Operative Therapien

Organtransplantation: Voraussetzungen und Ablauf

Als Organtransplantation wird die Entnahme von Organen und Geweben aus ihrem ursprünglichen Ort und die Verpflanzung an eine andere Stelle am eigenen Körper oder in den Körper eines anderen Menschen bezeichnet. Für den Organempfänger bedeutet das oft eine Verlängerung des eigenen Lebens, ist aber auch mit körperlichen Risiken und psychischer Belastung verbunden.

Organtransplantation
Ein Spenderorgan kann im Endstadium verschiedener Organerkrankungen die letzte Option zur Lebensverlängerung sein.
Getty Images/iStockphoto

Es gibt verschiedene Formen der Organtransplantation:

  • Werden Gewebe entnommen, um es an anderer Stelle am eigenen Körper einzupflanzen, spricht man von einer autologen Transplantation.

  • Werden die entnommenen Organe beziehungsweise Gewebe in den Körper eines anderen Menschen verpflanzt, handelt es sich um eine allogene Organtransplantation.

  • Die Organtransplantation zwischen Individuen verschiedener Arten, beispielsweise vom Schwein auf den Menschen, wird xenogene Transplantation genannt.

Die Organtransplantation unterliegt in Deutschland – wie auch die Organspende – dem Transplantationsgesetz (TPG).

Nieren werden besonders häufig verpflanzt

In Deutschland gibt es etwa 50 spezialisierte Transplantationszentren, in denen Organtransplantationen routinemäßig durchgeführt werden. Im Jahr 2016 wurden insgesamt rund 3.700 Organe verpflanzt, besonders häufig handelt es sich dabei um eine Niere, gefolgt von Leber, Lunge, Herz und Bauchspeicheldrüse. Seit der ersten Nierentransplantation in Deutschland im Jahr 1963 wurden bis 2016 rund 128.000 Organtransplantationen durchgeführt.

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Aktuell stehen rund 10.000 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation, viele von ihnen vergebens. Denn es stehen viel weniger Organe für eine Transplantation zur Verfügung als benötigt werden. Die Bereitschaft zur Organspende ist in den letzten Jahren immer mehr gesunken. Auf eine Million Bundesbürger kommen im Schnitt zehn, die ihre Organe nach dem Tod spenden. Nach dem Organspendeskandal im Jahr 2012 ist die Zahl der Spender drastisch eingebrochen.

Folgende Organe können nach einer Organspende auf einen anderen Menschen transplantiert werden:

  • Herz
  • Herzklappen
  • Leber
  • Lungen
  • Nieren
  • Bauchspeicheldrüse
  • Darm
  • Teile der Haut
  • Hornhaut der Augen
  • Gehörknöchelchen
  • Blutgefäße
  • Knochen- und Knorpelgewebe
  • Sehnen
  • Hirnhaut.

Selbst Transplantationen von Gesicht, der Gebärmutter oder des Penises wurden bereits durchgeführt, sind weltweit jedoch extrem selten.

Organtransplantation nur als Ultima Ratio

Die Verpflanzung der Organe geschieht, um kranke, funktionsschwache oder fehlende Organe zu ersetzen. Durchgeführt werden beispielsweise Verpflanzungen der eigenen Haut nach Verbrennungen sowie Herzklappen- oder Knochentransplantationen. Gängig ist die Transplantation von eigenen Blutgefäßen aus dem Bein als Ersatz für geschädigte Herzkranzgefäße.

Organspende ja oder nein?

Sat1

Im Endstadium verschiedener Erkrankungen von Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz oder Lunge ist eine Organtransplantation oft die einzige verbleibende Möglichkeit, das Leben des Betroffenen zu verlängern und Lebensqualität zurück zu gewinnen.

Bevor eine allogene Transplantation durchgeführt werden kann, muss der Betroffene verschiedene Kriterien erfüllen:

  • Die Erkrankung muss so schwer sein, dass sie einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen könnte oder bereits lebensbedrohlich ist.

  • Eine andere Behandlung, beispielsweise Medikamente oder eine Operation, verspricht keine Verbesserung des Gesundheitszustands.

  • Die Organtransplantation ermöglicht ein verlängertes Leben des Betroffenen bei besserer Lebensqualitätk die sonst nicht zu erreichen wäre.

  • Der Gesundheitszustand des Organempfängers muss stabil sein.

  • Der Betroffene muss auf einer Warteliste für ein Spenderorgan geführt werden.

Es muss ein Organspender zur Verfügung stehen, der entweder in einer Lebendspende (Niere oder Teile der Leber) oder nach seinem Tod ein passendes Organ zur Verfügung stellt. Dieses Organ muss möglichst gut zum Organismus des Empfängers passen. So müssen bei Organspender und Organempfänger beispielsweise die Blutgruppe übereinstimmen. Auch die Größe des Organs muss zum Empfänger passen.

Bei der autologen Transplantation wie einer Hauttransplantation nach einer Verbrennung wird dem Betroffenen eigene Haut von einer intakten Körperstelle entnommen und damit die geschädigte Stelle bedeckt. Es existieren spezielle Verfahren, mit denen die entnommene Haut auf ein Vielfaches ihrer eigentlichen Größe ausgedehnt werden kann. Somit lassen sich auch größere Wunden bedecken.

Die wichtigsten Fragen zur Organspende

Warten auf ein Spenderorgan

Bei der allogenen Transplantation wird der Empfänger sehr kurzfristig über die Verfügbarkeit eines passenden Organs informiert und muss sich dann rasch in ein Transplantationszentrum begeben, wo er für die Operation vorbereitet wird. Bei einer Herztransplantation wird zunächst das eigene, kranke Organ aus dem Körper entfernt, bevor das Spenderorgan eingesetzt wird.

Nach einer erfolgreichen Organtransplantation verbringt der Betroffene noch einige Zeit auf der Intensivstation, wo sein Gesundheitszustand überwacht wird und sich nach der Operation noch weitere Untersuchungen anschließen. Es folgt in der Regel eine Behandlung im Rehabilitationszentrum, bevor der Betroffene nach Hause entlassen wird.

Risiko Abstoßungsreaktion

Während es bei der autologen Transplantation in der Regel zu keinen Problemen kommt, da Organe des eigenen Körpers verpflanzt werden, kann die allogene Organtransplantation schweren Komplikationen hervorrufen.

Bei der Organtransplantation von einem Menschen auf einen anderen kann es zwischen dem Körper des Betroffenen und dem gespendeten Organ zu einer Unverträglichkeitsreaktion kommen. Das bedeutet, dass der Körper des Organempfängers das eingepflanzte Organ zerstört, da es aufgrund genetischer Unterschiede vom Körper als fremd erkannt wird. Dieser Vorgang wird Abstoßungsreaktion genannt. Je größer diese genetischen Unterschiede zwischen dem Organspender und dem Empfänger des Organs sind, desto stärker kann die Reaktion des Immunsystems ausfallen.

Bei der allogenen Organtransplantation muss der Empfänger des Organs daher nach erfolgreicher Operation ein Leben lang Medikamente einnehmen, womit das Risiko von Nebenwirkungen verbunden ist. Die Unterdrückung des Immunsystems ist zudem mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Tumoren verbunden.

Fremdes Organ belastet die Psyche

Eine Organtransplantation stellt für die Betroffenen eine besondere psychische Belastungssituation dar. Sowohl die Wartezeit auf ein passendes Spenderorgan als auch die Zeit kurz vor der Operation sowie die Phase nach der Verpflanzung sind mit Gefühlen wie Angst, Zweifel, Hoffnung oder Dankbarkeit verbunden. Die Stimmungslage kann schwanken und den Betroffenen in ein euphorisches Hoch oder ein emotionales Tief versetzen. Frisch transplantierte Menschen müssen lernen, mit dem Verlust des eigenen Organs umzugehen und das Spenderorgan zu akzeptieren. Eine psychologische Begleitung kann dabei helfen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. September 2017
Durch: es
Quellen: Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Köln: http://www.organspende-info.de (Stand: Mai 2017) Online-Informationen der Deutschen Stiftung Organtransplantationen (DSO), Frankfurt am Main: http://www.dso.de (Stand: Mai 2017) Deutsche Stiftung Organtransplantation: Jahresbericht Organspende und Transplantation in Deutschland 2016; Online-Informationen des Statistischen Bundesamtes, Bonn: http://www.gbe-bund.de (Stand: Mai 2017) Krukemeyer, M .G. und Lison, A. E. (Hrsg.). Transplantationsmedizin. Ein Leitfaden für den Praktiker. De Gruyter, Berlin 2006

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