Warum Frauen nicht gern über die Wechseljahre reden

Tabuthema Wechseljahre?

Der Körper und seine Funktionen sind ein klassischer Stoff für Tabuisierungen – die Wechseljahre sind ein klassisches Beispiel dafür. Das kann bedrückend sein und die Therapie von tabuisierten Krankheiten vereiteln. Tabus stellen für Menschen aber auch einen Schutz dar.

Tabuthema Wechseljahre
Wechseljahre und Klimakterium sind noch immer Tabuthemen.
© iStock.com/Creativemarc

Sehr wenige Frauen reden öffentlich über ihre Wechseljahre. Sogar Freundinnen berichten einander oft nur verschämt von Hitzewallungen und starkem Schwitzen oder schlaflosen Nächten. Wechseljahre sind ein Tabuthema. Aber warum eigentlich?

Diese Frage lässt sich nicht leicht beantworten. Eine Eigenheit von Tabus ist nämlich, dass auch die Begründungen tabu sind, sagt der Sprachwissenschaftler Dr. Hartmut Schröder von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Tabus werden in der Regel nicht ausgesprochen. Aber auch ohne Worte lernen schon Kinder früh, was als richtig gilt und was sie nicht sagen oder tun sollten.

Körperfunktionen sind tabu

Eine Folge davon: In Situationen, in denen über Tabuisiertes geredet werden muss, verwenden die Menschen Umschreibungen. "Wechseljahre" könnte als ein solches Ersatzwort entstanden sein, meint Schröder. Jedenfalls besitzt das Klimakterium das Zeug zum Tabu: Denn Körperfunktionen sind klassische Bereiche, die im Gespräch lieber ausgeklammert werden. Und für die Wechseljahre kommt einiges zusammen:

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    Hitzewallungen, Schlafstörungen, ausbleibende Regel - haben die Wechseljahre schon begonnen?

Alt: Ein Hintergrund für das Schweigegebot ist sicher, dass die Wechseljahre die Tür zum Alter aufstoßen. Das freut eine Frau umso weniger, je mehr sie jung und fit wirken will. Denn eine Crux unserer Zeit lautet: Alle wollen möglichst lange leben, aber keiner will dabei alt aussehen und gebrechlich sein.

Unfruchtbar: Dazu kommt: Der Verlust der Gebärfähigkeit irritiert das weibliche Selbstwertgefühl. Sogar Frauen, die nie Kinder wollten oder ihre Familienplanung schon abgeschlossen haben, geraten ins Nachdenken, wenn die Periode für immer ausbleibt. Es macht eben einen Unterschied, ob eine Frau nicht schwanger werden will oder nicht schwanger werden kann.

Unsexy: Die Nähe zur Sexualität entfaltet zusätzlich eine tabuisierende Kraft. Auch wenn viele Umfragen belegen, dass Lust und Liebesleben mit den Wechseljahren nicht versiegen, scheint die Skepsis groß. Dahinter lauert auch die Angst, nicht mehr begehrenswert zu sein.

Krank: Eine weitere Rolle spielt, dass die Wechseljahre in den vergangenen Jahrzehnten zur Krankheit erklärt wurden und zwar zu einer peinlichen, über die keiner sprechen mag. Dass ihr Körper weniger Östrogene produziert, ließ eine Frau im Klimakterium zu einem Mangelwesen verkommen. Künstliche Hormone sollten Abhilfe schaffen.

Wechseljahre: zwischen Schutz und Last

Das Wort "Tabu" wird heute häufig abwertend benutzt, um anderen vorzuwerfen, dass sie die Kommunikation verweigern. Im ursprünglichen polynesischen Kontext bedeutete Tabu ein Verbot und erfüllte zwei Aufgaben: Herrschaft abzusichern und Schutzbedürftige abzuschirmen.


Die Schutzfunktion hilft beispielsweise Menschen mit tabuisierten Krankheiten wie Blasenschwäche oder Impotenz. Sie bewahrt diese davor, sich ständig dazu äußern und rechtfertigen zu müssen. Die Schattenseite ist, dass Menschen über Tabu-Erkrankungen schweigen und sich nicht behandeln lassen. Manche Frau, die in die Wechseljahre gekommen ist, sucht daher womöglich keinen Arzt auf, obwohl sie unter ihren Hitzewallungen und Schlafstörungen sehr leidet.

Tabus können fallen

Tabus sind nicht in Stein gemeißelt und derzeit stehen die Zeichen günstig, dass das Sprechverbot über die Wechseljahre kippt. Denn zum einen kommen geburtenstarke Jahrgänge in die Wechseljahre, zum anderen entdeckt die Industrie ein Marktpotenzial im Klimakterium und bringt das Thema in die Werbung. Tabus können verschwinden, wenn sie oft gebrochen werden. Die Menschen müssten eine Enttabuisierung aber auch wollen, sagt Experte Schröder. Ob sie es als Freiheit empfinden, wenn die Wechseljahre irgendwann kein Tabuthema mehr sein sollten, wird sich zeigen.

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Bin ich in den Wechseljahren?

Während der Wechseljahre verändert sich das Hormonsystem in einem langsamen, wechselhaften Prozess, der von einer Reihe typischer körperlicher und psychischer Anzeichen und Symptome begleitet wird. Ausmaß und Ausprägung der Symptome variieren von Frau zu Frau teilweise erheblich und gerade zu Beginn der hormonellen Umstellung sind die Anzeichen oft unspezifisch und diffus. Dieser Test kann erste Hinweise auf das Vorhandensein und die Schwere einer möglichen Wechseljahrssymptomatik geben.

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