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Schönheits-OPs im Intimbereich

Lifting für die Schamlippen

Immer häufiger erkundigen sich Frauen nach kosmetischen Eingriffen im Bereich der Genitalien. Wir haben mit der Sexualwissenschaftlerin Dr. Ulrike Brandenburg aus Aachen über diesen neuen Trend in der plastischen Chirurgie gesprochen.

Kosmetische Genitaloperationen haben in letzter Zeit deutlich zugenommen. Wie lässt sich dieser Trend erklären?

Brandenburg: Vor zehn Jahren waren kosmetische Genitaloperationen bei Frauen noch eine absolute Seltenheit. Heute fragen Mädchen und Frauen immer häufiger nach, wo man sich die Schamlippen, den G-Punkt oder die Scheide „machen“ lassen kann. Und leider kommen auch zunehmend Frauen in die Praxen, die mit dem erzielten Ergebnis zutiefst unglücklich sind oder unter Komplikationen wie Vernarbungen und Sensibilitätsstörungen zu leiden haben. Ein wichtiger Grund für die Zunahme dieser Korrekturwünsche ist mit Sicherheit die Intimrasur, die zurzeit bei Frauen wie bei Männern sehr in Mode ist.

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Welche Eingriffe werden von den Frauen am häufigsten gewünscht, und welche Ziele verbinden sie damit?

Brandenburg: Am häufigsten wünschen Mädchen und junge Frauen eine Korrektur der Schamlippen, die als zu groß oder unregelmäßig geformt empfunden werden. „Schönheitsideal“ sind zwei gleich große äußere Schamlippen, die die inneren total bedecken. Liegen tatsächlich abnorme Schamlippen vor, die z. B. beim Fahrradfahren scheuern, sind solche plastischen Eingriffe natürlich segensreich. Viel häufiger liegt die Form der Schamlippen aber im Bereich des Normalen, wird aber trotzdem von den Frauen nicht akzeptiert.

Vor allem nach Geburten fragen Frauen zunehmend nach einer operativen Scheidenverengung. Ziel ist eine Wiederherstellung des „Love-Channels“ – wie die Scheide im Amerikanischen genannt wird – und damit des sexuellen Empfindens für beide Partner. Ein weiterer Eingriff ist der Aufbau des G-Punkts zur Steigerung des sexuellen Empfindens. Hier ist große Skepsis angebracht, da wir bisher noch viel zu wenig über die Existenz und die Lokalisation des G-Punkts wissen.

Welche Rolle spielen die männlichen Partner bei diesen Eingriffen?

Brandenburg: Nach meiner Erfahrung sind es eher nicht die Männer, die diese Eingriffe einfordern. Sie können aber durch unbedachte Bemerkungen dazu beitragen, dass weniger selbstbewusste Mädchen und Frauen mit Identitätsproblemen sich in ihrem Körper noch unwohler fühlen.

Wie sind die Risiken solcher Eingriffe einzuschätzen?

Brandenburg: Grundsätzlich sollte man den Frauen empfehlen, operative Korrekturen an den Genitalien nur von plastischen Chirurgen durchführen zu lassen, die eine entsprechende Ausbildung und ausreichend Erfahrung haben. Mögliche Komplikationen sind Narbenbildungen im Bereich der Schamlippen und vor allem Nervenverletzungen mit nachfolgenden Sensibilitätsstörungen. Ein gewisses Risiko ist auch die Unzufriedenheit mit dem Ergebnis. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn Frauen die Erfahrung machen müssen, dass auch dieser Eingriff ihr Leben nicht automatisch zum Besseren wendet.

Wie bewerten Sie die Eingriffe aus psychotherapeutischer Sicht?

Brandenburg: Wenn auffällige körperliche Abweichungen vorliegen, sind solche Eingriffe natürlich völlig in Ordnung. An sich ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Frauen sich körperlich inszenieren möchten und selbstbewusst und spielerisch mit ihrem Körper umgehen. Wesentlich häufiger trifft man leider auf Frauen, die unter mangelndem Selbstwertgefühl leiden, sich in ihrem Körper nicht wohlfühlen oder meinen, sich dem Diktat von Schönheitsnormen beugen zu müssen. In diesen Fällen sollte vor einem Eingriff ein psychosomatisches Gespräch mit einem Psychotherapeuten oder Sexualtherapeuten empfohlen werden. Besonderes Augenmerk muss man auf Frauen haben, die sich von einer „Schönheitsoperation“ zur anderen hangeln, ohne jemals zufrieden zu sein. Hier ist unter Umständen eine tiefer gehende Psychotherapie erforderlich.

Frau Dr. Brandenburg, vielen Dank für das Gespräch.

Frau Dr. med. Ulrike Brandenburg ist Fachärztin für psychotherapeutische Medizin und erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung.

Glossar:

Sensibilitätsstörung: Störung des Druck-, Schmerz-, Temperatur-, Vibrations-, Bewegungs- und/oder Lageempfindens durch Schädigung eines einzelnen Nervens, eines Nervengeflechts bzw. einer Nervenwurzel oder durch Schädigung zentralnervöser Strukturen (Rückenmark und Gehirn).


Quelle: gynäkologie+geburtshilfe 12/2009:32 / Von der Lifeline-Redaktion für Patienten überarbeitet
Autor: Das Interview führte Maria Weiß
Stand: Feb 3, 2010


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