Beruhigungsmittel für Magen, Darm und Psyche

Lavendel: So wirkt die Heilpflanze gegen Unruhe und Stress

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) wird seit Jahrhunderten gegen Schlafstörungen, nervöse Verdauungsbeschwerden, Angst- und Unruhezustände eingesetzt. Alles über Wirkung und Anwendung der Arzneipflanze des Jahres 2020.

Lavendel
Ob als Tee, Öl oder Badezusatz: Lavendel trägt zu innerer Ruhe und Entspannung bei.
© iStock.com/ChamilleWhite

Der im Mittelmeerraum heimische Echte Lavendel ist für seinen intensiven Duft bekannt. Sein Name stammt vom lateinischen Wort "lavare" (waschen) ab und verweist auf seine früh verbreitete Verwendung als Badezusatz. Doch die Pflanze kann mehr: Die in ihren Blüten enthaltenen ätherischen Öle wirken in Tee, Öl oder Badewasser gegen Einschlafstörungen, Unruhezustände und Bauchbeschwerden. Im Volksmund wird sie daher auch "Nervenkraut" genannt.

Artikelinhalte im Überblick

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Was ist Lavendel?

Lavendel gehört zur Familie der Lippenblütler. Es gibt über 30 verschiedene Lavendelarten, unter denen eine durch ganz charakteristische Inhaltsstoffe im ätherischen Öl hervorsticht: der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia). Dieser immergrüne, mehrjährige Halbstrauch wird 30 bis 70 Zentimeter hoch und war ursprünglich vor allem im Mittelmeerraum anzutreffen – heute kultiviert man die Heilpflanze weltweit.

Seine violetten und stark duftenden Blüten entfalten ihre Pracht zwischen Mai und September. Medizinisch verwendet werden die kurz vor dem Aufblühen geernteten Blüten samt Blütenkelche und das daraus gewonnene ätherische Öl. Die darin enthaltenen Substanzen Linalool und Linalylacetat sowie die in den Blüten enthaltenden Gerbstoffe wirken sich positiv auf Schlaf und Psyche aus.

Aufgrund seines intensiven Duftes kommt Lavendel bereits seit dem 17. Jahrhundert in Parfüms zum Einsatz. Im Kleiderschrank hält der Geruch Motten fern, im Garten soll er die Blattläuse auf benachbarten Pflanzen vertreiben. Als zugelassenes Arzneimittel wird er gegen Angst, Unruhe und Erschöpfung eingesetzt.

Wogegen wirkt Lavendel?

Lavendel wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, krampflösend, beruhigend und blähungstreibend. Deshalb kommt er besonders in folgenden Situationen zum Einsatz:

  • Stress und Erschöpfung

  • Schlafstörungen

  • innere Unruhe

  • leichte Angstzustände

  • depressive Verstimmungen

  • funktionelle Oberbauchbeschwerden (wie funktionelle Dyspepsie, Roemheld-Syndrom, Meteorismus, Reizdarmsyndrom, Blähungen)

  • funktionelle Kreislaufstörungen

Wie wird Lavendel angewendet und dosiert?

Lavendel kann sowohl äußerlich als auch innerlich angewendet werden. Für die äußerliche Anwendung werden 10 bis 100 Gramm getrocknete Lavendelblüten oder 1 bis 3 Gramm Lavendelöl in ein Vollbad gegeben. Das Bad selbst sollte 10 bis maximal 20 Minuten dauern.

Die innere Anwendung erfolgt mit 1 bis 4 Tropfen Lavendelöl, die auf ein Stück Zucker oder in Wasser eingenommen werden. Für einen Lavendeltee werden 1 bis 2 Gramm Lavendelblüten mit 150 Milliliter heißem (nicht kochendem!) Wasser übergossen und nach 5 bis 10 Minuten Ziehzeit abgeseiht. Sowohl das Öl als auch der Tee können von Jugendlichen und Erwachsenen mehrmals täglich angewendet werden.

Kann Lavendel Nebenwirkungen haben?

Ätherische Öle sollten nie bei Säuglingen und nie im Bereich der Augen angewendet werden – genau wie bei Asthmatikern besteht hier ein Risiko für das Auftreten von Atemwegsverengungen. Für eine Anwendung von Lavendel bei Kindern unter 12 Jahren sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch zu wenige Untersuchungen vor, der Einsatz wird hier daher nicht empfohlen.

In einigen Fällen kann es zu einer allergischen Reaktion auf Lavendel kommen. Vor der Anwendung von Lavendelöl empfiehlt sich daher der Armbeugentest, bei dem ein Tropfen des ätherischen Öls in der Armbeuge verrieben wird. Kommt es in den Stunden danach zu Juckreiz und Hautrötungen, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Allergie vor. Da ätherische Öle Haut und Schleimhaut reizen können, sollten sie grundsätzlich nur verdünnt angewendet werden.

Wer unter offenen Wunden, Haut­erkrankungen, Fieber, Kreislauf­beschwerden oder Herz­insuffizienz leidet, sollte von Vollbädern Abstand nehmen. Innerlich angewendet (beispielsweise in Form von Öl, Kapseln oder Tabletten), kann Lavendel vorübergehend Aufstoßen, Übelkeit und Blähungen auslösen.

Grundsätzlich sollte die Anwendung von Lavendel als Tee, Öl oder Badezusatz immer im Vorfeld mit einem Arzt oder Apotheker besprochen werden.

Wo Lavendel kaufen?

Die Heilpflanze kann in Drogerien, Apotheken und im Online-Handel in Form von Tee, Öl, Tinktur, Kapseln oder Badezusatz erworben werden. Daneben findet man das ätherische Öl als Zusatz in Parfüms, Seifen, Duftölen, Hautpflegeprodukten, Kräuterkissen sowie in Putz- oder Waschmitteln. Auch in zahlreichen Cremes, Lotionen und Shampoos ist Lavendel enthalten. Die richtige Anwendung und Dosierung der Präparate verraten die jeweilige Packungsbeilage oder der Arzt oder Apotheker.

Lavendelöl selber machen

Möchte man Lavendelöl für medizinische Zwecke nutzen, empfiehlt sich der Kauf qualitativ hochwertiger Öle in der Apotheke oder im Fachhandel. Für den Einsatz als Massageöl, Raumduft oder Badezusatz lässt sich ein einfaches Lavendelöl allerdings auch selber herstellen – dieses enthält jedoch wesentlich weniger ätherische Öle als die medizinisch wirksame Variante.

Für die Herstellung eines einfachen Lavendelöls werden frische oder getrocknete Blüten, Zweige und Blätter leicht zerrieben, locker in ein verschließbares Gefäß gefüllt und mit einem möglichst geruchsneutralen Oliven-, Distel-, oder Mandelöl aufgegossen. Anschließend muss die Mischung mindestens einen Monat lang an einem warmen Ort ziehen und dabei täglich leicht geschüttelt werden. Danach wird das Öl durch ein sauberes Tuch gefiltert und von den Pflanzenbestandteilen befreit.

Das fertige Lavendelöl sollte an einem kühlen und lichtgeschützten Ort und unbedingt in Glasflaschen gelagert werden, weil es mit Kunststoff und Metall chemisch reagieren kann.


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Frau Dr. med. Jessica Männel

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