Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung

Die Reanimation (Herz-Lungen-Wiederbelebung) durchführen

Bei einer bewusstlosen Person ohne Atmung und weitere Lebenszeichen liegt ein Herzstillstand vor. Nur durch eine richtig ausgeführte Reanimation besteht die Chance auf ein Überleben des Betroffenen.

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Durch die Reanimation gewinnt der Körper überlebenswichtige Minuten, bis der Notarzt eintrifft.
(c) Stockbyte

Mit dem Erscheinen der neuen Leitlinien zur Herz-Lungen-Wiederbelebung des European Resuscitation Council (ERC) ändern sich für medizinisches Personal aus Rettungsdiensten  und Krankenhaus die Behandlungsrichtlinien bei einem akuten Herzstillstand. Aber auch für Laien, die jederzeit zu Ersthelfern werden könnten, gibt es neue Empfehlungen.

Nach vielen Änderungen und teils großer Verwirrung für die Teilnehmer von Erste-Hilfe-Kursen gibt es eine gute Nachricht: Es bleibt alles gleich – zumindest bei der Erstversorgung.

Bewusstlose Person – was muss ich tun?

Sie haben beim Betroffenen keine oder eine nicht normale Atmung festgestellt? Ferner haben Sie den Notruf schon abgesetzt oder einen anderen Helfer aufgefordert, dies zu tun? Dann müssen Sie schnellstmöglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen.

Als Regel gilt (im Wechsel) auch nach den neuen Leitlinien (ERC) weiterhin:

  • 30 x drücken (dreißig Brustkorbkompressionen) und
  • 2 x beatmen (zwei Beatmungen)
Mögliche Ursachen von Herzrhythmusstörungen

Dr. Heart / Expertenteam

"Drücken geht immer": 30 Brustkorbkompressionen

  • Der Betroffene muss auf dem Rücken liegen.
  • Knien Sie neben dem Betroffenen und machen Sie seinen Oberkörper frei.
  • Platzieren Sie eine ihrer Hände mit dem Ballen in der Mitte des Brustkorbes! Die zweite Hand wird auf die erste aufgelegt.
  • Drücken Sie nun senkrecht von oben und mit durchgestreckten Armen fünf bis sechs Zentimeter tief.
  • Wenn Sie zwei Mal pro Sekunde drücken, erreichen Sie die erforderliche Frequenz von 100 bis 120 pro Minute. Als Hilfestellung: das ist in etwa der Rhythmuzs des Bee-Gees-Songs "Stayin' alive"
  • Nach 30 Kompressionen wechseln Sie zur Beatmung.

"Wenn zumutbar": Zwei Mund-zu-Mund-Beatmungen

Für die Beatmung verschließen Sie mit Daumen und Zeigefinger die Nase des Betroffenen. Dann atmen Sie normal ein, umschließen mit Ihren Lippen den Mund des Betroffenen und beatmen ihn gleichmäßig etwa eine Sekunde lang. Nach dem Zurücksinken des Brustkorbes führen Sie die zweite Beatmung durch. Zwischen den Beatmungen halten Sie die Überstreckung des Kopfes bei.

Es sollen immer nur zwei Beatmungsversuche durchgeführt werden, bevor wieder mit den Brustkorbkompressionen begonnen wird. Ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung aufgrund von Verletzungen nicht möglich, kann alternativ eine Mund-zu-Nase-Beatmung angewendet werden. Dafür muss mit einer Hand der Mund geschlossen und mit den Lippen die Nase des Verletzten umschlossen werden.

Beenden Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung erst dann, wenn der Betroffene wieder von selbst normal atmet oder Sie ihn an das Rettungsdienstpersonal übergeben können. Sind weitere Helfer da, wechseln Sie sich mit diesen ab.

Überlebensrate nach Herzstillstand: Wie erfolgreich ist die Reanimation?

Leider funktioniert eine Wiederbelebung nicht wie im Fernsehen. Dort sind die Maßnahmen der Schauspieler binnen Sekunden erfolgreich. Im wirklichen Leben sieht das ganz anders aus. Eine Reanimation dient einzig dem Gewinn von Zeit, denn die Ursachen für den Herz-Kreislauf-Stillstand lassen sich durch Beatmen und Herzdruckmassage nicht rückgängig machen. Dazu zählen beispielsweise ein Verschluss in einem Gefäß am Herzen, eine schwere Herzrhythmusstörung oder gar ein Herzstillstand.

Die Reanimationsmaßnahmen verlängern das Zeitfenster, in dem die späteren Maßnahmen von Rettungsdienst und Notarzt noch zum Erfolg führen können, ohne dass ein Sauerstoffmangel im Gehirn bleibende Schäden hinterlässt. Mit jeder Minute ohne Wiederbelebung sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent.

Herzdruckmassage ist wichtigste Maßnahme

In einer Notfallsituation sollten Sie sofort und entschlossen handeln und unverzüglich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Aktuelle Studien der American Heart Association (AHA) zeigen, dass die Herzdruckmassage bei der Wiederbelebung die wichtigste Funktion übernimmt. Diese ist auch deutlich leichter durchzuführen als eine Beatmung, welche viele Ersthelfer abschreckt, die deswegen gar nicht erst mit der Wiederbelebung beginnen.

Tempo und Drucktiefe der Herzmassage entscheidend

Darum kann die Reanimation von ungeübten Helfern oder wenn die Situation als unzumutbar zu bewerten ist, ohne Beatmung durchgeführt werden. Dann wird nicht mehr im Verhältnis 30:2 gedrückt und beatmet, sondern die Herzdruckmassage ununterbrochen ausgeführt. Bei mehreren Helfern sollte regelmäßig gewechselt werden. Es gilt die Regel "Push hard - Push fast", die verdeutlicht, wie wichtig das hohe Tempo von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute und die Drucktiefe von fünf bis sechs Zentimetern ist.

Eine Reanimation dauert für den Ersthelfer mindestens zwölf Minuten, bis der Rettungsdienst eintrifft, und kann unter besonderen Umständen, wie bei niedriger Körpertemperatur oder jungen Betroffenen, die Stundenmarke deutlich übersteigen.

Reanimation (Wiederbelebung)
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