Biofeedback: Unbewusste Körperfunktionen wahrnehmen und steuern

Beim Biofeedback werden unbewusste körperliche Prozesse mit technischen Hilfsmitteln optisch oder akustisch zurückgemeldet. Durch die verbesserte Wahrnehmung sollen Betroffene bestimmte Körperfunktionen (wieder) beeinflussen können – zum Einsatz kommt Biofeedback bei chronischen Schmerzen, Stress oder Inkontinenz.

Biofeedback
Biofeedback setzt auf die Heilung des Körpers mithilfe der Psyche.
©iStock.com/JodiJacobson

Da Körper und Psyche des Menschen zusammenhängen, können körperliche Funktionen durch psychische Prozesse beeinflusst werden. Mittlerweile gibt es Geräte, mit deren Hilfe Körperfunktionen wie Herzschlag, Muskelspannung oder Körpertemperatur erfasst und über einen Computer hör- und/oder sichtbar gemacht werden. Die verschiedenen Körpervorgänge werden dem Betroffenen dadurch bewusst gemacht (Biofeedback), er gewinnt die Möglichkeit zur Beeinflussung.

Artikelinhalte im Überblick:

Entspannungstechniken im Überblick

Wofür wird Biofeedback eingesetzt?

Alle Körperfunktionen, die elektrisch messbar sind, lassen sich durch Biofeedback beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise

  • Muskelspannung

  • Hautleitfähigkeit

  • Hauttemperatur

  • Arteriendurchmesser der Schläfenarterie

  • Atemfrequenz und Atemtiefe

  • Blutdruck

  • Fingerpuls

  • Herzrate

  • Schweißdrüsenaktivität

Bei einer Sonderform des Biofeedbacks, dem sogenannten Neurofeedback, werden dem Betroffenen sogar ausgewählte Parameter der eigenen Gehirnaktivität wahrnehmbar gemacht.

Alle oben genannten Körpervorgänge lassen sich durch Biofeedback wahrnehmbar und damit beeinflussbar machen – so können genau jene physiologischen Prozesse verändert werden, die für bestimmte Krankheiten relevant sind. Biofeedback kommt unter anderem bei folgenden Erkrankungen zum Einsatz:

Neurofeedback wird vor allem bei Erkrankungen, denen eine Fehlregulierung der Gehirnfunktion zugrundeliegt, eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise

Wie läuft die Biofeedback-Therapie ab?

Zu Beginn einer Biofeedback-Sitzung schließt der Therapeut den Patienten an ein Gerät an. Dazu befestigt er spezielle Sensoren am Körper, welche beispielsweise Puls, Blutdruck, Atemfrequenz oder Körpertemperatur erfassen. Die gemessenen Werte werden dem Betroffenen auf einem Monitor oder über ein akustisches Signal zurückgemeldet. So wird beispielsweise sichtbar, wie Blutdruck und Atemfrequenz sich bei der Erinnerung an eine Stresssituation erhöhen. Im nächsten Schritt lernt der Betreffende dann, die gemessenen Parameter willentlich zu beeinflussen – zum Beispiel durch Entspannungsübungen.

Durch regelmäßige Übung soll der Betroffene lernen, seine Körperfunktionen und sein Verhalten zu steuern und Defizite wie Konzentrationsstörungen oder chronische Schmerzen auszugleichen. Im Rahmen der Biofeedback-Therapie kann er so effektive Strategien entwickeln, um die Störungen auch im Alltag zu bewältigen.  

Biofeedback-Training kann sowohl in der ärztlichen oder therapeutischen Praxis als auch zu Hause durchgeführt werden. Für zu Hause gibt es tragbare Geräte, die nach Einarbeitung an Betroffene ausgeliehen werden, sodass diese zum Beispiel in Belastungssituationen oder abends vor dem Einschlafen Entspannungstrainings durchführen können. Auch für den Aufbau der Beckenbodenmuskulatur bei Inkontinenz-Betroffenen sind diese Geräte sehr gut geeignet.

Stationäre Biofeedback-Geräte in der ärztlichen oder therapeutischen Praxis machen die gleichzeitige Erfassung verschiedenster Körpersignale und deren Darstellung auf einem Bildschirm möglich. Erst hierdurch wird es möglich, das Zusammenwirken verschiedener physiologischer Prozesse zu demonstrieren und zu erkennen, in welchen Körperbereichen ungewöhnliche physiologische Reaktionsmuster vorliegen.

Biofeedback: Risiken und Nebenwirkungen

Biofeedback setzt auf die Körperwahrnehmung des Betroffenen – und erfordert damit unbedingt seine Mitarbeit. Es wird mit nicht invasiven Messgeräten durchgeführt, birgt daher keine besonderen Risiken und ist auch für Kinder oder Schwangere geeignet.

Wird Neurofeedback nicht korrekt durchgeführt, kann eine unangepasste Aktivierung ausgelöst werden, die sich beispielsweise in Erregtheit, Angstzuständen, Benommenheit oder Schlafstörungen äußert. Eine Neurofeedback-Therapie sollte daher ausschließlich von ausgebildetem Fachpersonal durchgeführt werden.

Kosten und Erstattung durch die Krankenkassen

Biofeedback ist eine IGeL-Leistung und muss selbst bezahlt werden. Die Kosten liegen bei 50 bis 120 Euro pro Sitzung. Bei bestimmten Indikationen, zum Beispiel bei Migräne, übernehmen gesetzliche Krankenkassen jedoch die Kosten für das Biofeedback-Training, wenn es im Rahmen einer Schmerztherapie oder Verhaltenstherapie erfolgt. Vor dem Start der Behandlung sollten Betroffene bei der Krankenkasse nachfragen.

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