Labormedizin, Frau untersucht Blutprobe
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Alkalische Phosphatase (AP) erhöht oder zu niedrig

Von: Eva Schiwarth (Medizinautorin), Dagmar Schüller (Medizinredakteurin und Dipl.-Trophologin)
Letzte Aktualisierung: 26.03.2024

Alkalische Phosphatasen (AP oder ALP) sind eine Gruppe von Enzymen, die für die Aufspaltung von Phosphat im Organismus zuständig sind. Der Blutwert gibt Hinweise auf die Funktion von Leber und Galle, aber auch auf Erkrankungen der Knochen. Was erhöhte oder zu niedrige AP-Werte bedeuten können.

Häufige Fragen und Antworten

Was bedeutet es, wenn die alkalische Phosphatase zu hoch ist? Ein hoher Wert kann auf Krankheiten der Leber, Knochen oder Gallenwege hinweisen. Auch bestimmte Medikamente erhöhen den AP-Wert.

Welche Tumore produzieren alkalische Phosphatase? Bestimmte Knochentumoren und Lebertumoren können erhöhte Mengen an alkalischer Phosphatase produzieren. Entsprechend kann der AP-Wert als Marker für das Wachstum oder die Ausbreitung dieser Tumore verwendet werden.

Ist bei Osteoporose die alkalische Phosphatase erhöht? Bei Osteoporose ist die alkalische Phosphatase nicht unbedingt erhöht, da es zwar zum Verlust an Knochenmasse kommt. Diese betrifft jedoch nicht unmittelbar die Knochenbildung oder -zerstörung, die die AP-Werte beeinflussen würde.

Was ist die alkalische Phosphatase?

Die alkalische Phosphatase (AP oder ALP) ist ein Enzym, das in verschiedenen Organen und Geweben des menschlichen Körpers vorkommt. In diesem Kontext wird von Isoenzymen gesprochen, also von verschiedenen Varianten des Enzyms, die in mehreren Organen produziert werden. Die alkalische Phosphatase wird unter anderem

  • in der Leber,
  • dem Dünndarm,
  • den Knochen,
  • Nieren und
  • Gallengängen gebildet. Bei schwangeren Frauen zusätzlich in der Plazenta.

Das Enzym spielt eine wesentliche Rolle bei zahlreichen Vorgängen im Körper, darunter der Spaltung von Phosphat aus Molekülen. Das ist für viele Stoffwechselprozesse wichtig.

Die Messung der Aktivität der Isoenzyme der alkalischen Phosphatase im Blut ist ein häufiger Bestandteil von Labortests und kann bei der Diagnose von Krankheiten der Leber und Gallenwege sowie Knochenerkrankungen helfen. So bestimmt der*die Arzt*Ärztin die AP-Werte im Blut zum Beispiel auch beim Verdacht auf erhöhte Leberwerte.

Normwerte für die alkalische Phosphatase

Die Werte unterscheiden sich bei Männern und Frauen. Kinder und Jugendliche haben höhere Werte als Erwachsene, bei ihnen hängt der AP-Wert vom Alter ab.

Tabelle: Normwerte für AP

 Normalbereich
Männer40 bis 129
Frauen35 bis 104
Mädchen (16 bis 18 Jahre)38 bis 186
Jungen (16 bis 18 Jahre)38 bis 390
Kinder (bis 16 Jahre)125 bis 300

 

Messeinheit: U/l (Einheiten pro Liter)

Je nach Labor und Analysemethode können die Werte stark abweichen. Zur Interpretation ist deshalb immer der Referenzbereich des Labors zu beachten.

Gründe für erhöhte AP-Werte

Liegt der AP-Wert über dem normalen Bereich, kommen folgende Ursachen in Betracht:

  • Erkrankungen der Leber (Hepatitis, Leberkrebs, Leberzirrhose)
  • Erkrankungen der Gallenwege zum Beispiel Gallenabflussstörungen (Cholestase), Gallenwegs- und Gallenblasenkrebs
  • Knochenkrankheiten wie Morbus Paget, Osteomalazie (Knochenerweichung), Knochenkrebs
  • Knochenbrüche
  • Vitamin D-Mangel (Rachitis),
  • Knochenmetastasen (Tochtergeschwüre), zum Beispiel beim Prostatakarzinom und Darmkrebs
  • endokrine Krankheiten wie Akromegalie (Wachstumsstörung), Hyperparathyreoidismus oder Cushing-Syndrom
  • Niereninsuffizienz (Nierenversagen)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)

Erhöhte Werte werden zudem im Blut bei Kindern und Jugendlichen gemessen, da bei ihnen das Knochenwachstum noch nicht abgeschlossen ist. Auch im letzten Schwangerschaftsdrittel kann der AP-Wert natürlicherweise erhöht sein.

Einfluss auf den AP-Wert haben zudem eine Reihe von Medikamenten:

So können

  • Mittel gegen Epilepsie (Antikonvulsiva) wie Carbamazepin,
  • Antirheumatika wie Methotrexat und
  • bestimmte Antibiotika wie Erythromycin, Cotrimoxazol und Isoniazid

den AP-Wert erhöhen.

Ursachen für einen zu niedrigen AP-Wert

Niedrige Werte der alkalischen Phosphatase treten eher selten auf. Beobachtet werden sie bei:

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • schweren Formen von Blutarmut (Anämie)
  • Eiweißmangel-Ernährung
  • der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln

Hypophosphatasie als Auslöser

Bei der angeborenen Stoffwechselerkrankung Hypophosphatasie bildet der Körper zu wenig alkalische Phosphatase. Durch die nicht ausreichende Phosphatspaltung kommt es zu Missbildungen an den Knochen, zu Knochenverkrümmung, Knochenentzündungen und Frakturen, Muskelschwäche sowie zum frühen Zahnverlust. Betroffene klagen zudem über Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Schmerzen.