf natürlichem Weg nicht klappen will. Eine der ersten war die BKK VBU. Sie übernimmt bereits seit Mai 2012 drei Viertel der Behandlungskosten für bis zu drei Versuche der künstlichen Befruchtung, berücksichtigt dabei aber nur die Leistungen, die dem bei ihr versicherten Partner zuzuordnen sind.

Ganz ohne Eigenanteil der künstlichen Befruchtung kommen Paare weg, die bei der Knappschaft versichert sind: Diese Kasse übernimmt die Kosten für die ersten drei Versuche zu hundert Prozent, wenn beide Ehepartner dort versichert sind. Ähnlich verfährt die IKK gesund plus: Sie erstattet nachträglich den Eigenanteil von 50 Prozent für die ersten drei Versuche. Eine weitere Krankenkasse, die komplett für die ersten drei Versuche einer künstlichen Befruchtung aufkommt, ist die BKK B. Braun. Allerdings können sich hier ausschließlich Betriebsangehörige der B.Braun Melsungen AG versichern.

Andere Kassen wiederum - wie beispielsweise die Actimonda BKK - erhöhen den Zuschuss von 50 Prozent zwar nicht, bezuschussen aber auch noch einen vierten Behandlungsversuch und/oder erweitern die Altersgrenze. Oder sie zahlen Versicherten den 50-Prozent-Zuschuss für die ersten drei Versuche auch dann, wenn das Paar mit Kinderwunsch unverheiratet ist. So handhabt es etwa die BKK Scheufelen.

Diese Kassen fördern die künstliche Befruchtung mehr als sie müssen:

Einen Überblick zu den zusätzlichen Leistungen der Krankenkassen bei künstlicher Befruchtung bietet die untenstehende Tabelle. Es ist wahrscheinlich, dass weitere Krankenkassen im Wettbewerb um Mitglieder nachziehen werden. Wenn Sie eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen wollen und Ihre Kasse in der Tabelle nicht finden, lohnt es sich also, einen Blick in die Satzungsleistungen Ihrer Krankenkasse zu werfen oder dort im Zweifelsfall nachzufragen.

(Stand Juni 2013, kein Anspruch auf Vollständigkeit)

Kasse zusätzliche Satzungsleistung Bundesland
AOK Rheinland-Pfalz/Saarland 62,5 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche Rheinland-Pfalz, Saarland
AOK Baden-Württemberg 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche, auch für gleichgeschlechtliche weibliche Paare, keine Altersgrenze. Voraussetzung: Beide Partner müssen bei der AOK BaWü versichert sein Baden-Württemberg
BKK Actimonda 50 Prozent auch für 4. Versuch, obere Altersgrenze Frau 41 Jahre, Mann 51 Jahre bundesweit
Atlas BKK Ahlmann 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, NRW-Rheinland
BKK Akzo Nobel Bayern obere Altersgrenze Frau auf 45 Jahre erweitert Bayern
BKK B. Braun 100 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche geschlossene BKK, nur für Betriebsangehörige
BKK EWE 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche, unterer Altersgrenze Frau auf 20 Jahre erweitert geschlossene BKK, nur für Betriebsangehörige
BKK exklusiv 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche Niedersachsen, Mecklenburg Vorpommern, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen
BKK Rieker-Ricosta-Weisser 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche geschlossene BKK, nur für Betriebsangehörige
BKK Scheufelen 50 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche auch für unverheiratete Paare Baden-Württemberg
BKK Textikgruppe Hof 50 Prozent auch für 4. Versuch, obere Altersgrenze Frau 42 Jahre, Mann 52 Jahre Bayern
BKK Thüringer Energieversorger 50 Prozent auch für 4. und 5. Versuch, Erhöhung der Zuschüsse auf 75 Prozent, wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind Thüringen
BKK VBU 75 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche. bundesweit
BKK Verbund plus je 200 Euro zusätzlicher Zuschuss für die ersten drei Versuche, wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein
BKK Wirtschaft & Finanzen einmalig 500 Euro zusätzlicher Zuschuss zum genehmigten Behandlungsplan bundesweit
Hanseatische Krankenkasse (HEK) je 200 Euro zusätzlicher Zuschuss für die ersten drei Versuche, wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind bundesweit
IKK gesund plus 100 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche, wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind. Der Eigenanteil von 50 Prozent wird nachträglich erstattet abzüglich der Kosten, die nicht zum GKV-Leistungskatalog gehören; eventuelle Zuschüsse einzelner Bundesländer werden angerechnet bundesweit
Knappschaft 100 Prozent Erstattung für die ersten drei Versuche, wenn beide Partner bei dieser Kasse versichert sind bundesweit

Autor:
Letzte Aktualisierung: 05. Oktober 2016
Durch: SL

Zum Seitenanfang