Sichere und bequeme Verhütung

Der Verhütungsring: Vaginalring mit hormoneller Wirkung

Der Verhütungsring ist ein sicheres und vor allem bequemes hormonelles Verhütungsmittel. Der flexible Vaginalring wird in die Scheide eingeführt und wirkt dort ganz ähnlich wie die Pille – mit dem Vorteil, dass man nicht täglich daran denken muss. Lesen Sie hier alles über Wirkung und Nebenwirkungen, Anwendung, Sicherheit und Kosten dieser Verhütungsmethode.

Verhütungsring
Der Verhütungsring ist ein elastischer Kunststoffring mit etwa 4cm Durchmesser. Er verbleibt in der Scheide und gibt dort Hormone ab.
© iStock.com/EdnaM

Nachdem die Pille fast ein halbes Jahrhundert bei der hormonellen Verhütung eine Monopolstellung hatte, kam 2003 mit dem Verhütungsring eine ganz neue Methode und echte Alternative zur Antibabypille auf den Markt. Der Verhütungsring unterdrückt wie die Pille den Eisprung und verhindert so eine ungewollte Schwangerschaft. Doch er muss von der Frau nur einmal im Monat eingesetzt werden – auf ähnliche Weise wie ein Tampon – und schützt dann durch eine kontinuierliche Hormonfreisetzung vor einer ungewollten Schwangerschaft. Nach drei Wochen wird er entfernt und nach einer "ringfreien" Woche durch einen neuen Vaginalring ersetzt. In der "ringfreien" Zeit erfolgt eine Abbruchblutung, der Verhütungsschutz bleibt jedoch erhalten. Heute gibt es neben dem ursprünglichen Produkt "Nuvaring" Vaginalringe von verschiedenen Herstellern mit gleicher Wirkung und Dosierung.

Alternativen zur Pille

Wie wirkt der Verhütungsring?

Der Hormonring enthält wie eine Kombipille eine Kombination von Östrogen mit einem Gestagen. Pro Tag setzt er 15µg Ethinylestradiol (Östrogen) und 120µg Etonogestrel (Gestagen) frei, die über die Scheidenschleimhaut in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Die Hormone verhindern den Einsprung und hemmen zudem den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich ein befruchtetes Ei nicht in der Gebärmutter einnisten kann. Sofern der Ring nicht vergessen wird, ergibt sich bei dieser Verhütungsmethode eine ziemlich hohe Sicherheit, vergleichbar mit der Pille.

Die Hormonfreisetzung erfolgt kontinuierlich, was zu einem konstanten Hormonspiegel im Blut führt. Das hat den Vorteil, dass der Zyklus stabil gehalten wird und Zwischenblutungen relativ selten sind. Auch Menstruationsbeschwerden wie Brustspannen oder Übelkeit können gelindert werden. Im Gegensatz zur Pille müssen die Hormone nicht Magen und Darm passieren, dadurch reicht eine niedrigere Hormonmenge aus. Dennoch wirken die Hormone "nicht nur vor Ort", wie oft irrtümlich angenommen wird, sondern werden über die Blutbahn im Körper verteilt. Die Nebenwirkungen wie auch die Belastungen für die Leber sind deshalb die gleichen wie bei allen hormonellen Verhütungsmitteln. Auch die Thrombosegefahr ist trotz der geringen Hormonausschüttung ähnlich hoch wie bei den meisten Pillen oder sogar etwas höher.

Mögliche Nebenwirkungen und unerwünschte Wirkungen des Verhütungsringes

Häufige Nebenwirkungen des Hormonringes sind:

Darüber hinaus kommt es häufig zu "ringspezifischen" Nebenwirkungen wie

Hauptrisiko des Hormonringes ist Thrombose

Neben diesen vergleichsweise "harmlosen", wenn auch unangenehmen Nebenwirkungen birgt der Hormonring leider auch Risiken in sich. Ein Hauptproblem bei hormonellen Verhütungsmethoden ist die Thrombosegefahr. Dieses Risiko ist aufgrund der Art des enthaltenen Gestagens beim Verhütungsring sogar etwas höher als bei vielen modernen Antibaybpillen. Man vermutet als Ursache, dass die kontinuierliche Abgabe ins Blut eventuell die Bildung von Gerinnungsfaktoren in der Leber anregt, was zu Blutgerinnseln (Thrombosen) führen kann. Besonders Raucherinnen und Frauen ab 35 sollten deshalb die Anwendung gründlich mit ihrem Frauenarzt besprechen. Frauen, die unter Diabetes, starkem Übergewicht oder unter Gerinnungsstörungen oder Thromboseerkrankungen leiden, sollten sicherheitshalber auf hormonfreie Verhütungsmittel wie Kondome oder die Natürliche Familienplanung (NFP) zurückgreifen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Weil die Wirkstoffe des Verhütungsrings nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, bieten sie auch bei Durchfall oder Erbrechen und der Einnahme von Breitbandantibiotika einen sicheren Schutz. Es gibt jedoch auch Medikamente, die die Wirkung des Verhütungsrings einschränken können. Dazu zählen etwa stimmungsaufhellende Präparate mit Johanniskraut, außerdem viele Medikamente gegen Epilepsie und gegen Infektionskrankheiten. Es sollte also in jedem Fall eine Absprache mit dem Arzt erfolgen, wenn neben dem Ring Medikamente eingenommen werden sollen.

Pille oder Verhütungsring – das ist hier die Frage?!

Wer grundsätzlich mit hormoneller Verhütung gut zurechtkommt, hat beim Verhütungsring einige Vorteile gegenüber der Pille:

  • Man muss nur zweimal im Monat daran denken: beim Einsetzen und beim Herausnehmen
  • niedriger Hormonspiegel, gleichmäßige Hormonabgabe
  • weniger Einfluss auf den Stoffwechsel, geringere Zunahme an Körpergewicht
  • Die Sicherheit wird durch Erbrechen und Durchfall nicht beeinträchtigt.

Als Nachteile gegenüber der Pille kann man Folgendes sehen:

  • den vergleichsweise hohen Preis
  • ein störendes Gefühl beim Geschlechtsverkehr
  • Ausfluss und häufige Entzündungen im Bereich der Vagina

Welche Kriterien ausschlaggebend sind, muss letztendlich jede Frau gemeinsam mit ihrem Partner entscheiden.

Sicherheit des Verhütungsringes im Vergleich zu anderen hormonellen Verhütungsmitteln

Die Sicherheit des Verhütungsringes wird mit einem Pearl Index von 0,4 bis 0,65 angegeben. Das bedeutet, dass von 1.000 Frauen, die ein Jahr mit dem Hormonring verhüten, vier bis sechs ungewollt schwanger werden. Der Ring ist damit sehr sicher und vergleichbar mit anderen hormonellen Verhütungsmethoden. Die Sicherheit der Pille ist bei optimaler Anwendung zwar höher, aber es kommt hier in der Praxis zu mehr Fehlern durch vergessene Pilleneinnahme.

Die folgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick über die gängigsten hormonellen Verhütungsmittel und ihre Sicherheit (Pearl Index):

Verhütungsmethode Pearl Index
Kombipille mit Östrogen und Gestagen 0,1 - 0,9
Minipille 0,8 - 1,5
Vaginalring 0,4 - 0,6
Hormonspirale ca. 0,1
Hormonspirale – häufige Fragen

Anwendung: Wann und wie wird der Verhütungsring eingesetzt?

Bei der ersten Anwendung sollte der Verhütungsring am ersten Tag der Monatsblutung eingesetzt werden. Dann besteht sofort Verhütungsschutz. Wenn Sie den Ring erst am zweiten bis fünften Tag einsetzen, müssen Sie etwa eine Woche warten, bis die Schutzwirkung sicher hergestellt ist. Wenn Sie von einer vergleichbaren Methode wie einer Kombipille zum Ring wechseln, sollten Sie ihn nach der siebentägigen Pillenpause einsetzen, also an dem Tag, an dem Sie normalerweise mit der Pilleneinnahme für diesen Monat beginnen würden. Sprechen Sie hier aber sicherheitshalber vorher mit Ihrem Frauenarzt.

Den Verhütungsring können Sie ganz einfach selber einsetzen. Er besteht aus dem Kunststoff EVA, der hoch flexibel ist. Mit den Fingern lässt er sich leicht zusammendrücken und wie einen Tampon einführen. Da für die Wirkung keine exakte Position nötig ist, kann er so platziert werden, wie es am angenehmsten ist. Einmal eingesetzt passt er sich individuell der Scheide an und ist normalerweise nicht mehr spürbar. Von der Scheidenmuskulatur wird er an Ort und Stelle gehalten, dadurch kann man nach Lust und Laune Sport treiben, joggen oder Schwimmen gehen, ohne Angst haben zu müssen, den Ring zu verlieren. Auch beim Geschlechtsverkehr stört der etwa 4 mm starke Ring zumeist nicht.

Nach drei Wochen wird der Ring vorsichtig mit den Fingern entfernt und im Restmüll entsorgt. Während der folgenden Woche setzt die Regelblutung ein, anschließend beginnt nach genau sieben Tagen ein neuer Anwendungszyklus mit einem neuen Ring – unabhängig davon, wann Ihre Blutung angefangen hat. Wenn Sie während der monatlichen Blutung Tampons verwenden möchten, ist dies problemlos möglich, auch wenn der Ring bereits wieder eingesetzt wurde. Achten Sie aber beim Herausziehen des Tampons darauf, dass der Hormonring nicht mit herausrutscht.

Häufig gestellte Fragen zum Verhütungsring

Trotz der relativ einfachen Anwendung, gibt es doch einiges zu beachten. Was ist zum Beispiel, wenn …

... ein Verhütungsring vergessen oder verloren wurde?

Manchmal kann es passieren, dass der Verhütungsring aus der Scheide rutscht, beispielsweise beim Geschlechtsverkehr oder auch beim Entfernen eines Tampons. Wenn Sie dies innerhalb von drei Stunden bemerken, können Sie ihn mit lauwarmem Wasser abspülen und einfach wieder einsetzen. Die empfängnisverhütende Wirkung bleibt erhalten. Wichtig ist nur, dass die Zeitspanne ohne Ring nicht länger als drei Stunden beträgt. Für diesen Zeitraum können Sie den Hormonring auch gezielt entfernen, falls er sich doch beim Geschlechtsverkehr störend auswirkt. Allerdings darf man nicht vergessen, ihn danach wieder einzusetzen. War der Ring länger als drei Stunden außerhalb der Vagina, müssen Sie davon ausgehen, dass der Empfängnisschutz nicht mehr gewährleistet ist und gegebenenfalls bis zum nächsten Zyklus mit Kondomen verhüten.

Sollten Sie einmal vergessen, den Ring nach drei Wochen zu entfernen, ist das zunächst kein Problem. Bis zu vier Wochen kann er in der Scheide belassen werden, dann jedoch lässt der Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft nach.

Falls Sie nach der siebentägigen Ringpause vergessen haben, den Verhütungsring rechtzeitig wieder einzusetzen, sollten Sie dies so schnell wie möglich nachholen. Sicherheitshalber sollte für die folgende Woche zusätzlich mit Kondomen verhütet werden.

Wo bekomme ich den Verhütungsring?

Der Verhütungsring ist wie alle hormonellen Verhütungsmittel verschreibungspflichtig. Nach einer entsprechenden Untersuchung beim Frauenarzt bekommen Sie den Hormonring auf Rezept in der Apotheke.

Muss der Verhütungsring in den Kühlschrank?

Der Verhütungsring ist als Einmonats- und Dreimonatspackung erhältlich sowie teilweise auch als Sechsmonatspackung. Bisher durfte man die Packung nur maximal vier Monate außerhalb der Kühlung aufbewahren. Anders als der Nuvaring sind die neuesten Produkte jedoch überhaupt nicht mehr kühlungspflichtig, sodass man sie auch auf längere Reisen mitnehmen kann. Dennoch sollte man darauf achten, dass die Hormonringe bei Temperaturen über 2 und unter 30 Grad aufbewahrt werden.

Kosten des Hormonringes: Wie teuer ist diese Verhütung?

Eine Dreimonatspackung mit drei Vaginalringen kostet je nach Hersteller zwischen 36 und 48 Euro. Günstiger sind Sechserpackungen, die jedoch nicht von allen Firmen angeboten werden. Damit liegt der Preis für einen Hormonring bei etwa 12 bis 15 Euro und ist deutlich teurer als eine durchschnittliche Antibabypille mit fünf bis zehn Euro pro Monat.

Für wen ist der Verhütungsring geeignet?

Der Verhütungsring ist die ideale Verhütung für Frauen, die eine sichere und bequeme Lösung suchen und keine Vorbehalte gegen Eingriffe in ihren hormonellen Zyklus haben. Er ist grundsätzlich für Frauen zwischen 18 und 40 Jahren geeignet. Für jüngere Frauen ist die Methode bisher nicht zugelassen. Ab 40 wird der Hormonring aufgrund der zunehmenden Thrombosegefahr nicht mehr empfohlen.

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