PSA-Wert: Was bedeutet ein erhöhter oder normaler Wert?
Der PSA-Wert gibt an, wie viel prostataspezifisches Antigen im Blut vorhanden ist. Ein erhöhter Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten, hat aber häufig andere Ursachen. Für die Diagnose reicht der PSA-Test allein nicht aus. Was die Werte konkret bedeuten und wie es nach einem auffälligen Befund weitergeht, erfahren Sie hier.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten
Der PSA-Wert zeigt, wie viel prostataspezifisches Antigen (PSA) im Blut vorhanden ist. Das Eiweiß wird in der Prostata gebildet. Ein erhöhter Wert kann unter anderem bei einer gutartigen Prostatavergrößerung, einer Entzündung oder Prostatakrebs auftreten. Auch mechanische Belastungen der Prostata können den Messwert vorübergehend beeinflussen. Für eine Krebsdiagnose reicht der PSA-Wert allein nicht aus.
Einen für alle Männer gültigen Normalwert gibt es nicht. Für die Früherkennung empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie ein risikoadaptiertes Vorgehen: Ein Wert unter 1,5 ng/ml gilt als niedriges Risiko. Ab 3 ng/ml soll die Messung unter Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren innerhalb von drei Monaten wiederholt werden. Bestätigt sich der erhöhte Wert, ist eine urologische Abklärung vorgesehen.
Zur allgemeinen Früherkennung ohne konkreten Krebsverdacht ist der PSA-Test bislang keine reguläre Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Er wird dann als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten. Besteht ein konkreter Verdacht auf Prostatakrebs oder wird der Wert im Rahmen einer bereits diagnostizierten beziehungsweise behandelten Erkrankung kontrolliert, kann der Test Kassenleistung sein. Die Kosten einer selbst bezahlten PSA-Bestimmung liegen häufig zwischen 25 und 35 Euro.
Was ist der PSA-Wert?
PSA steht für prostataspezifisches Antigen. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das in den Drüsenzellen der Prostata gebildet wird. Die Prostata liegt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre.
Der größte Teil des PSA gelangt in die Samenflüssigkeit. Es verflüssigt das Ejakulat und trägt dazu bei, dass sich die Samenzellen besser bewegen können. Eine geringe Menge ist normalerweise auch im Blut vorhanden. Verändert sich das Prostatagewebe, kann mehr PSA ins Blut übertreten und der PSA-Wert ansteigen.
So wird der PSA-Wert gemessen
Für die Bestimmung genügt eine Blutentnahme. Das Ergebnis wird in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) angegeben. Nüchternheit ist dafür in der Regel nicht erforderlich.
Für Verlaufskontrollen sollte möglichst dieselbe Labormethode verwendet werden. Ergebnisse unterschiedlicher Testverfahren können deutlich voneinander abweichen. Außerdem sollten vor der Blutentnahme mögliche Einflussfaktoren wie
- eine Ejakulation,
- intensives Radfahren,
- Entzündungen oder
- vorausgegangene Untersuchungen der Prostata
berücksichtigt werden.
Tabelle: Welcher PSA-Wert ist normal?
Einen allgemeingültigen PSA-Normalwert, mit dem sich Prostatakrebs sicher ausschließen lässt, gibt es nicht. Der Messwert muss gemeinsam mit dem Alter, der Prostatagröße, möglichen Beschwerden, der familiären Vorgeschichte, eingenommenen Medikamenten und früheren PSA-Werten beurteilt werden.
| PSA-Wert | Risikoeinordnung | Empfohlenes Vorgehen |
| unter 1,5 ng/ml | niedriges Risiko | erneute PSA-Bestimmung nach fünf Jahren |
| 1,5 bis 2,99 ng/ml | mittleres Risiko | erneute PSA-Bestimmung nach zwei Jahren |
| ab 3 ng/ml | erhöhtes Risiko | Kontrollmessung innerhalb von drei Monaten; bei bestätigter Erhöhung weitere Abklärung |
Wichtig zu wissen: Diese Einteilung dient der Früherkennung bei Männern ohne Beschwerden. Sie ist nicht auf die Nachsorge nach einer Prostatakrebsbehandlung übertragbar. Ein Wert ab 3 ng/ml bedeutet nicht automatisch, dass Prostatakrebs vorliegt. Umgekehrt kann ein Tumor auch bei einem niedrigeren Wert vorhanden sein.
Wie hoch darf der PSA-Wert im Alter sein?
Mit zunehmendem Alter wird die Prostata bei vielen Männern größer. Dadurch kann auch der PSA-Wert steigen, ohne dass Prostatakrebs vorliegt. Starre altersabhängige Normalwerte werden in der aktuellen S3-Leitlinie jedoch nicht für die risikoadaptierte Früherkennung verwendet.
Entscheidend ist die Gesamtbeurteilung des persönlichen Risikos. Dazu gehören neben dem Alter unter anderem
- die Prostatagröße,
- der Verlauf des PSA-Werts,
- eine familiäre Belastung und
- mögliche genetische Risikofaktoren.
Bei mindestens einem erstgradig verwandten Familienmitglied mit Prostatakrebs empfiehlt die Leitlinie eine PSA-basierte Früherkennung ab 45 Jahren. Bei bestimmten erblichen Veränderungen, etwa in den Genen BRCA2, MSH2 oder MSH6, soll bereits ab 40 Jahren eine spezialisierte Risikoberatung angeboten werden.
Wie aussagekräftigt ist der PSA-Wert?
Der PSA-Test kann das persönliche Risiko für Prostatakrebs abschätzen, aber weder Krebs sicher nachweisen noch ausschließen. Erhöhte Werte kommen auch bei gutartigen Veränderungen der Prostata vor. Zudem können einzelne Messwerte schwanken. Deshalb ist die Entwicklung des Werts über längere Zeit häufig aussagekräftiger als eine einzelne Messung.
Ein auffälliger PSA-Wert ist noch keine Krebsdiagnose. Liegt der Wert bei mindestens 3 ng/ml, soll die Messung laut S3-Leitlinie zunächst innerhalb von drei Monaten wiederholt werden. Vorher sind mögliche Einflussfaktoren wie Entzündungen, Ejakulation oder mechanische Belastungen zu berücksichtigen.
Bestätigt sich der erhöhte Wert, soll eine urologische Beratung erfolgen. Besteht weiterhin ein relevantes Krebsrisiko, folgt in der Regel eine Magnetresonanztomografie (MRT) der Prostata. Erst abhängig vom MRT-Befund und vom individuellen Risiko wird entschieden, ob eine Gewebeentnahme notwendig ist.
PSA-Wert erhöht: Mögliche Ursachen
Ein erhöhter PSA-Wert kann durch bösartige, gutartige oder vorübergehende Veränderungen der Prostata entstehen. Häufige beziehungsweise mögliche Ursachen sind:
Prostatakrebs: Prostatakrebszellen können vermehrt PSA bilden. Ein erhöhter Wert allein beweist jedoch nicht, dass ein Tumor vorliegt.
Gutartige Prostatavergrößerung: Mit der Zahl der PSA-bildenden Prostatazellen kann auch der Messwert steigen.
Prostataentzündung: Eine akute oder chronisch aktive Prostatitis kann den PSA-Wert erhöhen.
Medikamente: Bestimmte Medikamente beeinflussen den PSA-Wert ebenfalls. So senken 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid oder Dutasterid den Messwert.
Harnwegsinfekte: Auch eine Entzündung der Harnwege kann den Messwert vorübergehend ansteigen lassen.
mechanischer Druck: Druck auf die Prostata, wie beim Radfahren beispielsweise, kann den Messwert beeinflussen. Solche Belastungen sollten insbesondere vor der Kontrollmessung eines erhöhten Werts vermieden werden.
Ejakulation: Nach einem Samenerguss kann der PSA-Wert vorübergehend erhöht sein.
- Untersuchungen und Eingriffe: Untersuchungen oder Eingriffe an Prostata, Harnröhre oder Blase können den PSA-Wert zeitweise verändern.
Kann der PSA-Wert auch zu niedrig sein?
Ein niedriger PSA-Wert hat für sich genommen keinen Krankheitswert. Allerdings schließt auch ein niedriger Wert Prostatakrebs nicht mit letzter Sicherheit aus. Zudem können bestimmte Medikamente den PSA-Wert deutlich senken. Wer solche Medikamente einnimmt, sollte dies vor der Messung mitteilen.
Bedeutung von PSA in der Krebsfrüherkennung
Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt Männern ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren zunächst eine ergebnisoffene ärztliche Beratung über die Vor- und Nachteile der Prostatakrebs-Früherkennung. Wünschen sie danach eine Früherkennung, soll ihnen ein PSA-Test angeboten werden. Die bisherige Tastuntersuchung der Prostata wird als alleinige Früherkennungsmethode nicht mehr empfohlen.
Eine PSA-basierte Früherkennung kann Prostatakrebs in einem frühen, potenziell heilbaren Stadium erkennen. Nach den von der Leitlinie ausgewerteten Langzeitdaten können bei 1.000 regelmäßig untersuchten Männern ungefähr drei Todesfälle durch Prostatakrebs und vier Fälle mit Metastasen verhindert werden.
Die Früherkennung hat jedoch auch Nachteile. Ein auffälliger PSA-Wert kann sich als falscher Alarm herausstellen und weitere Untersuchungen auslösen. Außerdem können langsam wachsende Tumoren entdeckt werden, die ohne Früherkennung niemals Beschwerden verursacht hätten. Fachleute sprechen dann von einer Überdiagnose. Daraus kann eine unnötige Behandlung entstehen, unter anderem mit möglichen Folgen wie:
- Erektionsstörungen
- Harninkontinenz
Beschwerden beim Wasserlassen oder nach einer Bestrahlung
Ob die möglichen Vorteile oder Nachteile schwerer wiegen, ist eine persönliche Entscheidung. Deshalb sollte der PSA-Test zur Früherkennung erst nach einer verständlichen ärztlichen Aufklärung erfolgen. Ein risikoadaptiertes Vorgehen mit Kontrollmessung und MRT vor einer möglichen Biopsie soll unnötige Eingriffe und Überdiagnosen verringern.
Bei bereits diagnostiziertem Prostatakrebs hat der PSA-Wert eine andere Funktion: Er wird unter anderem eingesetzt, um den Krankheits- und Behandlungsverlauf zu kontrollieren.
Ist ein PSA-Test eine Kassenleistung?
Ob die Krankenkasse den PSA-Test bezahlt, hängt vom Anlass der Untersuchung ab.
PSA-Test zur Früherkennung: Ohne Beschwerden oder konkreten Krebsverdacht gehört der PSA-Test bislang nicht zur regulären gesetzlichen Prostatakrebs-Früherkennung. Er wird dann als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angeboten und muss normalerweise selbst bezahlt werden.
PSA-Test bei Krebsverdacht oder zur Verlaufskontrolle: Besteht ein konkreter Verdacht auf Prostatakrebs oder wird eine bereits diagnostizierte beziehungsweise behandelte Erkrankung kontrolliert, kann die PSA-Bestimmung eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung sein.
Die reine Laborbestimmung kostet häufig etwa 25 bis 35 Euro. Mit einem ärztlichen Aufklärungsgespräch oder ergänzenden Untersuchungen können die Gesamtkosten bei ungefähr 60 Euro liegen. Vor einer IGeL müssen Arztpraxen über die voraussichtlichen Kosten informieren.
Einige Krankenkassen bieten über ihre Satzungsleistungen zusätzliche Erstattungsmöglichkeiten an. Versicherte sollten deshalb vor dem Test direkt bei ihrer Krankenkasse nachfragen.