Beworben als Potenzsteigerer und Fitmacher

Maca: Superfood oder Placebo?

Viele Menschen schwören auf die Wirkung von Maca-Pulver oder -Kapseln, sprechen von Superfood und pflanzlichem Heilmittel. Doch wirkt die peruanische Pflanze wirklich? Aussagekräftige Studien fehlen bisher.

maca pulver
Maca gilt als Superfood, in den Anden aber ist die Wurzel ein Grundnahrungsmittel. Vermischt man Maca-Pulver mit Milch, erhält man ein Getränk, das an Kakao erinnert.
© iStock.com/vainillaychile

In Supermärkten, Esoterik-Shops und auf vielen Internetseiten wird Maca als Superfood bejubelt. Pulver oder Kapseln sollen gegen alle möglichen Beschwerden helfen und das Leben nachhaltig verbessern. Manche sprechen davon, dass Maca-Pulver die sportliche Leistung erhöht, indem es den Muskelaufbau unterstützt. Andere behaupten, dass Maca-Kapseln Stress und Ängste reduzieren oder sogar gegen Rheuma helfen sollen. Vor allem aber soll Maca laut Werbung die Potenz und Libido bei Männern und Frauen steigern. Bewiesen sind diese Wirkungen jedoch nicht. Es gibt einzelne Studien dazu, die jedoch keinen wissenschaftlichen Standards entsprechen. Trotzdem schwören viele Menschen auf die Wirkung von Maca.

Im Überblick:

Lust auf Sex: Elf Wege, die Libido anzufachen

Was ist Maca?

Maca ist eine Wurzel, die aus den Anden stammt. Auf rund 4.000 Metern Höhe wird sie in Peru seit Jahrtausenden auf dem Vulkanboden als Nahrungs- und Heilpflanze angebaut. Die Pflanze gehört zur Familie der Kreuzblütler, zu der auch Kohlsorten wie Brokkoli oder Kohlrabi zählen. Maca wächst unscheinbar in flachen Matten auf dem steinigen Boden und wird nicht höher als 20 Zentimeter. Sie hält starke Winde, heftige Temperaturschwankungen und eine intensive UV-Strahlung aus.

Verwendet wird vor allem die dicke Wurzel der Maca. Sie ähnelt unserer Möhre, hat aber meist eine etwas weißlichere Farbe und ist etwas rundlicher. Peruaner verarbeiten die Knolle zu einem süßlichen Brei („Mazamorra“) oder trocknen und reiben sie, um sie lange haltbar zu machen. Die jungen Blätter der Maca werden roh als Salat oder gekocht als Gemüse gegessen. Selbst als Drink ist Maca beliebt, der einfach mit Maca-Pulver und heißem Wasser angerührt wird.

Maca-Knollen sind sehr nahrhaft und enthalten rund zehn Prozent Protein sowie viel Eisen, Jod, Kalzium und essentielle Aminosäuren. Die Werte schwanken jedoch von Sorte zu Sorte. Maca-Wurzeln gibt es in verschiedenen Farben von Schwarz und Violett bis Gelb. Am besten schmecken jedoch offenbar die hellen Maca-Knollen. Für viele Peruaner ist Maca ein Grundnahrungsmittel, das sie in großen Mengen zu sich nehmen.

Wirkung von Maca

In Peru wird Maca seit Jahrhunderten nicht nur als Grundnahrungsmittel, sondern auch als Heilpflanze eingesetzt. Sie soll das Immunsystem stimulieren, bei Wechseljahresbeschwerden helfen, das Gedächtnis verbessern und sexuelle Störungen beheben. Peruanische Heilkundler nutzen die Knolle bei Erkrankungen der Atemwege und bei Rheuma. Die spanischen Eroberer berichteten im 16. Jahrhundert begeistert, wie Maca ihren Pferden zu intensiverer Fortpflanzung verholfen habe.

Maca in den Wechseljahren

In der traditionellen peruanischen Pflanzenheilkunde galt Maca auch als Hilfsmittel gegen Wechseljahresbeschwerden. Das nehmen jetzt viele Firmen auf, die Nahrungsergänzungsmittel mit Maca-Knollen herstellen. Sie werben damit, dass Maca Stimmungsschwankungen und Hitzewallungen reduziert und während der Wechseljahre zu einem besseren Schlaf verhilft. Leichte Depressionen sollen gelindert werden und die Frauen durch die Einnahme von Maca eine positivere Stimmung bekommen. Außerdem soll das Maca-Pulver oder die Maca-Kapseln dafür sorgen, dass Betroffene wieder mehr Lust auf Sex bekommen.

Maca in der Werbung

In den vergangenen Jahren wurden auch nordamerikanische und europäische Firmen auf die Maca-Knolle aufmerksam. Sie vermarkteten die Wirkung, die Peruaner traditionell der Maca-Knolle zusprachen. So tauchten in den Supermärkten und in der Werbung Maca-Pulver, Maca-Kapseln, Maca-Tabletten und Maca-Extrakt auf. Versprochen wird ein ganzer Strauß von positiven Wirkungen: "Maca macht Lust auf Sex" heißt es, oder "Maca steigert die Libido" – und das bei Männern und Frauen gleichermaßen. Die Spermienqualität solle steigen und der ganze Körper mehr Energie bekommen. Außerdem solle Maca gegen Stress helfen und Ängste lindern. Als Grund für diese Wirkung geben viele Maca-Verkäufer an, dass die kleine Pflanze in den Anden ja schließlich auch unbekümmert mit widrigen Umständen klar kommt. Das solle sich auf den Menschen übertragen.

Wirkt Maca? Experten haben Zweifel

Es wurden inzwischen tatsächlich einige Studien gemacht, um die Wirkung von Maca zu belegen. Ihre Ergebnisse werden jedoch von den unterschiedlichen Interessensgruppen verschieden ausgelegt. Wer Maca-Pulver oder Maca-Kapseln verkaufen will, sieht sich durch die Studien bestätigt: Frauen berichteten darin über weniger Beschwerden in und nach den Wechseljahren. In einer anderen Studie erzählten Männer und Frauen von einer Steigerung ihrer sexuellen Lust. Diese insgesamt leicht positiven Effekte der Knolle zeigten sich auch, wenn die Betroffenen nicht wussten, ob sie ein Placebo (Kapsel ohne Wirkstoff) oder Maca bekommen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bemängelt jedoch, dass die Studien an einer zu kleinen Zahl von Probanden durchgeführt wurden, um allgemein gültige Aussagen zu treffen. Teilweise gab es nur acht oder 16 Teilnehmer. Zudem seien die Studien oft unzulänglich dokumentiert. In anderen Fällen beziehen sich Aussagen der Studien nur auf Tierversuche – ob diese Wirkungen jedoch auch beim Menschen zutreffen, bleibt unklar.

Sollte man lieber kein Maca einnehmen?

Ob beim Einnehmen von Maca unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können, habe keine der Studien beantwortet, sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Andererseits essen die Peruaner sehr viel größere Mengen von Maca, als in den europäischen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist. Würde das Maca-Pulver bedenkliche Nebenwirkungen hervorrufen, hätten diese in Peru auffallen müssen.

Eine große randomisierte Doppelblind-Studie könnte hier Erhellung bringen. Solche umfangreich angelegten Studien sind jedoch sehr aufwändig und teuer und werden deshalb bei Nahrungsergänzungsmitteln selten in Auftrag gegeben. So bleibt weiterhin offen, ob berichtete positive Wirkungen von Maca auf dem Placebo-Effekt beruhen oder tatsächlich auf den Inhaltsstoffen der peruanischen Pflanze. Hinzu kommt noch, dass Maca nicht nur in verschiedenen Gebieten in Peru, sondern auch in China angebaut wird. Wo genau die genügsame Pflanze wächst, hat jedoch auch Auswirkung auf ihre Inhaltsstoffe. Deshalb lässt sich über ihre Wirksamkeit keine Aussage treffen.

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