Überflieger
Hochbegabt und trotzdem Schulversager
Zwei bis drei Prozent aller Kinder eines Geburtenjahrgangs sind hochbegabt. Viele von ihnen können mit ihren besonderen Fähigkeiten nicht umgehen und werden depressiv oder verhaltensauffällig. Langeweile und Unterforderung werden oft nicht bemerkt. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern die Signale erkennen und für individuelle Förderung sorgen.
Hochbegabte fühlen sich in unserer Gesellschaft oft ausgegrenzt. Ihre Mitmenschen sehen in ihnen Wunderkinder oder Streber. Doch obwohl sie über ein exzellentes Gedächtnis, einen großen Wortschatz und hohes Abstraktionsvermögen verfügen, fällt den rund 300.000 hochbegabten Kindern in Deutschland nicht alles von allein zu. Sie brauchen vielmehr eine spezielle Förderung, die auf ihre individuellen Bedürfnisse eingeht. Aber gerade daran mangelt es hier zu Lande.
Während minderbegabte Kinder vielfältige Unterstützung erhalten, finden außergewöhnlich Begabte kaum Beachtung. Dabei haben auch sie teilweise mit Lernbehinderungen, wie Legasthenie zu kämpfen. Auf solche Kinder ist unser Bildungssystem nicht eingestellt. Schon für die meisten Eltern ist es eine Herausforderung ihren Nachwuchs ständig mit der geistigen Nahrung zu versorgen, die er braucht.
Die ersten Probleme tauchen meist schon im Kindergarten auf. Mit ihren Spielen überfordern Hochbegabte häufig ihre Altersgenossen und grenzen sich damit selbst aus. Die Gesellschaft für das hochbegabte Kind schätzt, dass fast zehn Prozent von ihnen spätestens in der Schule erhebliche Probleme bekommen. Da sie sich in der Regel schon früher als andere Kinder mit Themen wie Politik, Ethik und Religion beschäftigen gelten sie schnell als altklug. Vom Unterricht unterfordert, werden kleine Genies aus Langeweile schnell zu Störenfrieden und verlieren das Interesse am Lehrstoff. Manche reagieren mit aggressivem Verhalten oder spielen den Klassenclown, andere wiederum ziehen sich zurück und werden depressiv. Trotz eines IQs von 130 und mehr, kann es zu einem starken Leistungsabfall kommen.
Hyperaktiv und unbequem
Nach der vierten Klasse haben viele Eltern Probleme ihre hochbegabten Kinder an einer Schule unterzubringen. Die überforderten Lehrer können das unangepasste Verhalten dieser unbequemen Schüler nicht deuten und im schlimmsten Fall stufen sie sie als Fall für die Sonderschule ein. Hat ein Pennäler das Glück, dass seine Begabung erkannt wird und er eine Klasse überspringen darf, muss er die Schulbank mit lauter älteren Mitschülern drücken. Unter denen ist er dann wieder ein Außenseiter. So mancher wird schließlich zu Hause unterrichtet, weil sich keine geeignete Unterrichtsstätte findet. Aber langsam entsteht ein Bewusstsein dafür, wie notwendig es ist, besonders begabten Kindern geeignete Lernbedingungen zu schaffen.
Eltern sind häufig verunsichert
Die Eltern von Kindern mit hoher Begabung haben es nicht leicht. Häufig sind sie verunsichert, sehen die Kindheit ihres Sprösslings gefährdet und wollen ihn künstlich in einer Kinderwelt halten oder auf Mittelmaß zurückstutzen. Doch es ist wichtig die besondere Fähigkeiten des Kindes zu akzeptieren und mit ihm darüber zu sprechen. Experten raten Eltern darüber hinaus, frühzeitig Grenzen zu setzen. Denn die Machtkämpfe, die diese Kinder in ihrer Trotzphase führen, können besonders heftig ausfallen, weil sie sich mitunter schwer tun, Schranken zu akzeptieren. Unterstützung finden Eltern in zahlreichen Selbsthilfeoranisationen.








