Mann leidet an Sakroiliitis und hat Schmerzen im unteren Rücken.
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Entzündung des Iliosakralgelenks

Sakroiliitis: Ursachen, Symptome und Spätfolgen

Von: Miriam Funk (Redaktionsleitung und Physiotherapeutin)
Letzte Aktualisierung: 07.02.2025

Eine Sakroiliitis ist eine Entzündung des Iliosakralgelenks, welches die Verbindung des Darmbeins (Ilium) mit dem Kreuzbein (Sacrum) darstellt. Es ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern tritt im Rahmen anderer Erkrankungen auf. Welche das sind und wie Sie die Symptome erkennen, lesen Sie hier.

Häufige Fragen und Antworten zu Sakroiliitis

Was sind die häufigsten Symptome einer Sakroiliitis? Die typischsten Symptome sind tiefliegende Schmerzen im unteren Rücken, Gesäß oder in den Hüften, die sich beim Sitzen, Stehen oder Gehen verschlimmern können.

Kann Bewegung die Sakroiliitis-Symptome lindern? Ja, gezielte Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur, Dehnung und Mobilisation können Schmerzen reduzieren und die Stabilität des Iliosakralgelenks verbessern. Besonders hilfreich sind Physiotherapie, Yoga und Aquagymnastik.

Ist Sakroiliitis heilbar? Eine vollständige Heilung gibt es nicht. Jedoch lassen sich mit einer gezielten Therapie die Symptome oft langfristig kontrollieren und die Lebensqualität verbessern.

Was ist eine Sakroiliitis?

Sakroiliitis bezeichnet eine Entzündung der Iliosakralgelenke (ISG), die das Kreuzbein – den unteren Teil der Wirbelsäule – mit den Darmbeinen des Beckens verbindet.

Die Erkrankung kann starke Schmerzen im unteren Rücken, Gesäß oder in den Beinen verursachen und die Beweglichkeit der betroffenen Region einschränken. Sie tritt häufig bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises wie axialer Spondyloarthritis (Morbus Bechterew) oder Autoimmunerkrankungen des Darms auf.

Ursachen für eine Sakroiliitis

Eine Sakroiliitis ist keine eigenständige Erkrankung, vielmehr tritt sie begleitend bei verschiedenen Erkrankungen auf. Oft kommt sie vor bei:

  • Schuppenflechte (Psoriasis)

  • Psoriasis-Arthritis (chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung)

  • Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)

  • chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn

  • seltenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Morbus Behçet und reaktive Arthritis (Morbus Reiter)

Haltungsschäden spielen eine bedeutende Rolle bei der Entzündung des ISG. Diese Schäden können sowohl Folge als auch ein möglicher Risikofaktor für die Erkrankung sein.

Entzündung im Iliosakralgelenk: Symptome einer Sakroiliitis

Schmerzen im unteren Rücken oder Gesäßschmerzen können erste Anzeichen für eine Sakroiliitis sein. Allerdings kommen diese bei vielen Krankheitsbildern vor. Da es sich um einen entzündlichen Schmerz handelt, wird dieser meist als pochend oder klopfend empfunden. Diese Art von Schmerz ist typisch für rheumatische Erkrankungen. In der Regel sind beide Seiten von der Sakroiliitis betroffen.

Typische Beschwerden:

  • Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß, die besonders nachts und am frühen Morgen auftreten

  • Morgensteifigkeit, die sich durch Bewegung bessert

  • Schmerzen, die in ein oder beide Beine ausstrahlen können

  • eingeschränkte Beweglichkeit im unteren Rücken und in den Hüften

  • Verstärkung der Schmerzen bei längerem Stehen oder Gehen

  • Schmerzen beim Sitzen, die zu einer veränderten Sitzposition führen können

In fortgeschrittenen Stadien können zusätzlich folgende Symptome auftreten:

  • dauerhafte Schmerzen, die sich bei Belastung verstärken

  • Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungen und Aktivitäten

  • Entwicklung einer Schonhaltung zur Entlastung

  • mögliche Haltungsschäden bei chronischem Verlauf

Diagnose und Schweregrade einer Sakroiliitis

Sind die Schmerzen sehr stark und strahlen in die Beine aus oder kommt es zu Empfindungsstörungen, ist es ratsam, direkt am selben Tag eine ärztliche Praxis aufzusuchen. Bestehen Beschwerden im ISG länger als zwölf Wochen und treten nach und nach Bewegungseinschränkungen auf, sollte ebenso ärztlicher Rat eingeholt werden.

Die Sakroiliitis wird mithilfe von bildgebenden Untersuchungen wie Röntgenbild oder Magnetresonanztomographie (MRT) beurteilt. Dabei können Ärzt*innen sie nach verschiedenen Schweregraden einteilen, welche nach den modifizierten New-York-Kriterien von 1984 festgelegt wurden:

  • Grad 0: normales, gesundes Iliosakralgelenk

  • Grad 1: erste, unspezifische Veränderungen

  • Grad 2: kleine, deutliche Veränderungen am Gelenk wie minimale Abnutzungen (Erosionen) oder Verdichtungen des Knochens. Die Gelenkspaltweite bleibt jedoch unverändert.

  • Grad 3: ausgeprägte Zerstörung des Knorpels und der Knochen, es kommt zu knöchernen Verwachsungen und der Gelenkspalt kann sich sowohl verbreitern als auch verengen. Erste Anzeichen einer Gelenkversteifung (Ankylose) treten auf.

  • Grad 4: komplette Gelenkversteifung

Ein Entzündungsmarker im Blut (HLA B27) kann ebenso zur Diagnose bestimmt werden und kann auf Morbus Bechterew oder eine ähnliche Krankheit hinweisen.

Behandlung der Sakroiliitis

Eine Sakroiliitis wird durch gezielte Bewegungstherapie behandelt. Dabei kommen zwei Ansätze zum Einsatz: Die allgemeine Physiotherapie, die Muskeln stärkt und die Beweglichkeit verbessert sowie die manuelle Therapie. Dabei lösen Therapeut*innen mit speziellen Handgriffen Blockaden und fördern die Gelenkbeweglichkeit.

Zum anderen ist die Schmerzlinderung Bestandteil der Behandlung. Verschiedene Medikamente kommen im Akutfall zum Einsatz:

  • nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen und Diclofenac
  • Injektionen in das ISG mit lokalen Betäubungsmitteln (Lokalanästhetika) und Glukokortikoiden wie Kortison

Die medikamentöse Behandlung sollte nur so lang erfolgen, bis die Schmerzen besser sind. Greifen keine Therapieoptionen, ist die letzte Möglichkeit, das Gelenk operativ zu versteifen (Arthrodese). Dabei werden die beteiligten Knochen über dem Gelenkspalt dauerhaft miteinander verbunden, was die Beweglichkeit des Gelenks aufhebt.

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Eine entzündungshemmende Ernährung kann die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen – besonders bei Sakroiliitis in Verbindung mit Morbus Bechterew.

Eine gute Basis bietet eine mediterrane Ernährung, die reich an pflanzlichen Ölen, Fisch und Gemüse ist. Die Wirksamkeit kann individuell variieren, sodass Patient*innen idealerweise eine professionelle Ernährungsberatung in Anspruch nehmen.

Tabelle: Tipps für eine entzündungshemmende Ernährung

Empfohlen (entzündungshemmend)Reduzieren (entzündungsfördernd)
Omega-3-Fettsäuren: Rapsöl, Walnussöl, Leinöl, fetter Fisch (Hering, Makrele, Thunfisch)Arachidonsäure: Wenig Fleisch (max. 2-3 Portionen fettarmes Fleisch pro Woche), max. 1-2 Eier pro Woche
Antioxidantien: Obst, Gemüse, Salate, Nüsse, SamenVerarbeitete Lebensmittel: Fertiggerichte, stark verarbeitete Wurstwaren
Probiotika: Joghurt, Kefir, QuarkZucker & Weißmehl: Süßigkeiten, Limonaden, Weißbrot

Verlauf und Prognose einer Sakroiliitis

Die chronisch-entzündliche Erkrankung ist bislang nicht heilbar. Durch gezielte Maßnahmen lässt sich der Verlauf jedoch positiv beeinflussen. Ohne Therapie sind zunehmende Bewegungseinschränkungen möglich und in schweren Fällen eine Versteifung der Gelenke.

Allerdings lässt sich das Risiko für eine Schwerbehinderung durch konsequente Physiotherapie und regelmäßige Bewegung in vielen Fällen deutlich reduzieren.