Endoprothesen

Bandscheibenprothese

Eine Bandscheibenprothese ist eine künstliche Bandscheibe, die eingesetzt werden kann, wenn nach Bandscheibenvorfall der vorgefallene Teil der Bandscheibe operativ entfernt wird.

Bandscheibenprothese
Wenn andere Therapiemethoden bei Bandscheibenvorfall nicht fruchten, kann der Einsatz einer Bandscheibenprothese eine Option darstellen.
PantherMedia / Detlef Krieger

Das Einsetzen einer Bandscheibenprothese gehört zu den neueren Therapiemethoden. Erkrankungen der Bandscheibe und andere degenerative Veränderungen der Wirbelsäule zählen zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit. Ursachen sind Bewegungsmangel und überwiegend sitzende Berufstätigkeit. Die leidige Folge: Chronische Rückenbeschwerden in allen Berufs- und Altersgruppen nehmen zu.

Manchmal lässt sich eine Operation dann nicht umgehen, und in manchen Fällen wird nach einem Bandscheibenvorfall eine Bandscheibenprothese eingesetzt. Doch nicht immer ist die beschriebene Prothese das Mittel der Wahl.

Erste Bandscheibenprothesen in den 60iger Jahren verwendet

Historisch betrachtet folgten dem ersten Patent für funktionserhaltende Prothesen für die Bandscheibe, das 1956 von van Steenbrugghe angemeldet wurde, etwa 120 weitere Patent-Anmeldungen. In den 60er Jahren wurden die ersten Prothesen für Bandscheiben im Bereich der Lenden- und Halswirbelsäule eingesetzt. Es handelte sich um Stahlkugel-Prothesen. Auch Silikon oder Polyurethan brachte man in den Zwischenwirbelraum ein. Diese Behandlungsmethoden wurden jedoch aufgrund nur sehr mäßiger Ergebnisse bald wieder aufgegeben.

Das Behandlungsspektrum konnte jedoch in den letzten Jahren durch die Zwischenwirbelraum-Endoprothetik erheblich erweitert werden. Der Begriff Endoprothetik bezeichnet die Arbeit mit künstlichen Körperteilen (Prothesen) aus Metall oder Kunststoff, die in den Körper eingesetzt werden. Zielgruppe sind vor allem jüngere Patienten bis zum 55. Lebensjahr, bei denen ein Schaden an den Bandscheiben mit der Folge einer Instabilität zwischen zwei Wirbelkörpern vorliegt, die Wirbelkörper jedoch weitgehend stabil und belastungsfähig sind.

Anfang der 80er Jahre begannen in der Berliner Charité die Entwicklungsarbeiten für dreiteilige Prothesen für die Bandscheibe, die inzwischen in neun Ländern eingesetzt werden.

Bandscheiben-Operation meist nicht nötig

Bei den meisten Bandscheiben-Patienten führen konservative Therapien zum Erfolg. Es muss also nicht operiert werden. Eine gezielte Rückengymnastik genügt in vielen Fällen.

Führt eine konservative Therapie nicht zum Erfolg, kann man den vorgefallenen Teil der Bandscheibe operativ entfernen. Eine solche Bandscheiben-Operation wird dann in Erwägung gezogen, wenn:

  •     die Beschwerden hartnäckig fortbestehen oder
  •     fortschreitende Nervenausfälle bestehen.

Das Segment, in dem die operierte Bandscheibe sitzt, ist ein komplexes Gebilde aus zwei Wirbelkörpern mit dazwischenliegender Bandscheibe und den weiter hinten gelegenen kleinen Wirbelgelenken einschließlich der Bandverbindungen. Durch das Fehlen des vorgefallenen Teiles der Bandscheibe kann es in diesem Segment zu Instabilitäten kommen. Das kann den Einsatz einer künstlichen Bandscheibe sinnvoll machen.

Wann eine Bandscheiben-Prothese sinnvoll ist

Das Einsetzen einer künstlichen Bandscheibe kann in folgenden Situationen sinnvoll sein:

  • Instabilitäten über ein bis zwei Wirbelsäulen-Segmente mit Reizung der Nervenwurzel bei Verengung der Zwischenwirbel-Löcher (hier treten die Nervenwurzeln aus dem Wirbelkanal aus),
  • Probleme der weiter hinten gelegenen kleinen Wirbelgelenke,
  • fortbestehende Schmerzen nach Bandscheiben-Operationen,
  • (leichteres) Wirbelgleiten.

Nicht eingesetzt werden sollten Bandscheibenprothesen bei:

  •     schlechter Knochensubstanz, zum Beispiel bei Osteoporose,
  •     Entzündungen des betreffenden Bewegungssegments,
  •     fortgeschrittenem Wirbelgleiten,
  •     Beschwerden, die durch eine Verengung des Wirbelkanals hervorgerufen werden,
  •     isolierter Druckausübung auf eine Nervenwurzel durch verlagertes Bandscheiben-Gewebe, wobei die übrigen Strukturen noch unbeteiligt sind.

Ob eine geschädigte Bandscheibe durch eine Prothese ersetzt werden soll oder nicht, muss gut überlegt sein. Die Entscheidung darüber wird sich für viele Jahre, vielleicht für das ganze Leben, auf die Beweglichkeit und Schmerzfreiheit des Rückens auswirken.

Künstliche Bandscheibe hat drei Komponenten

Für die Prothese, die eine Bandscheibe ersetzen soll, wird heute nach mehreren Verbesserungen in den meisten Fällen ein Prothesen-Modell verwendet, welches in der ehemaligen DDR entwickelt wurde. Die Bandscheibenprothese besteht aus 3 Komponenten:

  • Zwei ovalen Abschlussplatten aus Metall (einer sehr körperverträglichen Chrom-Kobald-Molybdän-Legierung) und
  • einem dazwischen liegenden Gleitkern aus Kunststoff (Polyethylen), der annähernd normale Segmentbewegungen mit entsprechender Seitenbeweglichkeit ermöglicht.

Die Verankerung der Stahlplatten an den Wirbelkörpern erfolgt über eine Reihe von kleinen Stahlzähnchen am Rand. Die Implantation erfolgt zementfrei. Der Knochen wächst um die Prothese herum und erzeugt so eine feste Verankerung des Implantats. Die Prothese "wächst in den Knochen ein".

Prothesen "nach Maß" stehen individuell zur Verfügung:

  • unterschiedlich große Stahlplatten,
  • unterschiedlich hohe Gleitkerne sowie
  • entsprechend der Krümmung der jeweilig zu versorgenden Wirbelsäulen-Region unterschiedliche Neigungswinkel.

So kann die Prothese an individuellen Körpermaße angepasst werden.

Bei Bandscheiben-Prothese bleibt Beweglichkeit erhalten

Bei korrekter Indikation bietet die Bandscheibenprothese viele Vorteile gegenüber anderen Behandlungsmethoden. Im Gegensatz zu der noch vorwiegend praktizierten operativen Wirbelsäulen-Versteifung wird bei der Versorgung mit einer künstlichen Bandscheibe kein Wirbelkörper-Segment stillgelegt, so dass die volle Beweglichkeit der Wirbelsäule erhalten bleibt.

Die Prothese übernimmt den Platz und die Funktion der natürlichen Bandscheibe und garantiert auf diese Weise Stabilität im betroffenen Wirbelsäulen-Segment. Die Nachbar-Segmente, die bei Wirbelsäulen-Versteifungen die Funktion des stillgelegten Wirbelsäulen-Abschnitts übernehmen müssen, bleiben von Überlastungen und den damit verbundenen Folgeschäden verschont.

Auf diese Weise wird der Teufelskreis von "Segment-Instabilität - Versteifung - Instabilität des Nachbarsegments - weitere Versteifung" unterbrochen.

Drei Tage nach der Operation wieder auf den Beinen

Unmittelbar nach dem Eingriff sind die Patienten bereits ohne jegliche Hilfsmittel mobil. Am dritten Tag nach der Operation können sie mit einer elastischen Bandage zur Stützung der Bauchmuskulatur auch schon aufstehen.

Meist erhalten Patienten nach der Operation zusätzlich eine Schulung hinsichtlich der Beweglichkeit im täglichen Leben. Die Betonung liegt hier vor allem auf der Gehkondition, die trainiert werden sollte.

Kräftigungs- und Funktionsprogramme für die Muskulatur des Körperstamms und der Wirbelsäule sind dagegen zunächst nicht empfehlenswert. Diese Begrenzung der krankengymnastischen Nachbehandlung ist erforderlich, um das Einwachsen der Bandscheibenprothese nicht durch erhöhte Belastungen zu gefährden.

Vorübergehende Überlastung möglich

Die Form der Prothese ist der der Bandscheibe nach empfunden. Damit ist eine freie Beweglichkeit gewährleistet: Die Wirbelkörper können sich um etwa 15 Grad gegeneinander verdrehen. Drehbewegungen werden jedoch nicht abgebremst, so dass es vorübergehend zu einer Überlastung kommen kann.

Eine mögliche Komplikation des Einsatzes einer Bandscheibenprothese ist das Auslockern und Wandern der Prothese. Der Materialabrieb hingegen ist gering.

Mit der Zwischenwirbelraum-Endoprothese (Bandscheibenprothese) liegt - bei korrekter Indikationsstellung - ein durchaus tragfähiges Konzept zur Versorgung verschleißbedingter Wirbelsäulenschäden vor. Eine endgültige Bewertung der Behandlung mit einer Bandscheibenprothese kann jedoch erst durch die wissenschaftliche Auswertung der Langzeitergebnisse getroffen werden.

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