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Wie wichtig sind Märchen für Kinder?

Märchen sind bei Kindern noch genauso beliebt wie vor 100 Jahren. Sie liefern Stoff für Filme und Hörbücher – man denke nur an Walt Disneys Cinderella oder an den tschechischen Dauerbrenner "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Das gute alte Märchenbuch ist trotzdem nicht tabu. Es lädt ein zum wohligen Gruseln oder zum Träumen unter der Bettdecke.

Wie wichtig sind Märchen für Kinder?
Märchen führen Kinder auf anschauliche und unterhaltsame Weise an existenzielle Themen heran
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Viele Eltern fragen sich, inwieweit die alten deutschen Märchen überhaupt noch zeitgemäß und für Kinder geeignet sind. Denn sie bringen moralisches Verhalten auf eine recht grausame Art nahe, wie die von den Gebrüdern Grimm oder Wilhelm Hauff Anfang des 19. Jahrhunderts zusammengestellten Märchen bezeugen.

Im Märchen lehrt Frau Holle Kinder nicht nur das Fürchten

Wer kennt nicht die Märchen von Frau Holle, Hänsel und Gretel, Rapunzel und Rotkäppchen? Sehr häufig tyrannisiert darin eine böse Stiefmutter, Zauberin oder Hexe die Kinder. Am Ende siegt das Gute über das Böse, wobei der Übeltäter seine gerechte Strafe erhält und oftmals umkommt.

Trotz vieler furchterregender Szenen haben sich Kinder schon immer für Märchen begeistert, da sie über die anschaulichen Bilder einen Zugang zu existentiellen Themen und eine moralische Orientierung bekommen. Der bekannte österreichisch-amerikanische Kinderpsychologe Bruno Bettelheim (1903-1990) pries Märchen deswegen als wertvollen Beitrag zur Erziehung.

Märchen könnten Ängste auslösen, wenn sich Kinder zu sehr mit den Figuren identifizieren. So sollten Eltern aufpassen, wenn ihr Kind gerade einen ähnlichen Konflikt durchlebt, rät Frau Dr. Claudia Thußbas vom Institut für Psychologie der TU Berlin. Ebenfalls sollten Eltern Märchen nicht zur Abschreckung einsetzen, da dies eher negative Erziehungseffekte hervorruft.

Multikulturelle Märchen erweitern den Horizont der Kinder

Wilhelm Hauff entführt mit seinen Anfang Kunstmärchen "Zwerg Nase" und "Kalif Storch", die er Anfang des 19. Jahrhunderts geschrieben hat, den kleinen Leser in die Welt des Orients. Die umfassende Sammlung der Märchen aus 1001 Nacht, zu denen Märchen wie "Aladin und die Wunderlampe" oder "Sindbad, der Seefahrer" gehören, gibt Kindern Einblicke in ferne Länder und regt die kindliche Phantasie stark an. Sehr empfehlenswert sind auch die zeitgenössischen Märchen des syrischen Schriftstellers Rafik Schami oder der Griechin Eleni Torossi.

Gerade für jüngere Kinder eignen sich methodische Märchen-Sammlungen gut. Denn sie sind nach Themenkreisen gegliedert und enthalten vielfach Informationen zum pädagogischen Wert der Geschichten.

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