Unkomplizierter Eingriff

Vasektomie: Sterilisation beim Mann

Ist die Familienplanung abgeschlossen, kommt als Dauerlösung für die Verhütung auch eine Sterilisation in Betracht. Beim Mann ist die sogenannte Vasektomie ein unkomplizierter Eingriff, der notfalls sogar rückgängig gemacht werden kann.

Glückliches Paar
Die Sterilisation des Mannes, auch Vasektomie genannt, kann bei abgeschlossener Familienplanung eine gute, weil dauerhafte Lösung sein.
(c) Getty Images/Creatas RF

Mediziner bezeichnen das Verfahren der Sterilisation des Mannes als Vasektomie. Obwohl sie unkomplizierter ist als die Sterilisation der Frau, lassen Frauen die Operation wesentlich häufiger vornehmen als Männer. Etwa sieben bis acht Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter lassen sich sterilisieren, bei den Männern sind es etwa zwei bis drei Prozent.

Ein Grund: Viele Männer haben Angst, die Sterilisation könnte zu Potenzstörungen führen. Diese Angst ist jedoch aus medizinischer Sicht völlig unbegründet. Die Operation beeinflusst Erektionsfähigkeit und Orgasmuserleben nicht. Ebenso hat sie keine Auswirkungen auf die Hormon- und Spermaproduktion der Hoden, auch nicht auf Volumen und Aussehen der Samenflüssigkeit (Ejakulat).

Alternativen zur Pille

Was passiert bei der Vasektomie?

Bei dem herkömmlichen Verfahren legt der Chirurg über kleine Schnitte seitlich am linken und rechten Hodensack die Samenleiter frei. Eine neue und zugleich noch komplikationsärmere Methode stellt die aus China stammende "non-scalpel"-Technik dar. Bei dieser minimal-invasiven Technik wird die Haut mittels einer spitzen Klemme über dem Samenleiter durchdrungen und durch geschicktes Drehen der Samenleiter freigelegt. Im Anschluss durchtrennt der Chirurg die Samenleiter, entnimmt ein etwa ein Zentimeter großes Stück und verschließt die freien Enden mittels Hochfrequenzstrom (Elektrokauterisation), Abklemmen oder Veröden wieder.

Der Eingriff erfolgt ambulant unter örtlicher Betäubung und dauert etwa 15 Minuten. Samenzellen werden zwar weiterhin gebildet, sie können aber nicht mehr ins Ejakulat gelangen, sondern werden im Körper wieder abgebaut.

Bis zu 16 Wochen nach der Vasektomie weiterhin zeugungsfähig!

Das gewünschte Ergebnis der Operation – die Abwesenheit von befruchtungsfähigen Samenzellen im Ejakulat – stellt sich jedoch erst zeitversetzt ein. Zunächst sind noch Vorräte verfügbarer Spermien vorhanden. Diese werden erst im Laufe der Zeit aufgebraucht, je nachdem wie häufig der Mann ejakuliert. Der Arzt untersucht daher in bestimmten zeitlichen Abständen das Ejakulat. Erst wenn sich in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Untersuchungen keine befruchtungsfähigen Samenzellen mehr nachweisen lassen, gilt der Mann als steril. Dieser Prozess kann etwa zehn bis 16 Wochen dauern. Solange muss das Paar noch auf andere Weise verhüten.

Vorteile und Nebenwirkungen der Vasektomie

Die Sterilisation des Mannes ist eine sehr sichere Verhütungsmethode, etwa vergleichbar mit Hormonspirale oder Pille. Bei nur etwa einem von 400 operierten Männern bleibt die Zeugungsfähigkeit erhalten, weil sich nach der Operation wieder eine Verbindung zwischen den Samenstrangenden ausbildet.

  • zum Ratgeber

    Im Special alles erfahren über hormonelle, mechanische oder chemische Verhütungsmittel!

Die Operation gilt als risikoarm, im Vergleich zur Sterilisation der Frau treten weniger unerwünschte Folgen auf. Komplikationen wie etwa Blutergüsse, Schwellungen, Wundinfektion, Nebenhodenentzündung oder Entzündung der Samenstränge nach der Operation sind sehr selten.

Auch langfristig ist die Komplikationsrate gering. Nur gelegentlich bildet sich überschüssiges Narbengewebe im Operationsbereich oder entstehen Gewebswucherungen (Granulome), was sich in beiden Fällen in der Regel aber gut behandeln lässt. Ebenfalls nur selten treten Druckgefühl und Schmerzen am Hoden oder psychisch bedingte Potenzstörungen oder depressive Verstimmungen infolge der Sterilisation auf. Der Hormonkreislauf des Körpers bleibt unbeeinflusst.

Was kostet eine Sterilisation beim Mann?

Die Kosten für die Vasektomie belaufen sich auf 400 bis 600 Euro. Sie werden von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen, auch private Kassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht. Zudem sollten Männer mit Sterilitätswunsch ihre Entscheidung vorab genau überdenken, da die Operation eine recht endgültige Entscheidung ist, die sich nicht in allen Fällen - und auf jeden Fall nur mit hohen Kosten verbunden - wieder rückgängig machen lässt.

Selbsttest
Welches Verhütungsmittel passt zu mir?

Verhütung ist eine höchst individuelle Sache und kommt stark auf die eigenen Vorlieben, den Charakter und die Lebensumstände an. Dieser Test kann daher nur als grobe Einschätzung dienen, welches Verhütungsmittel für Sie geeignet sein könnte. Ob es im Einzelfall sinnvoll ist, bewerten Sie am besten mit Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin und gegebenenfalls Ihrem Partner.

Vasektomie rückgängig machen?

Bei späterem Kinderwunsch ist ein erneuter chirurgischer Eingriff nötig, um die durchtrennten Samenleiter wieder durchgängig für Spermien zu machen. Die Operationskosten von etwa 3.000 bis 4.000 Euro müssen Betroffene selber tragen. Außerdem führt die Operation nicht immer zum Erfolg. Nur bei etwa 50 bis 70 Prozent der Männer kann die Durchgängigkeit der Samenleiter wieder hergestellt werden, und auch dann ist die Schwangerschaftsrate geringer als vor der Operation. Alternativ kann eine Hodenbiopsie erfolgen, bei der der Arzt Samenzellen aus dem Hoden entnimmt, um sie für eine künstliche Befruchtung der weiblichen Eizelle zu verwenden. Auch diese Behandlung zahlen die Kassen nicht.

Nur nach eingehender Beratung

Aus den genannten Gründen und auch, weil eine Sterilitätsoperation – bei Männern und Frauen – zu unvorhersehbaren psychischen Problemen führen kann, wird die Sterilisation in Deutschland nur nach einer umfassenden Beratung und Prüfung durch den Arzt vorgenommen. Im Zweifelsfall wird der Arzt dem Paar eine andere Langzeitverhütungsmethode wie etwa die Hormonspirale, das Hormonimplantat oder die Kupferspirale empfehlen.

Hormonspirale – häufige Fragen

Meistgeklickt zum Thema
NFP: Auch natürliche Verhütung ist sicher
Symptothermale Methode

Nicht jedes Paar will mit der Antibabypille oder Kondomen verhüten. Für sie kann natürliche Familienplanung (NFP) eine sinnvolle Alternative sein mehr...

Femidom: Kosten und Anwendung des Frauenkondoms
Vor- und Nachteile im Überblick

Wie das Kondom gehört auch das Femidom zu den hormonfreien Verhütungsmitteln und schützt nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Allerdings fallen die Kosten des... mehr...

Pearl Index – so sicher sind Verhütungsmittel
Wichtige Messgröße

Als Entscheidungshilfe für oder gegen ein Verhütungsmittel kann man sich am sogenannten Pearl Index orientieren mehr...

Artikel zum Thema
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang