Anleitung plus SOS-Tipps bei geplatztem Präservativ

Kondom: Passende Größe finden und richtig überziehen

Das Kondom ist nach der Antibabypille mit Abstand die beliebteste Methode, um einer Schwangerschaft vorzubeugen. Es ist das einzige Verhütungsmittel für den Mann und eine der wenigen Möglichkeiten, um sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. Allerdings sollte man sich hinsichtlich der Anwendung wie auch der Lagerung auskennen, um Verhütungspannen, etwa durch gerissene oder geplatzte Kondome, zu vermeiden.

Viele bunte Kondome
Bunt, mit und ohne Geschmack, gerippt, genoppt – Kondome schützen nicht nur, sie sind Teil des Liebesspiels. Darum aufgepast: Nicht alle Kondome dienen Verhütung und Eigenschutz!
© iStock.com/pederk

Das Kondom zählt zu den mechanischen Verhütungsmitteln, weil es eine Barriere zwischen der Samenflüssigkeit und der Scheide der Frau darstellt. Darin besteht auch einer der größten Vorteile des Präservativs: Es ist neben dem Frauenkondom (Femidom) die einzige Verhütungsmethode, die vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV schützt und sollte daher bei häufigem Partnerwechsel unbedingt mit von der Partie sein.  

Ein weiterer Vorteil des "Gummis" ist, dass beide Partner die Verantwortung für die Verhütung übernehmen. Immerhin ist das Kondom das bisher einzige Verhütungsmittel für Männer, während andere Methoden wie die Pille, der Verhütungsring oder die Hormon- beziehungsweise Kupferspirale reine Frauensache sind. Damit ist das Kondom auch eine gute Alternative zu hormonellen Verhütungsmitteln.

Die zehn häufigsten Geschlechtskrankheiten

Das richtige Kondom finden: Unterschiedliche Kosten und Größen 

Kondome kosten je nach Hersteller und Ausführung etwa 0,25 bis 1,35 Euro pro Stück. Es gibt sie glatt oder genoppt, in verschiedenen Farben, Stärken und Geschmackssorten. Und natürlich unterscheiden sie sich auch hinsichtlich der Größe. Wichtig ist, dass das Präservativ weder zu klein noch zu groß für den Penis ist. Dabei kommt es weniger auf die Länge, sondern auf die Breite an: So kann ein zu enges Kondom reißen, ein zu weites gleitet dagegen leicht vom Penis ab. In beiden Fällen wird die Schutzfunktion beeinträchtigt.  

Maße zwischen 49 und 55 Millimeter sind gängig. Um zu entscheiden, welches Kondom das richtige ist, wird der erigierte Penis mit einem Maßband an seiner dicksten Stelle gemessen. Selbst bei passender Größe fühlen sich manche Kondome beim Tragen und während des Sex unangenehm an, andere dagegen nicht. Hier gilt es, verschiedene Marken auszuprobieren, bis man diejenige gefunden hat, die dem individuellen Empfinden am besten entspricht.

Mythen übers Verhüten

Anwendungsfehler gefährden Sicherheit des Präservativs 

Der Pearl Index von Kondomen liegt bei 2 bis 12, das bedeutet, dass von 100 Frauen, die ein Jahr lang mit Kondom verhüten, zwei bis zwölf schwanger werden. Damit ist das Kondom nicht so sicher wie die Pille (Pearl Index 0,2 bis 0,5). Schuld daran sind meist Anwendungsfehler.

Viele Pannen passieren bereits beim Auspacken. So können etwa Fingernägel oder spitze Gegenstände die feine Latex-Haut beschädigen. Fetthaltige Gleitmittel, Cremes oder Zäpfchen greifen Latex-Kondome an und sollten daher nicht verwendet werden. Auch zwei Präservative übereinander erhöhen übrigens nicht die Sicherheit, sondern im Gegenteil die Gefahr von Rissen. Natürlich kann auch beim Aufsetzen des Kondoms einiges schief gehen, so etwa, wenn Innen- und Außenseite verwechselt werden. Doch mit etwas Übung ist das Überziehen kein Problem mehr. 

Kondom überziehen: Schritt-für-Schritt-Anleitung  

Kondom anlegen.jpg
Der Ring am offenen Ende des Kondoms sollte sich leicht abrollen lassen. Anderenfalls liegt das Präservativ entweder verkehrt herum oder ist zu klein.
iStock

Präservative sind, sofern sie den europäischen Normen entsprechen, zwar sehr sicher, aber auch empfindlich. Nur wenn sie richtig gehandhabt werden, gewährleisten sie vollen Schutz. So klappt das Überziehen Schritt für Schritt: 

  1. Damit die hauchzarte Membran nicht verletzt wird, die Verpackung besser seitlich aufreißen und das Präservativ vorsichtig entnehmen. Spitze Fingernägel, Zähne, Ringe oder Scheren können das zarte Häutchen leicht beschädigen. 

  2. Um das Kondom überzuziehen, muss der Penis steif sein.  

  3. Ziehen Sie im Falle eines nicht beschnittenen Penis die Vorhaut zurück. Setzen sie das Präservativ auf die Eichel, während Sie das Reservoir des Kondoms (geschlossenes Ende) mit Daumen und Zeigefinger festhalten. 

  4. Ziehen Sie den Ring am offenen Ende des Kondoms über den erigierten Penis und rollen es bis zum Penis-Schaft komplett ab. 

  5. Lässt sich das Kondom nicht abrollen, wurde es wahrscheinlich verkehrtherum angelegt – die Außenseite befindet sich dann fälschlicherweise innen. Verwenden Sie das Präservativ in diesem Fall bitte nicht mehr, sondern benutzen ein neues. Liegt das Kondom richtigherum auf, lässt sich aber trotzdem nur schwer abrollen, ist es womöglich zu klein. Verwenden Sie nur passende Größen (siehe "Kosten und Größen" oben), sonst erhöht sich die Gefahr, dass das Kondom reißt. 

  6. Entfernen Sie den Penis möglichst gleich nach dem Samenerguss aus der Scheide. Halten Sie dabei den Ring am Penis-Schaft fest, damit das Präservativ nicht versehentlich abrutscht. 

  7. Das benutzte Kondom wird im Restmüll entsorgt und sollte nicht in der Toilette heruntergespült werden. 

Vorsicht: 

  • Latex-Kondome nur mit fett- und ölfreiem Gleitgel verwenden. Fetthaltige Produkte wie Vaseline, Babyöle, Körperlotionen, Massageöle und Speisefette greifen das Material an. 

  • Ebenso haben Vaginalzäpfchen nachteilige Wirkung auf die Membran der Kondome.

Anleitung: Kondom richtig überziehen

Wenn das Kondom geplatzt oder gerissen ist: SOS-Tipps 

Kommt es zur Verhütungspanne und der Geschlechtsverkehr fand mit beschädigtem Kondom statt, gibt es die Möglichkeit, eine Schwangerschaft mit der zu verhindern, die es mittlerweile rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen gibt.  

Besteht das Risiko einer HIV-Infektion, kann sich das Ansteckungsrisiko folgendermaßen verringern lassen: 

  • Der Penis sollte bei zurückgezogener Vorhaut abgewaschen werden. Die Scheide oder den Anus sollte man jedoch nicht ausspülen, weil dabei womöglich kleine Hautrisse entstehen, die das Ansteckungsrisiko erhöhen.

  • Sperma im Mund sollte ausgespuckt werden. Der Mund wird ausgespült, Zähneputzen sollte man allerdings unterlassen, da es auch hier zu kleinen Verletzungen der Schleimhaut kommen kann, die ein Einfallstor für Viren sind. 

Wenn Sie verunsichert sind, welches Infektionsrisiko durch die Verhütungspanne tatsächlich bestand, wenden Sie sich an einen Arzt oder eine Beratungsstelle, die Ihnen ausführliche Informationen dazu sowie zu möglichen Untersuchungen geben können. 

Bitte nicht im Geldbeutel lagern: Kondome richtig aufbewahren 

Damit Kondome ihre Haltbarkeit nicht frühzeitig einbüßen, ist eine korrekte Lagerung wichtig. So verträgt die feine Haut aus Latex keine Sonneneinstrahlung, Hitze oder Quetschung.

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Um zu verhindern, dass die Kondome fehlerhaft aufbewahrt werden, sollte man gleich nach dem Kauf die Gebrauchsanweisung studieren. Auch das Haltbarkeitsdatum, das auf jeder Verpackung aufgedruckt ist, wird besser im Auge behalten, denn Präservative sind nicht unbegrenzt haltbar. 

Regeln zur Lagerung von Kondomen:

  • CE-Prüfzeichen und Chargennummer dürfen nicht fehlen. 

  • Das Haltbarkeitsdatum darf nicht überschritten werden. Automatenware kann überaltert sein. In Drogerien lagern die Kondome dagegen maximal ein Jahr. 

  • Die empfindlichen Tütchen müssen kühl und trocken gelagert werden. Zu große Hitze setzt den dünnen Häutchen zu. Deshalb ist das Handschuhfach des Autos kein geeigneter Ort, um die Gummis aufzubewahren. 

  • Ist die Verpackung beschädigt oder sind die Präservative verhärtet und brüchig, müssen sie entsorgt werden. 

Alternative zum Kondom: Das Femidom 

Weitaus weniger bekannt als das Präservativ für Männer ist das Frauenkondom. Dabei schützt es ebenso vor der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten, kann aber bereits vor dem Geschlechtsverkehr in der Scheide platziert werden. Unterbrechungen des Liebesaktes, wie sie durch das Überziehen des Kondoms vorkommen können, werden so vermieden. Allerdings verhütet das Frauenkondom laut Pearl Index nicht ganz so sicher und auch der Preis liegt höher. Ausführliche Informationen zum Femidom erhalten Sie hier.

Kondom als Lecktuch schützt beim Oralverkehr 

Auch beim Oralverkehr kann es zur Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit kommen. Beim "Blasen" (Fellatio) sollte deshalb bei Bedarf bereits ein Kondom über den Penis gerollt werden. Beim "Lecken" der Scheide (Cunnilingus) oder des Analbereichs (Anilingus) besteht ebenfalls eine Ansteckungsgefahr. Zum Schutz vor einer Ansteckung gibt es das Lecktuch. Dieses wird auf den Genitalien platziert und bildet eine Barriere zwischen Intimregion und Zunge. Wer kein Lecktuch zur Hand hat, kann ein Kondom mit einer Schere aufschneiden oder eine haushaltsübliche Frischhaltefolie als schützende Barriere verwenden.

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