Medizin-Mythos der Woche (16)

Tampons im Bermudadreieck und andere Mythen

Fast jede Frau dürfte sich schon darüber Gedanken gemacht haben, was passiert, wenn der Rückholfaden reißt und der Tampon im Körper „verloren geht“: Kann er in die Gebärmutter rutschen? Zersetzt er sich? Wie kommt er wieder heraus? Gerade im Sommer kommen dazu noch andere Fragen: Wie ist das mit Tampons und dem schmutzigen Wasser im öffentlichen Schwimmbad – und kann das Menstruationsblut im Meer gar Haie anlocken?

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Über Tampons und die Menstruation machen viele Gerüchte die Runde. Was davon stimmt und was nicht, zeigt das Lifeline-Interview.
© iStock.com/matka_Wariatka

Zehn häufige Fragen rund um Tampons klärt die Lifeline-Expertin und Gynäkologin Anja Oppelt im Interview:

Lifeline: „Mit einem Tampon sollten Frauen und Mädchen nicht ins öffentliche Schwimmbad gehen“

Anja Oppelt: Normalerweise ist das gechlorte Schwimmbadwasser überhaupt kein Problem. Nur sehr infektionsanfälligen Frauen und Schwangeren rate ich manchmal dazu, lieber im Meer oder einem großen Badesee zu schwimmen. Die sind in der Regel nämlich noch sauberer. Ganz im Gegensatz zu kleinen Whirlpools: Weil Pilze und Bakterien es warm und feucht mögen, können in solchen Keimschleudern Infektionen entstehen.

„Ein Tampon kann im Körper verschwinden, wenn der Rückholfaden reißt“

A. O.: Unfug – ein Tampon kann nirgendwo hinrutschen, ein Verschwinden ist unmöglich. Die Öffnung zur Gebärmutter ist dafür zu klein. Die meisten Frauen und Mädchen bekommen ihn auch, wenn der Faden gerissen ist, ohne fremde Hilfe wieder aus dem Körper. Wer dabei sehr unsicher ist, kann aber auch zum Frauenarzt gehen.

„Tampons führen zum Blutrückstau in die Gebärmutter“

A. O.: Nein, schließlich sind sie sehr saugfähig und das Blut läuft naturgemäß nach unten, ein Rückstau kann also nicht entstehen.

„Beim Schwimmen im Meer können menstruierende Frauen Haie anlocken“

A. O.: Das ist Quatsch, so viel Blut verlieren Frauen mit einem Tampon nicht.

„Ein Mal täglich Tampon wechseln reicht“

A. O.: Nein, das ist zu selten. Selbst an schwachen Tagen mit geringer Blutung sollten Frauen den Tampon alle drei bis vier Stunden austauschen. Andernfalls steigt die Gefahr von Infektionen, denn es leben immer Keime im Intimbereich – und das Blut dient in diesem Fall als Nährboden. Dasselbe gilt übrigens für Binden!

„Jungfrauen können keine Tampons benutzen“

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Tampons als Verhütungsmittel? Das und andere Mythen entkräftet Frauenärztin Anja Oppelt.
© iStock.com/oivanenko

A. O.: Doch, das können sie. Das Jungfernhäutchen oder Hymen ist ja nicht komplett verschlossen, außerdem gibt es speziell geformte und beschichtete Tampons für sehr junge Mädchen. Wer trotzdem Probleme mit dem Einführen hat, kann dünn eine Fettcreme auftragen, um den Tampon rutschiger zu machen. In sehr seltenen Fällen hat das Hymen keine Öffnung, dann staut sich das Blut schmerzhaft, statt aus der Scheide zu laufen – ein Fall für den Frauenarzt.

„Ein Tampon schützt vor Schwangerschaft“

A. O.: Natürlich nicht, das ist ein Mythos!

„Tampons sind viel hygienischer als Binden“

A. O.: So pauschal würde ich das nicht sagen, zumindest wenn Frauen die Binde regelmäßig wechseln. Aber natürlich kann es dabei schneller zu einem unangenehmen Geruch kommen als bei Tampons, einfach weil das Blut in der Binde mit der Außenluft in Kontakt ist.

„Nur wenn der Tampon nicht richtig sitzt, spürt die Frau ihn“

A. O.: Genau so ist es. Die rohrförmige Scheide ist an sich relativ unempfindlich, zudem übt ein richtig eingeführter Tampon nirgendwo einen unangenehmen Druck aus.

„Wer Tampons benutzt, riskiert ein TSS“

A. O.: Das toxische Schocksyndrom (TSS) entsteht durch eine Infektion mit Bakterien, die Giftstoffe produzieren. Die Keime können aber nicht nur durch einen Tampon in den Körper gelangen. Vorbeugen lässt sich TSS mit der richtigen Hygiene: vor und nach dem Tamponwechseln Hände waschen und ihn oft genug durch einen neuen ersetzen. Übrigens kommt das TSS bislang vor allem in den USA vor – womöglich haben die Frauen dort eine andere Keimflora.

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