Alternative zu Pille und Spirale

Kupferkette: Ohne Hormone verhüten

Die Kupferkette hat sich als Alternative zu Pille, Hormon- oder Kupferspirale etabliert. In erster Linie dienen Kupferketten zur langfristigen hormonfreien Verhütung und versprechen frei von Nebenwirkungen zu sein. Sie eignen sich für Frauen jeden Alters.

Paar im Bett
Die Kupferkette ist eine hormonfreie Alternative zu Pille und Spirale.
© iStock.com/AleksandarNakic

Die Kupferkette gehört zur Gruppe der Intrauterinpessare (IUP), verhütet lokal und hormonfrei in der Gebärmutter. Es handelt sich um einen etwa zwei Zentimeter langen Kunststoff-Faden, auf dem Kupferzylinder aneinandergereiht sind. Wichtig ist, dass die gesamte Länge des Uterus durch die Kupferkette versorgt ist.

In der Regel ist die Kupferkette auf eine langfristige Empfängnisverhütung ausgerichtet. Durch den Mechanismus der kupferlegierten Kette eignet sie sich auch als Ersatz zur Pille danach und kann bis zu 5 Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingesetzt werden.

Artikelinhalte im Überblick:

Alternativen zur Pille

Wie funktioniert die Kupferkette?

Die Kupferkette ist frei von Hormonen. Sie verhütet, indem sie Kupfer-Ionen freisetzt. Diese haben eine hemmende Wirkung auf Spermien während ihrem Weg zur Eizelle. Zusätzlich verhindern sie ihren Reifeprozess, ohne den die Befruchtung einer Eizelle nicht möglich ist. Zusätzlich stören sie den Transport eines bereits befruchteten Eis in den Eileiter und verhindern die Einnistung der befruchteten Eizelle (Follikel).

Besonders entscheidend ist die verfügbare Kupferoberfläche: Je größer die effektive Oberfläche, umso höher die Kupferionenabgabe an die Umgebung und umso stärker die lokale Wirkung an der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Die Abgabe von Kupfer durch die Kupferkette hat keine negativen Auswirkungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Frau, da die Menge an abgegebenen Ionen sehr gering ist, niedriger als durch die Nahrungsaufnahme. Selbst bei einer leichten Kupferallergie kann die Kupferkette zum Einsatz kommen. Die Kupferkette ist eine Weiterentwicklung der Kupferspirale. Die T-förmige Spirale ist größer und starrer in ihrer Form.

Welche Vorteile hat die hormonfreie Kupferkette?

Da die Kupferkette hormonfrei wirkt, ist sie gut verträglich. Die Ionen greifen nicht in die natürlichen Vorgänge des Körpers ein: Sie haben keinerlei Auswirkungen auf den Hormonhaushalt und das Stoffwechselsystem der Frau. Die Kupferkette stört weder den Zyklus noch beeinflusst sie die Libido. Darüber hinaus ist die Fruchtbarkeit nach der Entnahme der Kette unmittelbar wiederhergestellt.

Bei hormonellen Verhütungsmitteln wie der Pille kann das Einführen und Absetzen Folgen haben, da der Körper sich zunächst hormonell umstellen muss. Es können Gewichts- und Stimmungsschwankungen und unregelmäßige Monatsblutungen auftreten. Auch die Beschaffenheit von Haaren und Haut kann sich vorübergehend verändern.

Mit einem Pearl-Index in Höhe von 0,1 bis 0,5 gilt die Kupferkette als zuverlässiges und wirksames Mittel zur Empfängnisverhütung, liegt aber hierbei in der Wirkung etwas hinter der Antibabypille. Der Pearl-Index ist das Maß für die Wirksamkeit und Zuverlässigkeit eines Verhütungsmittels. Großes Plus ist, dass Anwenderinnen keine Anwendungs- oder Einnahmefehler unterlaufen können, wie beispielsweise das Vergessen der Pille.

Nachteile der Kupferkette: Hohe Kosten

Nachteile der Kupferkette im Überblick:

  • Die Kupferkette stellt nur zum Teil eine Alternative zu Kondomen dar. Sie dient zwar zur Empfängnisverhütung, aber nicht als Schutz vor Geschlechtskrankheiten wie beispielsweise HIV (AIDS) und Hepatitis B. Bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern sollte zusätzlich mit einem Kondom verhütet werden.

  • Die Befestigung der Kupferkette ist etwas aufwendiger als die Einnahme einer Pille oder das Nutzen eines Kondoms. Die Kette wird an der Gebärmutterwand fixiert und in der Muskelwand verankert. Dies erfordert spezielles Wissen, sodass die Kupferkette nur von Frauenärzten eingesetzt werden darf.

  • Der Kostenfaktor für die Kupferkette ist nicht unerheblich und kann zwischen 180 und 420 Euro betragen. Natürlich sollten Anwenderinnen bedenken, dass sie diesen Betrag nur alle fünf Jahre bezahlen. Je nach Präparat kann eine Antibabypille bis zu 80 Euro für 6 Monate kosten. Für junge Frauen besteht die Möglichkeit, die Kupferkette als Verhütungsmittel bis zum 22. Lebensjahr über die Krankenkasse abzurechnen ‒ wie auch die Pille. Ist eine Kupferkette notwendig, durch verschiedene Kontraindikationen wie eine starke Östrogendominanz, übernimmt die Kasse auch nach dem 22. Lebensjahr anteilig die Kosten.

Mythen übers Verhüten

Für wen ist die Kupferkette geeignet?

Die Kupferkette eignet sich besonders für Frauen mit einer Östrogendominanz, Frauen in der Stillzeit (ab 12 Wochen nach der Geburt) und Patientinnen mit hormonintensiven Tumoren. Durch die variable Größe ist die Kupferkette auch für Teenager und junge Frauen geeignet. Im Gegensatz zu hormonellen Verhütungsmitteln können Frauen ihrem Kinderwunsch nach Entfernen der Kupferkette ohne längere hormonelle Regenerationszeit nachgehen.

Wann die Kupferkette nicht infrage kommt (Kontraindikationen):

  • Schwangerschaft oder dringender Kinderwunsch
  • Fehlbildungen der Gebärmutter wie beispielsweise Uterushypoplasie
  • Infektionen im Genitalbereich wie Geschlechtskrankheiten
  • Entzündung der Gerbärmutterschleimhaut nach einer Geburt
  • Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit)
  • schwere Kupferallergie
  • Blutgerinnungsstörungen
  • Leukämie
  • Frauen, die unter heftigen Regelbeschwerden wie starken Blutungen, Schmerzen, Erbrechen oder sogar kurzer Ohnmacht leiden

Sicheres Einsetzen der Kupferkette

Eine Kupferkette kann nur durch Gynäkologen verordnet werden. Am Anfang jeder Verordnung steht eine gründliche Anamnese, gefolgt von einer allgemeinen und gynäkologischen Untersuchung und einer ausgiebigen Aufklärung. Dabei achten Ärzte auf dringende Kontraindikationen. Die Kupferkette wird dann am Dach der Gebärmutter verankert. Dieser Vorgang dauert in der Regel nur wenige Minuten und wird in einer Arztpraxis durchgeführt. Dabei kann es zu Schmerzen kommen. Für schmerzempfindliche Patientinnen besteht die Möglichkeit, eine lokale Anästhesie oder sogar eine Kurznarkose in Anspruch zu nehmen. Das Einsetzten läuft üblicherweise folgendermaßen ab:

  1. Untersuchung der Gebärmutter mit Ultraschall oder Sonde

  2. vaginaler Bereich und Muttermund werden desinfiziert, um eine Infektion zu vermeiden

  3. Gebärmutter wird mittels einer Klemme stabilisiert

  4. mithilfe eines speziellen Applikators wird die Kupferkette in die Gebärmutter der Patientin eingeführt

  5. die Nadel an der Applikator-Spitze schiebt die Kette etwa einen Zentimeter tief in den Muskel der Gebärmutter

  6. durch einen konstruierten Knoten verankert sich die Kupferkette im Gewebe

  7. nach wenigen Tagen ist sie in das Gewebe eingewachsen und kann nicht mehr verrutschen

  8. der Faden mit den Kupferzylindern hängt locker in der Gebärmutter und kann sich somit seiner Umgebung anpassen

Ob die Kette richtig sitzt, überprüft der Gynäkologe mittels Ultraschall. Ist hier alles in Ordnung, erfolgt die nächste Kontrolle nach der folgenden Monatsblutung und in den verbleibenden fünf Jahren dann in jährlichen Abständen während der Kontrolluntersuchungen. Der Austausch einer Kette kann in derselben Sitzung erfolgen.

Frauen mit einer neuen Kupferkette sollten eine Woche nach dem Einsatz auf ein paar Dinge verzichten: Dazu gehören beispielsweise Tampons, Sauna, heiße Bäder und extreme Bewegung beim Sport. Nach dem Einsetzen können Schmierblutungen und auch verstärkte Monatsblutungen und Schmerzen auftreten. Die Kupferkette kann unabhängig vom Zyklus jederzeit eingesetzt, ausgetauscht und entnommen werden. In der Regel verlaufen die Eingriffe ohne Komplikationen. Risiken gibt es trotzdem.

Komplikationen beim Einsetzen

In wenigen Fällen kann es zu einer Uterusperformation kommen. Dabei wird die Gebärmutterwand durchstoßen. Sind Muttermund und Gebärmutterhals beim Einsetzen der Kupferkette nicht ausreichend desinfiziert, können darin verbleibende Bakterien zu einer Infektion führen. Die Abstoßung der Kupferkette durch den Körper kommt nur selten vor. Dies tritt häufiger in Verbindung mit Kupferspiralen auf, weniger bei Kupferketten.

In den ersten Monaten mit Kupferkette können verstärkte Monatsblutungen und Schmerzen auftreten. Bei häufig wechselnden Geschlechtspartnern ist das Risiko für eine Unterleibsentzündung erhöht.


Kupferkette als Pille danach

Die Kupferkette kann bis zu 5 Tage nach ungeschütztem Sex als Alternative zur Pille danach verwendet werden und schützt bis zu 99 Prozent vor ungewollten Schwangerschaften. Zum einen hemmt die Ausschüttung der Kupferionen die Beweglichkeit der Spermien, zum anderen verhindern sie die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle. Nach dem Notfall-Einsatz kann die Kupferkette in der Gebärmutter verbleiben und die Verhütung für weitere fünf Jahre sicherstellen.

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