Phytotherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden

Sibirischer Rhabarber: Pflanzliche Therapie gegen Hitzewallungen

Hitzewallungen bis in die Neunziger? Zwar nicht mehr so oft wie um den 50. Geburtstag herum, aber manche Frauen erleben dieses Symptom der Wechseljahre noch im hohen Alter. Welches pflanzliche Mittel empfiehlt ein Gynäkologe aus seiner Praxis-Erfahrung heraus gegen typische Wechseljahrsbeschwerden?

Sibirischer-Rhabarber gegen Hitzewallungen
Viele Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen fragen nach pflanzlichen Mitteln - ein Präparat mit dem Extrakt Rheum rhaponticum kann dann meistens helfen.
© iStock.com/CasarsaGuru

Seit die Ergebnisse der Women's Health Initiative-Studie (WHI) von 2002 zur Hormonersatztherapie bekannt sind, schrecken viele Frauen vor einer Therapie gegen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit und Gereiztheit zurück. Viele quälen sich jahrelang mit Symptomen herum, weil sie schlichtweg Angst haben vor Nebenwirkungen einer hormonellen Therapie. 

Die Studie löste heftige Diskussionen bis hin zu Streits zwischen Gegnern und Befürwortern einer Hormonersatztherapie aus. Nach wie vor ist das Ergebnis dieser großen Studie umstritten, allerdings wurde sie auch falsch gedeutet: Mit der WHI wurde nicht das Ziel verfolgt, die Wirksamkeit von Hormongaben gegen Wechseljahrsbeschwerden zu überprüfen, sondern ob eine langfristige Hormoneinnahme die kardiovaskuläre Gesundheit von Frauen verbessert. Dieser Punkt ging in der Diskussion oft unter.

Hausmittel gegen Wechseljahresbeschwerden

Daneben wurde die Methodik der WHI-Studie kritisiert, weil die verwendeten Hormonpräparate nicht übertragbar seien auf europäische Verhältnisse, wo häufiger Estradiol gegeben wird. Weiterer Kritikpunkt war, dass die Frauen im Schnitt 65 Jahre alt waren und damit zu alt im Vergleich zur Situation hierzulande, wo Frauen viel jünger sind, wenn sie eine Hormontherapie verordnet bekommen - um nur einige wenige Kritikpunkte zu nennen.

Alternativen zur Hormontherapie

Die Berichte im Zuge der Veröffentlichung der Studienergebnisse haben einen Großteil der Frauen verunsichert. Seither fragen viele Patientinnen ihre Gynäkologen nach Alternativen zur Hormonersatztherapie - gern auf pflanzlicher Basis. Allerdings scheinen Beschwerden wie depressive Verstimmungen im Rahmen des Wechsels inzwischen auch auf anderem Wege behandelt zu werden: Laut der Arzneimittelreporte der Barmer Krankenkasse von 2009 und 2012 erhalten Frauen seit 2002 wesentlich mehr Antidepressiva wie zuvor. Die Autoren des Arzneimittelreports, Gerd Glaeske und Christel Schicktanz, stellen seit 2004 steigende Verordnungszahlen für weibliche Versicherte fest. Da weniger Frauen eine Hormontherapie möchten, könnte hier ein Zusammenhang bestehen. Denn gegen Hormonschwankungen der Wechseljahre und damit verbundene Stimmungstiefs wirkt nicht nur eine Hormonersatztherapie, sondern auch ein Phytopharmakon - oder eben ein Antidepressivum. Allerdings können Antidepressiva nicht einfach als Ersatz für eine Hormontherapie verabreicht werden.

Pflanzliche Hilfe bei Wechseljahresbeschwerden

Was kann eine Alternative sein gegen Wechseljahresbeschwerden? Gynäkologe Lorch hat viele Patientinnen, die über Beschwerden wie starke Schweißausbrüche und Hitzewallungen mit Schlafstörungen sowie Ängstlichkeit, Stimungstiefs und depressive Verstimmungen klagen. Da die Frage nach Alternativen zur Hormontherapie häufig komme, empfehle er in diesen Fällen zunächst pflanzliche Präparate mit Traubensilberkerze, Rotklee, Soja oder Rhapontikrhabarber auszuprobieren. Seinen Erfahrungen nach schlage der sibirische Rhapontikrhabarber bei vielen Frauen besonders gut an, weil er selektiv die Beta-Rezeptoren aktiviere. Aber ebenso gute Ergebnisse erzielten Präparate mit den andere pflanzlichen Wirkstoffen, die je nach Beschwerden entsprechend individuell eingesetzt würden.

Empfehlung aus der Praxis: Präparat mit Rhapontikrhabarber

Dass sich die typischen Wechseljahrsbeschwerden von Hitzewallungen über Schlafstörungen bis zu depressiven Verstimmungen bei den Frauen signifikant verringerten, belegte eine Studie des Jahres 2008. Es war über sechs Monate der Extrakt ERr 731 aus den Wurzeln des sibirischen Rhapontikrhabarbers an 363 Frauen verabreicht worden. In einer weiteren klinischen Studie reduzierten sich die Hitzewallungen von täglich zwölf auf zwei und das bereits nach vier Wochen täglicher Einnahme einer Tablette mit dem sibirischen Rhabarberextrakt ERr 731. Bislang gab es keine Studien, die die Wirksamkeit des Phytopharmakons belegen konnten. 

Rhabarberextrakt gegen Hitzewallungen wirkt wie gering dosierte Hormontherapie

Lorch wiederum konnte an seinen Patientinnen in der Münchner Praxis beobachten, dass der Rhabarberextrakt auf das Symptom Hitzewallungen vergleichbar gut wie eine sehr niedrig dosierte Hormontherapie wirke - allerdings ohne unerwünschte Nebenwirkungen wie etwa Scheidenatrophie oder Gewichtszunahme. Zwar reagiere jeder Körper höchst individuell, aber "der Vorteil am sibirischen Rhapontikrhabarber ist die risikoarme Therapie." Für Frauen, die aufgrund der Informationslage verunsichert sind, ist diese pflanzliche Hilfe gegen Wechseljahresbeschwerden auf jeden Fall einen Versuch wert.

Aufgrund der selektiven Aktivierung des ß-Rezeptors wirkt der Extrakt allerdings nicht positiv aktivierend auf den Knochenstoffwechsel, erklärt Lorch, weshalb er bei einem erhöhten Risiko für Osteoporose oder Knochenbrüche dann doch eine niedrig dosierte Hormontherapie empfehle. Daneben tragen regelmäßiger Sport und eine ausgewogene Ernährung mit wenig Lebensmitteln tierischen Ursprungs zu einem besseren Allgemeinzustand einer Frau im Klimakterium bei.

Beitrag zum Thema aus der Community
  • Expertenrat Wechseljahre
    Femi-Loges
    14.02.2013 | 20:26 Uhr

    Sehr geehrte Frau Dr. Grüne, ich (47) nehme seit ca 6 Wochen femi-loges gegen meine...   mehr...

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