Luftmatratzen, Schwimmtiere, Wasserbälle

Gefährliches Wasserspielzeug

Giftige Weichmacher und Sicherheitsmängel machen das lustig aussehende Spielzeug zum Gesundheitsrisiko

„Das Risiko schwimmt mit“ übertitelt der TÜV Rheinland seinen diesjährigen Wasserspielzeug- und Schwimmhilfen-Test. Die Prüfer fanden verschluckbare Kleinteile, Weichmacher und sogar verbotene Schwimmsitze. Die Verbraucherzentrale NRW warnt, dass Grenzwerte um "das Hundertfache" überschritten werden.

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Billiges Wasserspielzeug erfüllt oft nicht einmal Mindestanforderungen an die Sicherheit.
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Die Prüfer kauften Wasserspielzeug für unter zehn Euro in Deutschland und beliebten Urlaubsländern ein und testeten die 50 Schwimmtiere, Luftmatratzen und Schwimmsitze für Babys im Labor auf Herz und Nieren. Das Ergebnis war ernüchternd: 20 von 50 Badeartikeln dürften in der Europäischen Union gar nicht verkauft werden, weil sie die Sicherheitsstandards nicht erfüllen.

Baby-Schwimmsitze gefährden Kinderleben

In den Regalen liegen sogar so gefährliche Artikel wie die verbotenen Schwimmsitze für Babys und Kleinekinder. Von ihnen fanden die Tester sechs Stück. Aus manchen Modellen können die Kinder herausrutschen und ertrinken. Bei anderen Schwimmsitzen besteht das Risiko, dass die Kinder im Wasser kentern, weil die Sitzposition zu hoch ist. „Diese aufblasbaren Schwimmsitze sind lebensgefährlich. Sie gaukeln den Eltern Sicherheit vor, die sie nicht bieten. Deshalb sind solche Sitze absolut verboten“, sagt Christiane Reckter vom TÜV Rheinland. Die verbotenen Schwimmsitze meldete der TÜV den Behörden.

Weichmacher und Gift in Schwimmdelfin und -krokodil

Zudem waren unter den 50 geprüften Billigprodukten fünf aufblasbare Wasserspielsachen, bei denen sich im mechanischen Zugversuch verschluckbare Kleinteile wie Ventilstöpsel lösten, sowie sechs Wasserspielzeuge, in denen die Prüfer unerlaubt hohe Mengen verschiedener Schadstoffe fanden. Zudem sind die vermeintlichen Schnäppchen-Spielzeuge in unerlaubt hohem Maß mit Phthalat-Weichmachern belastet.

Phtalate stehen im Verdacht, hormonell zu wirken, Leber und Niere zu schädigen und Krebs auszulösen. Auch die Verbraucherzentrale NRW fand Phthalate in jedem zweiten aufblasbaren Schwimmball und -tier. Andere Produkte enthielten zu viel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese toxischen Substanzen gelten als krebserregend – und sind technisch vermeidbar, wie der TÜV schreibt.

Einen Anhaltspunkt für die Qualität eines Wasserspielzeugs liefern offenbar schon die Benutzungs- und Warnhinweise: Sind sie etwa voller Rechtschreibfehler, hatte das dazu gehörige Produkt meist auch ein Sicherheitsproblem. Generell empfiehlt der TÜV, Wasserspielzeug wie Luftmatratzen, Bälle und aufblasbare Spieltiere nur bei großen Handelsketten mit Qualitätssicherung zu kaufen.

Wasserspielzeug-Kauf: Finger weg von stinkendem Plastik

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Bunte Tiere und Bälle sind bei Kindern sehr beliebt, es gibt sie an jedem größeren Strand zu kaufen.
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Zudem können Urlauber schon beim Kauf einige Dinge kontrollieren: Riechen die Kunststoffprodukte extrem stark und unangenehm? Besitzen die Spielzeuge scharfe Kanten oder ist der Kunststoff extrem dünn? Dann heißt es besser: Finger weg und das Geld sparen, selbst wenn es wenig ist.

Bereits zum vierten Mal unterzog der TÜV Rheinland das Urlaubsspielzeug einem Sicherheitscheck. 2009 waren über 60 Prozent der gekauften Artikel durchgefallen, 2010 immer noch mehr als jedes Dritte. 2012 erfüllten knapp 40 Prozent der Produkte nicht einmal die EU-Mindestanforderungen.

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Letzte Aktualisierung: 06. August 2013
Quellen: Mitteilung des TÜV Rheinland und der VZ NRW zu billigem Wasserspielzeug im Test: http://www.tuv.com/de/deutschland/ueber_uns/presse/meldungen/newspdfde_164992.jsp; http://www.vz-nrw.de/wasserspielzeug-schaedliche-weichmacher

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