Mehr als nur gewagte Sexstellungen

Wahrheit und Mythos des Kamasutra

Das Kamasutra ist vielen als Sammlung akrobatischer Stellungen bekannt. Tatsächlich jedoch liefert das berühmte Buch vor allem generelle Einblicke in das Verhältnis von Frau und Mann sowie die indische Kultur. Erfahren Sie mehr über Entstehung, Wahrheit und Mythos rund um das indische Buch.

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Das Kamasutra handelt von viel mehr als nur Sex.
(c) George Doyle

Zwischen 200 und 300 nach Christus zerbrach sich der indische Autor Mallanaga Vatsyayana den Kopf über das Thema der erotischen Liebe. Die Resultate seiner Überlegungen fasste er im Kamasutra, das insgesamt aus sieben Büchern besteht, zusammen. Entgegen der weit verbreiteten Annahme handelt es sich hierbei nicht ausschließlich um eine Sammlung schwer nachvollziehbarer Sexualpraktiken, sondern vielmehr um eine Anleitung für die gleichermaßen erotische und ethische Lebenskunst.

Kamasutra: Die aufregendsten Stellungen aus dem indischen Liebes-Leitfaden

Kamasutra: Das große Sittenbuch des 3. Jahrhunderts

Das Kamasutra entstand in einer Zeit, die noch nichts von individueller Freiheit und Entfaltung wusste. Das Leben des Einzelnen wurde von seiner Kastenzugehörigkeit und den vorherrschenden hinduistischen Glaubenssätzen bestimmt. So mancher Historiker sieht das Kamasutra in diesem Kontext als Anstandsregelwerk, das trotz seiner Sittentreue gegen die gängigen Reglementierungen und vor allem der Beschneidung der Frauen aufbegehrte. Wieder andere schüttelten den Kopf bei so viel vermutetem subversivem Potenzial. Sie sahen in dem Werk des indischen Autors vor allem eine Ideenschmiede für wohlhabende Männer, die ihr Genussleben aufpeppen wollen, wobei sich die Rolle der Frau ganz klar auf die der Lustspenderin beschränkt.

Mythos Kamasutra: Davon handelt der Liebes-Leitfaden wirklich!

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Fest steht, dass das erotische Standardwerk – wörtlich übersetzt aus dem Alt-Indischen bedeutet Kamasutra so viel wie "Verse des Verlangens" – von der körperlichen Liebe handelt. Doch so sehr sich die Geister hinsichtlich der Intention des Werkes auch scheiden mögen: Das Kamasutra lässt sich nicht auf die Funktion eines Sex-Führers reduzieren. Denn im indischen Lehrwerk der Liebe und Erotik geht es um viel mehr: Im Mittelpunkt des der sieben Bücher steht das grundsätzliche Verhältnis von Männern und Frauen. So enthält es etwa Anleitungen, wie man sich dem weiblichen Geschlecht möglichst unverfänglich annähert. Dem männlichen Leser wird außerdem verraten, woran er eine gute Liebhaberin erkennt und – falls er bereits einen Ring am Finger trägt – wie er am besten ehebricht. Nicht nur das Zusammenleben zwischen Mann und Frau, die Wahl und Eroberung der Angebeteten oder Regeln der Erotik sind wesentliche Themen: In seiner traditionellen Version handelt das Kamasutra darüber hinaus vom Erreichen von Lebenszielen und war wichtiger Bestandteil der indischen Kultur.

Pragmatische Anleitungen für prickelnde Stunden

Wer im Kamasutra nach Anregungen sucht, um sein eingefahrenes Sexualleben aufzufrischen und sein Repertoire an Sexstellungen aufzubessern, wird fündig – vorausgesetzt, er scheitert nicht an den zwar sehr detaillierten, dafür jedoch äußerst wissenschaftlichen bis trockenen Anleitungen für ein zufriedenes Sexualleben. Verschämt geht es bei der Darstellung der verschiedenen Liebestechniken allerdings nicht zu: Neben Oralverkehr sind auch Beißen und Schlagen während des Geschlechtsverkehrs kein Tabu.

Ebenso lässt die Vielfalt der grundverschiedenen Stellungen keine Wünsche offen:

  • Stehend geht es zum Beispiel bei der "Stehparty" zur Sache.
  • Beim "Beinstrecker II" kommen Akrobaten auf ihre Kosten.
  • Ebenso ist beim "Balanceakt" ein gutes Gleichgewicht und Zusammenspiel der Partner wichtig.
  • Überaus ungewöhnlich ist das Lustspiel bei der "Zange",.
  • Und wer es besonders innig mag, liebt sich ineinander verknotet im "Klammergriff".

Wer jede der beschriebenen Positionen unbeschadet überstehen und dabei auch noch so etwas wie Lust empfinden möchte, braucht einen gelenkigen Körper. Oder aber er blättert einfach etwas weiter, denn unter den Stellungen finden sich auch weniger halsbrecherische und wohlbekannte Vertreter wie beispielsweise eine Variation der "Löffelchenposition", die "Missionarsstellung" oder die "Hündchenstellung".

Leidenschaftlich stimmt die Lektüre des entsprechenden Kapitels, das den knappen Namen „Sex“ trägt, aufgrund der sachlichen Beschreibungen dennoch eher nicht. Besser geeignet sind da schon Übersetzungen, die es weniger genau mit dem Original meinen. Sie liefern jede Menge anschauliches, erotisches Bildmaterial mit knappen Bildbeschreibungen und sind darüber hinaus ein guter Ansporn, um etwas für seine Fitness zu tun. Was beim Stöbern im Kamasutra oder auch in moderneren Büchern zu Sex generell nicht schadet, ist eine spielerische Einstellung zu den geschilderten Sexualpraktiken und zur eigenen Sexualität. Denn Sex ist kein Sport und Ernsthaftigkeit in Sachen Erotik der reinste Lustkiller.

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