Nach dem Bohren kommt die Plombe

Zahnfüllungen: Amalgam, Komposit oder Inlay?

Um Löcher in den Zähnen zu reparieren, verwendet der Zahnarzt ganz unterschiedliche Materialien. Abhängig ist dies von der Größe des Lochs, ob es sich um einen Backenzahn handelt oder einen im sichtbaren Bereich. Natürlich spielen auch die Kosten für Patienten eine Rolle. Wir erklären Unterschiede im Einsatz, Vor- und Nachteile von Amalgam und Co.

Zahnfüllung Amalgam
Bei Zahnfüllungen im Bereich der Backenzähne verwenden Zahnärzte häufig noch Amalgam. Ab 2018 soll der Einsatz des Quecksilberhaltigen Materials beschränkt werden.

Zahnfüllungen werden eingesetzt um Löcher in den Zähnen zu reparieren und anderweitig schadhafte Stellen an den Zähne zu rekonstruieren. Welches Füllungsmaterial der Zahnarzt dabei verwendet, ist unter anderem abhängig von der Größe des zu reparierenden Lochs: Der Zahn muss selbst noch genügend an Substanz besitzen, um die Füllung zu halten. Dies ist besonders wichtig bei Backenzähnen, die durch Kaubewegungen und -druck großen Belastungen ausgesetzt sind. Schließlich spielen auch optische Gründe und die Kosten bei der Auswahl der Zahnfüllung eine Rolle.

Welche Zahnfüllungen gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man bei Zahnfüllungen zwischen plastischen und starren Füllungsmaterialien. Damit verbunden sind unterschiedliche Herstellungs- und Verarbeitungstechniken sowie erhebliche Kostenunterschiede.

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Die plastischen Zahnfüllungen werden als formbare Masse in den Zahn eingebracht und härten dort aus. Der Zahnarzt kann sie in der Regel an einem Behandlungstermin einsetzen. Starre Füllungsmaterialien werden hingegen in festem Zustand als so genannte Einlagefüllungen (Inlays) in den Zahn einzementiert oder eingeklebt. Sie müssen vorher im Labor gefertigt und passgenau bearbeitet werden.

Die Herstellung eines Inlays erfordert ein Höchstmaß an Präzision und damit einen hohen Arbeitsaufwand. Das schlägt sich in einem wesentlich höheren Preis und einer längeren Behandlungsdauer nieder.

Plastische Füllungsmaterialien

Zu den plastischen Füllungsmaterialien gehören im Wesentlichen Amalgam und die sogenannten Komposite, umgangssprachlich nennt man diese auch Kunststofffüllungen. Beide werden für dauerhafte Füllungen verwendet. Daneben gibt es spezielle Zement-Materialien und Zement-Kunststoff-Gemische. Diese eignen sich nur für provisorische Zahnfüllungen.

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Amalgam: Bewährt, robust, aber gesundheitsgefährlich?

Amalgam ist ein Gemisch, das zu gleichen Teilen aus Quecksilber und einem Pulver aus Silber, Zinn und Spuren von anderen Metallen besteht. Verglichen mit den anderen Füllungsmaterialien ist der oft gescholtene Zahnfüllstoff sehr preiswert, besonders langlebig und lässt sich obendrein leicht verarbeiten.

Amalgam wird vorwiegend im hinteren Kauflächenbereich der Backenzähne eingesetzt. Besonders bei großflächiger, tiefergehender Karies, wenn fehlende Zahnschmelzsubstanz die Haftung einer Kunststofffüllung unzureichend macht, gilt es als Mittel der ersten Wahl.

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Eine gesundheitsschädigende Wirkung der Amalgamfüllungen konnte in Studien nicht eindeutig nachgewiesen werden. Zwar liegen die Quecksilber-Werte bei Menschen mit Amalgam-Plomben im Durchschnitt viermal so hoch wie bei amalgamfreien Menschen. Jedoch liegen die Werte noch weit unterhalb gesundheitsgefährdender Grenzwerte, die Belastung durch amalgamhaltige Plomben ist gering.

Nach Ansicht von Amalgamgegnern geben die Füllungen durch den Abrieb jedoch kontinuierlich kleine Dosen Quecksilber ab. Auch Säuren im Mund und heiße Speisen und Getränke sollen Quecksilber ausschwemmen, welches sich im Bindegewebe und den Organen ablagern und sogar die Blut-Hirn-Schranke durchdringen könnte. Neurologische Symptome wie innere Unruhe, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden wären dann die Folge. Darüber hinaus kann eine Vergiftung mit dem Schwermetall auch chronische Erkrankungen beeinflussen.

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Beschränkungen im Amalgameinsatz ab 2018

Auch die Umwelt und damit die Nahrungskette wird mit Quecksilber belastet – bei der Verarbeitung, der Entsorgung von Abfällen und beim Einäschern von Verstorbenen. Langfristig soll der Einsatz von Amalgam deshalb eingeschränkt werden. Nach einer EU-Verordung soll ab Juli 2018 Amalgam bei Kindern, schwangeren und stillenden Frauen nur noch in Ausnahmefällen erlaubt sein. Ab 2019 müssen Zahnarztpraxen Amalgamreste separat sammeln und sicher entsorgen. Außerdem soll geprüft werden, ob Zahnärzte langfristig (bis zum Jahr 2030) ganz auf Amalgam als Zahnfüllung verzichten können.

Austausch der Füllungen auf eigene Kosten

Wer seine Amalgam-Plomben vorsorglich ersetzen lassen möchte, sollte bedenken, dass die größte Vergiftungsgefahr beim Einsetzen und Ausbohren der Plomben entsteht. Denn dabei kann Quecksilber in gefährlicher Dampfform freigesetzt werden.

Wer ohne nachweisliche gesundheitliche Schädigungen Amalgamfüllungen gegen andere Füllmaterialien austauschen lassen möchte, muss dafür selbst aufkommen oder eine entsprechende Zahnzusatzversicherung abschließen. Auch bei neuen Füllungen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Alternativmaterialien nur, wenn medizinische Gründe gegen Amalgamfüllungen sprechen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Allergie gegen Amalgam vorliegt oder eine Nierenerkrankung besteht.

Kunststofffüllungen – Komposit

Kunststofffüllung beim Zahnsarzt
Bei einer Kunststoffüllung muss das Material schichtweise ausgehärtet werden. Der Zahnarzt nutzt dazu eine Speziallampe.

Kunststofffüllungen (Komposit) enthalten vorrangig Glas- und Quarzteilchen und,  wie der Name schon verrät, auch verschiedene Kunststoffe. Die zahnfarbenen Füllungen sind wegen ihrer besseren Ästhetik sehr beliebt, doch ist ihr Einsatzgebiet begrenzt. Meist werden sie für eher kleine oder mittlere Zahndefekte empfohlen. Denn das Material kann beim Härten geringfügig schrumpfen. Da der Schrumpfprozess bei kleineren Mengen weniger zum Tragen kommt, bringt der Zahnarzt die Füllung in einzelnen Schichten ein. Zwischen den einzelnen Schichten wird das Füllmaterial mit speziellen Lampen ausgehärtet. Je nach Größe der Füllung kann die Behandlung eine Stunde oder länger dauern. Die Kosten für eine Füllung belaufen sich auf 30 bis 180 Euro.

Nur für die Frontzähne (Schneidezähne, Eckzähne) übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Kompositfüllungen. Bei Füllungen im Seitenzahnbereich wird nur der Zuschuss übernommen, der auch für eine Amalgam-Füllung bezahlt worden wäre. Alle Mehrkosten muss der Patient selbst tragen. Ausnahmen von dieser Regelung werden gemacht bei einer nachgewiesenen Amalgamallergie, bei schweren Nierenleiden, während der Schwangerschaft und bei Zahnfüllungen von Milchzähnen.

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Zahnzement und Kompomer als Übergangsfüllung

Bei Glasionomerzement handelt es sich um einen speziellen Zement, der für Zahnbehandlungen entwickelt wurde. Kompomer ist eine Mischung aus Kunststoff und Zahnzement. Beide Materialien sind wenig belastbar und eignen sich deshalb nicht für dauerhafte Zahnfüllungen. Eingesetzt werden sie beispielsweise für

  • provisorische Füllungen (zum Beispiel vor der Versorgung mit Inlays)
  • Behandlung von Karies an Milchzähnen
  • kleine Füllungen im Zahnhalsbereich.

Die Kosten für die Glasionomerzementfüllung und Kompomer werden von den Krankenkassen übernommen.

Starre Zahnfüllungen: Inlays aus Gold oder Keramik

Prinzipiell sind die oben ausgeführten plastische Füllungen als dauerhafte Versorgung nur dann möglich, wenn der Zahndefekt eine bestimmte Größe nicht überschreitet. Ist im Backenzahnbereich die gesamte Kaufläche betroffen und müssen die äußeren Zahnhöcker ersetzt werden, kommen meist nur noch Inlays infrage.

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Bei den starren Füllungsmaterialien unterscheidet man Einlagefüllungen (Inlays) aus Kunststoff, Goldlegierungen oder Keramik. Alle Inlay-Formen werden im Labor hergestellt und werden wie auch Kompositfüllungen mit speziellen Kunststoff-Klebern im Zahn befestigt.

Gegebenenfalls muss der Zahn aber auch komplett restauriert werden. Als Zahnersatz kommen dann Brücken, Kronen oder Implantate zum Einsatz.

  • Kunststoff-Inlays werden in der Regel aus den gleichen Materialien hergestellt wie Kunststoff-Füllungen.

  • Gold-Inlays haben eine lange Geschichte und sind bis heute in Haltbarkeit und Verträglichkeit unübertroffen. Das dafür verwendete zahnärztliche Gussgold ist kein reines Gold, sondern eine Legierung, die neben dem Edelmetall noch weitere Metalle wie Platin oder Silber enthält. Die Zusätze erhöhen die Festigkeit, denn reines Gold ist sehr weich. Wer die Gold-Optik nicht mag, kann das Inlay mit einer dünnen Keramikschicht verblenden lassen.

  • Keramik-Inlays bestehen aus den drei natürlichen Grundstoffen Quarz, Feldspat und Kaolin und gelten als besonders gut verträglich. Sie sind von der natürlichen Zahnsubstanz kaum zu unterscheiden und erfüllen damit höchste ästhetische Anforderungen.

Wer sich im Backenzahnbereich als Alternative zum Amalgam für ein Inlay entscheidet, muss auch hier die Mehrkosten für die bessere Ästhetik selbst tragen. Diese betragen je nach gewähltem Material und Größe des zu füllenden Zahns zwischen 200 und 700 Euro pro Zahn. Die Krankenkassen übernehmen auch hier nur einen Festzuschuss, der je nach Bonuskarte zwischen 35 und 45 Euro beträgt – es sei denn, der Zahnschaden ist so massiv, dass der Einsatz von Amalgam oder auch einer Kunststofffüllung ausgeschlossen ist.

Wie lange halten Zahnfüllungen?

Auf die Haltbarkeit der Füllungen haben die Verarbeitung durch den Zahnarzt und die Zahntechniker sowie die Mundhygiene einen weit größeren Einfluss als das Material selbst. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) beträgt die durchschnittliche Haltbarkeit bei Amalgam acht bis zehn Jahre, bei Kompositen vier bis neun Jahre und bei Gold-Inlays zehn bis 15 Jahre. Für Keramik-Inlays werden bis zu neun Jahre veranschlagt.

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Autor:
Letzte Aktualisierung: 12. Oktober 2017
Durch: es
Quellen: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Patienteninformation „Welche Zahnfüllungen gibt es? URL: http://www.kzbv.de/welche-zahnfullungen-gibt-es.189.de.html, abgerufen Juli 2017; Amalgam-Meta-Studie Universitätsklinik Freiburg; Amalgam-Bericht German Amalgam Trial; Infos zur Belastung durch Zahnwerkstoffe vom Deutschen Zentralverein homoöpathischer Ärzte.

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