Angriff der asiatischen Buschmücke

Mückenstiche schmerzhafter als früher

Exotische Mücken in Deutschland schon längst heimisch

Mücken können mit jedem Stich Krankheitserreger übertragen. Wie gefährlich sind nach Deutschland eingewanderte Moskitos? Das erforschen Experten des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit in einem neuen Sicherheitslabor.

Mücke sticht
Mückenstiche schmerzen stärker als noch vor wenigen Jahren. Neue exotische Mückenarten und Umweltgifte in den Insekten führen zu teils heftigen Hautreaktionen.
© iStock.com/dabjola

Ein lauer Sommerabend auf Terrasse, Balkon oder im Biergarten, ein kühles Getränk - entspannter könnte es nicht sein, wenn nicht ständig diese lästigen Mücken zum Angriff surren würden. Bei entsprechender Geräuschkulisse konnte das nervige Summen der heimischen Hausmücke leicht überhört werden. Kurzzeitig bildete sich eine rote Pustel, die schnell wieder verschwand, wenn daran nicht rumgekratzt wurde. Doch stechen Mücken heute zu, schmerzt es bereits beim Einstich heftig. Im Anschluss bildet sich um den Stich ein feuerroter Vorhof und mit Wundsekret gefüllte Blattern, die wie Brandblasen aussehen und nur langsam abheilen.

Neue Mückenarten siedeln sich in Deutschland an

Wer einen der nur Zentimeter großen Angreifer zur Strecke bringt, muss feststellen, dass die Mücken anders aussehen als früher: Größer, gefärbt und gemustert, mit längeren Saugrüsseln. Deutschland ist eines der beliebtesten Einwanderungsländer der Welt - das haben jetzt auch Insekten entdeckt. So hat die in Deutschland beheimatete gemeine Hausmücke (Culex pipiens) Konkurrenz aus Asien bekommen.

"Die Asiatische Buschmücke hat sich inzwischen in Deutschland etabliert. Wir sind uns sicher, dass sie hier überwintert", bilanziert der Insektenforscher Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems. Das FLI ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Erstmals war die Asiatische Buschmücke 2008 in Süddeutschland entdeckt worden, später vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Auch in diesem Jahr konnten die FLI-Wissenschaftler das Insekt in Nordrhein-Westfalen nachweisen.

Exotische Mücken sind nicht mehr aufzuhalten

Unter den 50 heimischen Arten wurde Aedes japonicus - so ihr lateinischer Name - als erste einst exotische Stechmückenart in den Katalog der in Deutschland lebenden Mücken aufgenommen. "Die Bekämpfung der Buschmücke macht keinen Sinn mehr, sie hat sich zu weit in Deutschland ausgebreitet", sagt Kampen.

In einem neuen Sicherheitslabor nehmen die FLI-Wissenschaftler die Asiatische Buschmücke wie auch heimische Mückenarten jetzt genauer ins Visier. Vor zwei Monaten starteten die Entomologen in dem mit Luftschleusen gesicherten "Insektarium" erste Zuchtversuche des Exoten. In gazebespannten Boxen und bei Idealbedingungen - mindestens 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und 24 Grad Raumtemperatur - sollen sich männliche und weibliche Buschmücken zunächst zur Befruchtung treffen.

Das ist nicht ganz einfach, da Mücken in der freien Natur Kopulationsschwärme bilden. Gelingt die Zucht, wollen die Biologen und Insektenforscher Ende 2014 erste Infektionsversuche starten, um das Übertragungspotenzial zu erforschen.

Neue Mücken übertragen neue Krankheiten

Die Asiatische Buschmücke hat es in sich: Die Mücke mit den geringelten Mustern an den Beinen kann möglicherweise bislang in Deutschland nicht auftretende Krankheiten wie das West-Nil-Fieber, das Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Fieber übertragen. Diese Erkrankungen sind gefährlich für den Menschen. Das West-Nil-Fieber ist eine Zoonose - das Virus kann per Mücke von einem infizierten Tier auf den Menschen übertragen werden. West-Nil-Erkrankungen gibt es auch in Griechenland - mehrere Erkrankte starben.

Mit dem Klimawandel, globalisierten Handel und vielen Fernreisenden dringen immer mehr Exoten-Mücken nach Mitteleuropa vor. Auch die aggressive Asiatische Tigermücke wurde in Deutschland gesichtet. Dass sie sich ebenso wie die Asiatische Buschmücke in Deutschland etablieren wird, ist für die Forscher nur eine Frage der Zeit. Angesichts wärmerer Temperaturen könnten aber auch heimische Mückenarten Überträger bislang hier nicht bekannter Krankheitserreger werden, sagt Stefanie Becker, Leiterin des FLI-Instituts für Infektionsmedizin. "Jedes Virus hat eine Temperaturspanne, unter denen es sich besonders gut entwickelt."

Kennen Sie schon diese Mücken?

Diese Krankheiten übertragen unsere Mücken

Dass Mücken Krankheiten übertragen, spricht für die Gewieftheit bestimmter Erreger. "Es ist schlau von dem Virus, mit den Mücken einen Zwischenwirt zu haben, der selbst nicht erkrankt", sagt Becker. Schon lange gibt es in Europa Viren, die durch heimische Stechmücken auf den Menschen übertragen werden, darunter das Sindbis-Virus, das Tahyna-Virus oder das Batai-Virus. Die Infektionen sind in der Regel nicht schwerwiegend und gehen meist mit leichten Symptomen einer Sommergrippe einher.

"Nach der Ausrottung der Malaria in Deutschland verschwand auch das Interesse an der Mückenforschung - bis 2006 an der Blauzungenkrankheit tausende Rinder und Schafe starben", sagt der Leiter des Bundesforschungsinstituts, Thomas C. Mettenleiter. Der durch die Seuche verursachte volkswirtschaftliche Schaden wird allein in Deutschland auf 200 Millionen Euro geschätzt.

Mückenstiche schmerzen mehr als früher

Gleich mehrere Faktoren führen dazu, dass die Mückenstiche größer anschwellen und schmerzhafter sind, als noch vor einigen Jahren. Das von den exotischen Stechmücken injizierte Gift, das die Blutgerinnung inaktiviert und das Insekt ausgiebig saugen lässt, ist für unsere Haut absolut ungewohnt. Das teilen die sensiblen Nerven dementsprechend heftig dem Gehirn mit. Der Körper reagiert auf die fremden Eiweise mit einer heftigen Immunreaktion und eine ausgedehnte Schwellung und Entzündung entsteht. Wer am Stich kratzt eröffnet die mit Lymphe gefüllten Blasen. Diese tritt dann auf die Haut aus und trocknet dort klebrig an - ein idealer Nährboden für Bakterien wie Streptokokken. Dadurch kommt zur Entzündung noch eine Wundinfektion hinzu, die oftmals nur durch Antibiotika zurückgedrängt werden kann.

Zusätzlich enthält der Speichel der Mücke auch noch alle Insektizide, die in den letzten Jahren gegen Insekten eingesetzt wurde. Durch fehlerhafte Anwendung wurden diese verdünnt und die Insekten konnten Resistenzen entwickeln. Jetzt spritzen die Mücken das Gift wieder zurück, das zu ihrer Vernichtung durch den Menschen ausgebracht wurde. Das führt zu teils heftigen allergischen Reaktionen der Gestochenen.

Insektenstichen vorbeugen und behandeln

Im Idealfall kommt es nicht zum Mückenstich. Wer in der Natur unterwegs ist oder seine Freizeit anderweitig im freien verbringt, kann mit langer Kleidung die Angriffsfläche für die Stechtiere verringern. Da sich Mücken durch Duftstoffe leiten lassen, können abwehrende Duftstoffe eingesetzt werden, die es in Kerzen enthalten gibt (Zitronella) oder zum Aufbringen auf Kleidung, Haut und Haare. Die speziellen Wirkstoffe in den sogenannten Repellents sind als Pumpsprays oder Lotionen frei in der Apotheke oder Drogeriemarkt erhältlich und halten Stechinsekten nachhaltig ab.

Kommt es dennoch zum Stich, gilt das Kühlen der Einstichstelle als einfache und effektive Maßnahme zur Ersten-Hilfe bei Insektenstichen. Zur weiteren Behandlung haben sich zwar auch Hausmittel gegen Insektenstiche bewährt, aber wer hat zu diesem Zweck beispielsweise immer eine halbe Zwiebel in der Handtasche, die wegen der in ihr enthaltenen Immunglobuline zur Behandlung einer allergischen Hautreaktion bestens geeignet ist? Kühlende Salben, Sticks oder Sprays mit schmerzstillender Wirkung, lindern den Schmerz, nehmen den Juckreiz und halten die Einstichstelle sauber, wodurch eine mögliche Infektion verhindert wird.

Haben Sie eine Frage?

Sie möchten Informationen zu bestimmten Krankheitssymptomen oder wollen medizinischen Rat? Hier können Sie Ihre Fragen an unsere Experten oder andere Lifeline-Nutzer stellen!

Meistgeklickt zum Thema
Insektenstiche
Insektenschutz

Insektenstiche sind meist schmerzhaft, zuweilen auch richtig gefährlich. Am besten ist natürlich, sich nicht beißen zu lassen. Lesen Sie hier was zu tun ist, wenn Sie doch gestochen wurden. mehr...

Insektenschutzmittel: Bewährte Wirkstoffe
Mückensprays & Zeckenmittel

Insektenschutzmittel – worauf kommt es an? Welche Wirkstoffe sind für wen geeignet? Lesen Sie hier mehr. mehr...

Insektenschutz

Abwehrprodukte wie Sprays zum Schutz vor Zecken und Mücken oder ein elektronischer Mückenschutz sind sehr effektiv. mehr...

Experten-Foren

Mit Medizinern und anderen Experten online diskutieren.

Forum wählen
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Expertenrat Reise- und Infektionsmedizin

Fragen Sie unsere Experten, wie Sie sich schützen können

mehr...
Weitere stechende Parasiten
Newsletter-Leser wissen mehr über Gesundheit

Aktuelle Themen rund um Ihre Gesundheit kostenlos per Mail.

Abonnieren

Zum Seitenanfang

afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über Gong Verlag GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.lifeline.de

Unser Angebot erfüllt die afgis-Transparenzkriterien.
Das afgis-Logo steht für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.