Familienplanung

Kinderwunsch – Leben mit oder ohne Kind?

Ob ein Paar ein erstes, zweites oder drittes Kind will, hängt meist nicht nur von einem Faktor ab. In der Regel gibt es eine ganze Reihe von Gründen, sich gegen oder für ein Kind zu entscheiden. Am schwierigsten wird es für Paare meist, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

Kind in Badewanne
Bei vielen stellt sich der Kinderwunsch ein, wenn die Beziehung stimmt und die materielle Basis gegeben ist.
(c) Stockbyte

Anders als früher geht es heute nicht mehr darum, mit Nachwuchs das Auskommen der Familie oder den eigenen Lebensabend zu sichern. Die Entscheidung für oder gegen Kinder wird heute eher anhand psychologischer Faktoren getroffen. Viele Paare möchten die Erfahrung machen, Eltern zu sein. Sie wollen ein Kind aufwachsen sehen, die Welt durch Kinderaugen neu ergründen und das Wesentliche im Leben entdecken.

Manche Menschen reagieren zögerlicher, wenn es um die Entscheidung für Nachwuchs geht. Wenn sich bei einem Partner partout kein Kinderwunsch einstellt, ist dieser wohl schlicht der falsche für jemanden, der sich nach einem Kind sehnt.

Der richtige Zeitpunkt für den Kinderwunsch

Für die meisten Paare entsteht der Kinderwunsch, wenn sie sich ausgetobt fühlen, es im Job gut läuft und die materielle Basis gegeben ist. Emotional muss es ebenfalls stimmen: Für 73 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen ist eine stabile Beziehung Voraussetzung, um sich für ein Kind zu entscheiden, ergab eine Studie der Robert-Bosch-Stiftung.

Wie Kinder uns erziehen

Wer ein Kind in die Welt setzt, bindet sich und zwar für lange Zeit. Ein bewusstes Ja ist daher fast wie ein Eheversprechen. Kein Wunder, dass manche Paare ein Baby als die Krönung ihrer Liebe ansehen. Oft berichten Eltern nach der Geburt sogar, dass sie sich wie frisch verliebt fühlen. Aus Einzelkämpfern wird eine Familie, ein Team. Und Kinder verändern die Beziehungen zu anderen Menschen wie den eigenen Eltern.

Ein Baby kann viel Sinn stiften, eine marode Partnerschaft kann es aber nicht kitten. Wenn das Fundament nicht stimmt, bricht eine Beziehung trotz Kind über kurz oder lang zusammen. Viele Eltern erleben Kinder zunächst auch als Belastung für die Partnerschaft. So berichten Väter, dass sie sich ausgeschlossen gefühlt hätten, als ihre Kinder klein waren. Kinder bringen nicht ausschließlich Glück ins Haus, sondern oft auch Zeit- und Schlafmangel sowie Streit über Erziehung. Dass das Sexualleben unter kleinen Kindern erheblich leidet, ist eine bei Eheberatern sattsam bekannte Tatsache.

Kinderwunsch wird oft zur Geduldsprobe

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Ist man sich über ein Ja zum Kinderwunsch einig, kann es trotzdem viele Monate dauern, bis sich eine Schwangerschaft einstellt. Von einer behandlungsbedürftigen Störung sprechen Ärzte allerdings erst nach einem Jahr erfolglosen Probierens.

Dass der unerfüllte Kinderwunsch zur Geduldsprobe wird, hat oft einen ganz einfachen Grund: Paare wissen häufig nicht genau, in welchem Abschnitt des weiblichen Zyklus' die besten Chancen bestehen, ein Kind zu zeugen. Oft müssen die Frauen erst lernen, Körpersignale wie Veränderungen des Scheidensekrets oder Schwankungen der Körpertemperatur – und damit die fruchtbaren Tage – zu erkennen. Der Arzt wird seine Patientin deshalb meist fragen, ob sie auch um die Zeit des Eisprungs herum Geschlechtsverkehr hat, bevor er mit der genaueren Suche nach den Ursachen für die Kinderlosigkeit beginnt.

Immer wieder berichten Frauen davon, dass sie schwanger wurden, nachdem der Erfolgsdruck von ihnen gewichen war und sie sich neuen Lebensplänen zugewandt hatten. Als Erklärung sehen Mediziner, dass ausgeprägter Stress und Erfolgsdruck die Hormonproduktion des Körpers und die Fruchtbarkeit negativ beeinflusst.

Gut fürs Loslassen und lohnend fürs Liebesleben sind Partnermassagen. Die gegenseitigen Berührungen schenken Ruhe und Geborgenheit und verhindern Erfolgsdruck. Außerdem können sie die sexuelle Lust stimulieren. Langsames Reiben, sanftes Kneten und Vibrieren vermögen Verspannungen zu lösen, den Stoffwechsel anzuregen und die Durchblutung zu fördern.

Unerfüllter Kinderwunsch ist große Belastung

Steht jedoch die Diagnose "behandlungsbedürftige Störung der Fruchtbarkeit" im Weg, hat der unerfüllte Kinderwunsch nichts mehr mit einer Geduldsprobe zu tun. In diesem Fall wird der Gynäkologe in jedem Fall beide Partner in die Sprechstunde bitten. Früher untersuchten die Mediziner ausschließlich die Frau. Richtig ist aber, dass die Störungen gleichermaßen bei dem Mann wie bei der Frau liegen können. Zu einem sehr geringen Prozentsatz (zehn Prozent) lassen sich auf beiden Seiten zugleich körperliche Auslöser finden und in weiteren zehn Prozent der Fälle gibt es aus medizinischer Sicht keinen eindeutigen Grund für die Unfruchtbarkeit.

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Der Leidensdruck für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist zunächst oft groß. Deshalb nehmen auch immer mehr Betroffene die Angebote der modernen Kinderwunschbehandlung in Anspruch, um sich den Wunsch nach einem Kind zu erfüllen.

Aber wenn das nicht klappt, kommen die Paare besser damit zurecht, als bisher angenommen: Sie setzen sich dann andere Ziele, anstatt dem unerfüllten Wunsch lebenslang nachzuhängen. Der entscheidende Schritt für eine erfolgreiche Bewältigung von Kinderlosigkeit sei es nämlich, neue Lebenskonzepte zu entwickeln, die ebenfalls Erfüllung versprechen, so die Studie. Kein Kind gezeugt zu haben, muss ja nicht zwangsläufig ein Leben ohne Kinder bedeuten. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, der Adoption oder der Aufnahme eines Pflegekinds.

Solo mit Kinderwunsch

Vater, Mutter, Kind diese klassische Konstellation ist heute seltener als früher, es gibt mehr und mehr Alleinerziehende oder Lebensgemeinschaften mit Kindern. Auch die Zahl der Frauen, die von vornherein ein Baby ohne Partner wollen, steigt. Häufiger Grund: Die biologische Uhr tickt, aber ein geeigneter Lebensgefährte ist nicht in Sicht.

Doch wie kommt eine Frau ohne Mann an ein Kind? Eine Frage, auf die Lesben schon lange Antworten kennen. Einige suchten sich private Samenspender und führten die Befruchtung selbst oder mit Hilfe eines Arztes durch, berichtet die Sexualberatungsstelle Pro Familia. Andere bezögen Spermien aus Samenbanken. Obschon die deutschen Richtlinien zur assistierten Reproduktion eine Befruchtung von lesbischen und alleinstehenden Frauen nicht explizit verbieten, bieten nur wenige Ärzte sie an. Viele Frauen reisen daher in die Niederlande oder nach Dänemark. Bei privaten Samenspendern rät Pro Familia den Samen auf übertragbare Infektionen, wie HIV, Hepatitis B und C, Chlamydien und Gonokokken zu untersuchen sowie die Spermaqualität prüfen zu lassen.

Egal ob bewusst oder unfreiwillig: Wer ohne Partner ein Kind bekommt, muss seinen Alltag gut organisieren, sich frühzeitig um eine ausreichende Kinderbetreuung kümmern und ein soziales Netz aufbauen. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter rät Schwangeren ohne Partner, möglichst früh eine Beratungsstelle aufzusuchen. Dort gibt es Hilfe bei finanziellen und anderen Fragen. Außerdem lassen sich Kontakte zu anderen Singleschwangeren und Alleinerziehenden knüpfen.

Paare ohne Kinderwunsch

Für das Lebensglück ist Nachwuchs nicht unbedingt erforderlich. Und das untermauert auch eine Studie: Paare ohne Nachwuchs sind nicht kränker oder gesünder, leiden nicht mehr unter psychosomatischen Störungen, depressiven Verstimmungen oder anderen Erkrankungen als Eltern. Die Wissenschaftler haben für die Studie 424 Personen zwischen 43 und 65 Jahren befragt – je zur Hälfte Kinderlose und Eltern.

Ganz gleich, ob ein Paar Nachwuchs hat oder nicht: Frau und Mann sollten ihre Partnerschaft pflegen und sich nicht allein auf ihre Kinder oder den Kinderwunsch konzentrieren.

Nach den Erkenntnissen der Psychologen kommen diejenigen Paare am besten mit ihrer Kinderlosigkeit zurecht, die sich entweder bewusst gegen Nachwuchs entschieden oder ihre Kinderlosigkeit auf Grund von Unfruchtbarkeit als Schicksal akzeptiert haben. Grübeleien oder Schuldgefühle wirken sich dagegen negativ aus. Paare leiden zudem besonders, wenn sie soziale Muster tief verinnerlicht haben: der Mann sich etwa auf Biegen und Brechen einen Stammhalter wünscht oder die Frau sich ohne Kinder nicht vollwertig fühlt.

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Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2015
Durch:
Quellen: Informationen des Statistischen Landesamts Baden-Würrtemberg, Robert-Bosch-Stiftung und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe

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