Die Heilkraft der Knospen

Gemmotherapie – Anwendung und Wirkung der 20 Extrakte

Was ist die Gemmotherapie und wie funktioniert ihre Anwendung? Diese noch junge Naturmedizin nutzt von 20 ausgewählten Pflanzen ausschließlich die Knospen – weil darin besonders viele wertvolle Pflanzenstoffe stecken. Gemmotherapie eignet sich vor allem gegen Stress, Allergien und Gelenkbeschwerden.

gemmo-extrakt heckenrose
Die Gemmotherapie verwendet Knospen und Triebe von Pflanzen und Bäumen. Die der Heckenrose sollen bei Erkältung hilfreich sein.
iStock

Knospen haben es in sich: Wer schon mal beobachten konnte, wie sich aus einer winzigen Triebspitze eine Blüte mit Dutzenden von Blättern entfaltet, bekommt einen Eindruck davon, wie viel Energie in Knospen steckt. Knospen und Triebe werden deshalb schon seit Jahrhunderten genutzt, etwa als Gewürz wie Kapern oder Nelken, aber auch zu Heilzwecken.

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So waren etwa die Knospen der Eiche, zerdrückt und verrührt mit Bärenfett, bereits vor 2.000 Jahren ein beliebtes Haarwuchsmittel. Auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und später Hildegard von Bingen (1089 bis 1179) setzten unter anderem auf Knospen und Triebe.

Gemmotherapie: Frischzellenkur mit Pflanzen-Extrakt

Die eigentliche Knospen- oder Gemmotherapie (vom lateinischen Wort Gemma für Knospe), eine Spezialform der Phytotherapie, entwickelte jedoch der belgische Arzt Pol Henry (1918 bis 1988) in den 50er Jahren. Analog zur damals beliebten Frischzellenkur mit Zellpräparaten von Tieren wollte er eine solche Behandlungsform aus möglichst jungen, potenten Pflanzenzellen schaffen – eben den Knospen. Er untersuchte, welche Inhaltsstoffe in den Knospen bestimmter Pflanzen stecken. Dabei entdeckte der Arzt vor allem folgende Vitalstoffe in beachtlicher Konzentration:

  • Polyphenole – dazu gehören auch die Flavonoide. Diese Antioxidantien schützen den Körper vor freien Radikalen.

  • Enzyme – unterstützen nicht nur den Stoffwechsel, sondern helfen auch dabei, Giftstoffe abzubauen.

  • Isoflavone – wirken ähnlich wie Östrogen, jedoch sehr milde.

  • Ätherische Öle – enthalten wiederum hochwirksame Flavonoide und Terpene (wirken gegen Entzündung und Schmerz).

  • Bitterstoffe – regen die Verdauung an.

  • Chlorophyll – der natürliche, grüne Farbstoff fördert den Stoffwechsel.

  • Vitamine – schützen Zellen, unterstützen das Immunsystem und helfen bei der Entgiftung.

Doch nicht jede Pflanze kann in diesem Zusammenhang verwendet werden. Nach Pol Henry sind es vor allem 20 Pflanzen, deren Knospen und Triebe über eine hohe Konzentration wertvoller Substanzen in unterschiedlicher Kombination verfügen.

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Lifeline/Wochit

Die 20 Gemmo-Extrakte und ihre Wirkungen

Aus den Knospen dieser ausgewählten Pflanzen werden die 20 Gemmo-Extrakte hergestellt, die gemäß ihrer Inhaltsstoffe gegen unterschiedliche Beschwerden wirken sollen. Die Tabelle nennt die Pflanzen und bei welchen Beschwerden sie sich bewährt haben.

Gemmo-Extrakt Anwendungsgebiete
Edeltanne (Abies
pectinata
)
Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung und Husten
Eiche (Quercus pedunculata) kräftigt bei Schwäche und Erschöpfung, soll die Potenz anregen
Esche (Fraxinus excelsior) stärkt die Nieren, unterstützt die Entgiftung
Esskastanie (Castanea Vesca) regt den Lymphfluss an, entgiftet
Feigenbaum (Ficus carica) entspannt und beruhigt, wirkt gegen Stress
Hasel (Corylus avellana) kräftigt Lunge und Leber, sinnvoll bei chronischen Atemwegserkrankungen
Heckenrose (Rosa canina) wirkt gegen Entzündungen, stärkt das Immunsystem und deshalb ideal bei Erkältungen
Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) gegen Harnwegsinfekte (Blasenentzündung), außerdem sinnvoll bei Diabetes
Himbeere (Rubus idaeus) bei Menstruationsbeschwerden
Mammutbaum (Sequoia gigantea) gegen Erschöpfung und Burnout
Olivenbaum (Olea europaea) sinnvoll bei Bluthochdruck und zu hohem Cholesterinspiegel
Preiselbeere (Vaccinium vitis idaea) stärkt die Knochen bei Osteoporose, bewährt bei Wechseljahrsbeschwerden
Rosmarin (Rosmarinus officinalis) unterstützt Leber und Galle
Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) gegen Allergien und Hauterkrankungen
Silberbirke (Betula linfa) zur Entgiftung, bei Rheuma und Arthrose
Silberlinde (Tilia tomentosa) bei Nervosität und Unruhe
Wacholder (Juniperus communis) zur Stärkung von Leber und Nieren
Walnussbaum (Juglans regia) gegen Pickel und Akne, unterstützt die Bauchspeicheldrüse
Weinrebe (Vitis vinifera) bei chronischen Entzündungen
Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) stärkt Bronchien und Lunge

Erfahrungen mit Gemmotherapie

Wissenschaftliche Beweise, dass die Gemmotherapie wirkt, fehlen bislang noch. Viele Heilpraktiker und Naturheilkundler setzen dennoch auf die Knospenbehandlung, weil es dazu überwiegend gute Erfahrungen gibt.

Mit Gemmotherapie lässt sich in vielen Fällen die schuldmedizinische Behandlung sinnvoll ergänzen. Vor allem im Bereich der Stärkung und bei chronischen Krankheiten haben Gemmo-Extrakte ihren Platz, etwa bei einer Neigung zu Bronchitis oder Nasennebenhöhlenentzündung, Leberschwäche oder Gallenproblemen.

Gemmotherapie – Kosten und Anwendung der Knospen-Kur

Gemmo-Extrakte werden mit Wasser gemischt und dann zweimal täglich eingenommen. Mischen Sie dabei zwei Milliliter Gemmo-Extrakt mit 200 Milliliter Wasser. Manche Gemmo-Extrakte werden auch als Sprühstoß in den Mund angewendet. Dann werden die Wirkstoffe über die Mundschleimhaut resorbiert.

Es lassen sich je nach Beschwerdebild, auch bis zu drei Extrakte miteinander kombinieren. Vor allem bei chronischen Erkrankungen können die Gemmo-Extrakte auch als Kur bis zu zwölf Wochen eingenommen werden.

Gemmo-Extrakte enthalten etwa 18 bis 33 Volumenprozent Alkohol, aber keine Farbstoffe oder sonstige Konservierungsmittel. Die Gemmo-Tropfen und -Sprays gibt es in Apotheken, sie kosten jeweils rund 20 Euro.

Buchtipp: Mehr zur Gemmotherapie finden Sie im Ratgeber "Gemmotherapie. Heilen mit Knospen" von  Kathrin Koll/Ulrike Keim/Angelika Wagner-Bertram (Gräfe und Unzer Verlag 2015, ISBN 978-3-8338-4133-0).

Autor:
Letzte Aktualisierung: 04. November 2015

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