Schädliche Muster durchbrechen

Feldenkrais: Körperschule für bessere Bewegungen

Die Feldenkrais-Methode ist weniger ein Therapieverfahren als vielmehr eine körperorientierte Lernmethode und Bewegungsschule. Menschen lernen dabei, ihren Körper zu beobachten und sich auf eine neue Art und Weise zu bewegen.

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Nicht nur Musikern helfen Feldenkrais-Übungen, falsch ausgeführte Bewegungen und Körperhaltungen zu erkennen und gesündere Bewegungen zu erlernen.
© iStock.com/b2dare

In Übungsstunden oder Einzelsitzungen spüren sie ungünstige Bewegungsmuster auf und ersetzen diese durch effektivere. So sollen sich verschiedenste Beschwerden auf körperlicher und auch psychischer Ebene lindern lassen.

Was ist die Feldenkrais-Methode und wie wirkt sie?

Dem Begründer, dem israelischen Physiker, Ingenieur und Judolehrer Moshé Feldenkrais, ging es darum, dass Menschen lernen, für sie ungünstige Bewegungsmuster aufzuspüren und zu verändern.

In seiner Methode, die er seit den 1940er Jahren entwickelt und gelehrt hat, flossen nicht nur Wissen über physiologische Vorgänge im Körper und Erfahrungen aus manueller Therapie und Bewegungstherapie ein, sondern auch Erkenntnisse aus der Neurologie und Hirnforschung.

Er ging davon aus, dass das Gehirn des Menschen sich durch das Lernen verändern kann und die Motorik dabei eine große Rolle spielt.

Wahrnehmung schulen, Routinebewegungen "umprogrammieren"

Er entdeckte, dass eine veränderte Körperhaltung beziehungsweise Bewegung Ausdruck von körperlichen oder psychischen Beschwerden sein kann. Wer zum Beispiel Schmerzen hat durch Fehlhaltungen oder nach einem Unfall, meidet bestimmte Bewegungsabläufe, weil er fürchtet, dadurch noch mehr Beschwerden zu bekommen.

Auch bei Gesunden schleichen sich auf Dauer viele unbewusste Bewegungsmuster ein, durch die einzelne Muskeln unterfordert werden, andere aber unter ständiger Spannung stehen.

Das Ziel von Feldenkrais ist es, die Wahrnehmung für den eigen Körper zu schulen und quasi das Gehirn umzuprogrammieren. Behandelte sollen erkennen, dass es neben den jahrelang ausgeführten Routinebewegungen auch andere Möglichkeiten gibt, die bisher ungenutzt waren.

Was bei Feldenkrais-Training gemacht wird

Die Feldenkrais-Methode ist nicht vergleichbar mit üblichen physiotherapeutischen Techniken und Therapien. Sie ist kein klassisches Entspannungsverfahren, auch wenn sie manchmal als solche angeboten wird. Und sie setzt nicht auf eine Kräftigung von Muskelgruppen oder  Dehnung von verspannten Muskelpartien.

Jedes Detail ist wichtig

Die Feldenkrais-Methode basiert vielmehr auf ganz einfachen Bewegungen, die der Übende entspannt und ohne Kraftaufwand ausführt. Das kann das Heben des Kopfes sein, das Drehen des Körpers im Liegen von einer auf die andere Seite, das Rollen über den Boden oder auch das einfache Gehen.

Dabei sollen die Schüler beobachten, was genau passiert: Wie schnell oder wie langsam wird eine Bewegung ausgeführt? Welche einzelnen Bewegungen sind dafür nötig? Wie schwer oder wie leicht gehen diese vonstatten? Wo gibt es Hindernisse, was passiert noch im Körper?

Ziel dieser Übungen ist es, seinen Körper bewusst wahrzunehmen und herauszufinden, auf welche Art sich eine Bewegung besonders einfach und schonend ausführen lässt.

Körperschule in Einzelsitzung oder Gruppenstunde

Für die Feldenkrais-Methode gibt es zwei verschiedene Techniken. In einer Einzelsitzung liegt die Person, die behandelt wird, auf einer Liege. Der Feldenkrais-Lehrer (oder Therapeut) führt einzelne sanfte Bewegungen zum Beispiel der Gliedmaßen und Gelenke oder Körperdrehungen aus.

Der Patient konzentriert sich einzig auf seine Körperwahrnehmung und spürt in Details der Bewegungen hinein. Diese Technik wird auch funktionale Integration oder nonverbales Verfahren genannt, weil die Einzelsitzung in der Regel ohne Worte stattfindet.

In Gruppensitzungen führt der Lehrer durch eine Reihe zunächst kleinerer Übungen hindurch und gibt dabei Hinweise, auf welche Details der Bewegung die Übenden achten sollen. Zum Ende einer Übungsstunde fügen sich die einzelnen Bewegungen häufig zu einer Gesamtbewegung zusammen. Diese kann dann meist schon nach einer Sitzung anders, nämlich leichter und mit geringerem Körpereinsatz, ausgeführt werden.

Mit etwas Routine lässt sich Feldenkrais auch zu Hause anwenden. Anfänger sollten die Methode jedoch zunächst in einem geführten Kurs oder Einzelsitzungen erlernen. Bei der Auswahl des Lehrers sollte man auf eine anerkannte Ausbildung achten, die nach internationalen Richtlinien erfolgt.

Wofür wird Feldenkrais eingesetzt und für wen ist es geeignet?

Feldenkrais versteht sich als Bewegungsschule und ist keine Therapie im eigentlichen Sinne. Es ist ein ergänzendes Verfahren, welches auf einer bewussten Bewegungs- und Haltungswahrnehmung basiert. Es wird im Umfeld von Entspannungstherapien, Psychotherapie und Physiotherapie angeboten.

Chronische Schmerzpatienten oder Menschen mit psychosomatischen Beschwerden können von Feldenkrais-Übungen als ergänzender Behandlungsmöglichkeit profitieren. Grundsätzlich eignet es sich nicht als als alleinige Therapie, sondern sollte mit anderen Behandlungsmethoden kombiniert werden.

Genutzt wird das Verfahren in der Rehabilitation und um Menschen einen besseren Zugang zu ihrem eigenen Körper zu ermöglichen, zum Beispiel

  • bei Multipler Sklerose
  • bei chronischen Nacken-, Schulter-, Rücken- und Hüftschmerzen
  • nach Unfällen
  • bei psychosomatischen Beschwerden (wie Migräne, Kopfschmerzen, Tinnitus)
  • neurologischen Störungen
  • um einseitigen oder stressbedingten Belastungen vorzubeugen
  • um Stress abzubauen
  • um generell die Lebensqualität zu steigern, zum Beispiel in der Altenpflege

Für die Teilnahme am Feldenkrais-Unterricht sind keine körperlichen Voraussetzungen nötig, die Übungen können in jedem Alter ausgeführt werden. Auch Kinder mit Wahrnehmungsstörungen, Aufmerksamkeitsdefiziten oder Entwicklungsverzögerungen können von Feldenkrais-Übungen profitieren.

Sportlern, Schauspielern, Tänzern und Musikern hilft die Methode, eigene, fehlerhafte Muster bei teilweise sehr spezialisierten feinmotorischen Bewegungen zu erkennen. Sie kommen durch die Feldenkrais-Methode nicht nur zu einer verfeinerter Körper- und Eigenwahrnehmung, sondern können eigene Bewegungsabläufe effektiver gestalten. Daneben werden berufsbedingte Beschwerden vermindert oder ganz ausgeschaltet.

Da beim Feldenkrais-Verfahren auch psychische Effekte bewusst ausgelöst werden können, ist bei entsprechend veranlagten Menschen oder Patienten (zum Beispiel mit Psychosen, ausgeprägten Depressionen, akuten psychischen Krisen, bei Alkohol- und Drogenmissbrauch) Vorsicht geboten.

Was kostet Feldenkrais-Unterricht?

Feldenkrais-Gruppenunterricht kostet üblicherweise zehn bis 15 Euro je Stunde, für Einzelstunden muss man etwa mit 50 bis 80 Euro rechnen.

Von den Krankenkassen werden die Kosten für Feldenkrais-Einzelsitzungen oder -Gruppenunterricht in der Regel nicht erstattet. Manche Kassen übernehmen einen Teil der Kosten im Rahmen von Präventionsprogrammen. Dafür sind jedoch bestimmte Voraussetzungen wie der Nachweis einer anerkannten Ausbildung und eine Mindestanzahl an absolvierten Stunden durch den Teilnehmer nötig.

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