Rotklee, Schafgarbe, Traubensilberkerze oder Frauenmantel

Heimische Heilpflanzen gegen Wechseljahresbeschwerden

Hausmittel gegen Beschwerden der Wechseljahre

Bei dem Begriff Kräutergarten denken viele in erster Linie an Gewürzpflanzen wie Schnittlauch und Petersilie. Kräuter bilden aber auch die Grundlage vieler bewährter Hausmittel. Die Phytotherapeutin Bertlies Adler vertraut auf Rotklee, Schafgarbe, Traubensilberkerze, Frauenmantel und andere heimische Heilpflanzen bei der Therapie von Wechseljahresbeschwerden.

Heimische Heilpflanzen gegen Wechseljahrsbeschwerden
Im heimischen Garten wachsen Heilpflanzen, die Frauen in den Wechseljahren helfen.
Getty Images/iStockphoto

"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen – dieses fernöstliche Sprichwort finde ich sehr passend für die Wechseljahre", meint die Heilpflanzenexpertin Bertlies Adler. "In dieser Lebensperiode, in die Frauen zwischen 45 und 55 Jahren eintreten, klagen viele über die körperlichen Veränderungen, über Verluste und unerreichte Ziele. Diese Unzufriedenheit nenne ich Mauern bauen. Denn dieser Zeitabschnitt bietet uns auch die besondere Chance, eine Art Bilanz unseres bisherigen Lebens zu ziehen und uns neu zu orientieren – und uns möglicherweise sogar einen Kurswechsel zu gestatten."

Kräutergarten liefert Zutaten

Bertlies Adler selbst hat sich in dieser Phase dafür entschieden, die Zukunft völlig neu zu planen und einen lang gehegten Traum zu verwirklichen. Deshalb kaufte sie vor zwei Jahren in ihrer Ostallgäuer Heimat das alte Ingenrieder Pfarrhaus, renovierte es liebevoll und richtete sich darin einen Kräuterhof mit Seminarräumen und einem gemütlichen Café ein. Den Garten gestaltete sie um und legte neben mehreren Beeten, die sie für ihre Kurse zu Schauzwecken nutzt, große Flächen mit Kräutern für die Herstellung von eigenen Teemischungen, Sirups, Likören, Räucherwerk und Kräuterkissen an.

Tipps für die Wechseljahre

Wildkräuter kommen von alleine

Dort wachsen die "typischen Frauenpflanzen" in Hülle und Fülle: Ackerschachtelhalm, Beifuß, Frauenmantel, Johanniskraut, Kamille, Labkraut, Melisse, Muskatellersalbei, Schafgarbe, Traubensilberkerze, Thymian und vieles mehr. Spitzwegerich, Löwenzahn, Brennnessel, Giersch und all die anderen Wildkräuter, die den Körper in den Wechseljahren zusätzlich unterstützen, haben ganz allein den Weg auf die Wiese des alten Pfarrhofs gefunden.

Kräuter helfen gegen Hitzewallungen

Neben den genannten Kräutern behauptet sich der intensiv leuchtende Rotklee, dessen nervenberuhigende, ausgleichende, aufhellende und allgemein stärkende Wirkung die Volksmedizin schon vor Hunderten von Jahren rühmte. "Das sind alles Eigenschaften, die Frauen bei einer Hormonumstellung im Körper brauchen", so die Kräuterfrau. "Heute weiß man zudem, dass die Pflanze hochwirksame Phytoöstrogene enthält. Diese haben sich als hilfreich bei der Vorbeugung von Gefäßerkrankungen erwiesen, zudem helfen sie zur Linderung allgemeiner Alterserscheinungen und bei der Bekämpfung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, schwindende Knochenstabilität, Unlust und Reizbarkeit."

Rotklee für schöne Haut und gute Laune

  • zum Test

    Das Klimakterium beginnt mit kleinen, körperlichen Veränderungen: Könnten manche Ihrer Symptome von den Wechseljahren herrühren? Testen Sie es!

Darüber hinaus hält Rotklee die Haut und die Schleimhaut elastisch und verbessert, wie neuere wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, den Hautzustand bei Akne, Alterserscheinungen sowie Falten. Auch Frauenmantel, auf dessen Blättern morgens stets silberne Wassertröpfchen wie Perlen glitzern, wird traditionell zur Milderung von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt: Der "Weiberkittel", wie er im Volksmund auch genannt wird, kann hormonelle Mangelzustände ausgleichen und hat sich genauso bei Bauchschmerzen mit seinen entkrampfenden und regulierenden Eigenschaften bewährt. Das Rosengewächs ist deshalb den meisten Frauen-Tees und -Tinkturen beigemischt – ebenso wie die blutreinigende und krampflösende Schafgarbe oder die Traubensilberkerze, die Hitzewallungen, depressive Verstimmungen und Schlafstörungen lindern soll.

Kieselsäure kann Osteoporose vorbeugen

Der Ackerschachtelhalm ist eine weitere Pflanze, die dabei hilft, in dieser Lebensphase die Gesundheit zu stärken und das Wohlbefinden zu verbessern. "Die wesentlichen Bestandteile von Equisetum arvense sind Flavonoide und Kieselsäure. Sie wirken festigend auf das Bindegewebe und regen den Hautstoffwechsel an. Auch Osteoporose kann mit Kieselsäure vorgebeugt werden, weil sie die Einlagerung von Kalzium in die Knochen fördert. Durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und Sonnenschein kann diese Wirkung noch verstärkt werden", erläutert die Allgäuerin. 125 Milliliter des Ackerschachtelhalm-Kaltauszugs mit ebenso viel Essig vermischt helfen übrigens hervorragend bei fettigem Haar oder entzündeter Kopfhaut: einfach einmassieren und nicht ausspülen.

Zur Kräftigung des Schopfs, der durch die körperlichen Veränderungen während der Wechseljahre in Mitleidenschaft gezogen werden kann, bietet sich die Anwendung eines Haarwassers aus Brennnesselwurzeln und Birkenblättern an.

Wildkräuter auf die Speisekarte für Leber und Nieren

Besonders wichtig in den Wechseljahren ist das Ausleiten von Schadstoffen, denn mit dem Ausbleiben der Regel fehlt die monatliche Entgiftung durch das Menstruationsblut. Das lässt sich einfach ausgleichen, indem der Speiseplan durch Wildkräuter ergänzt wird, die der Leber und den Nieren in ihrer entgiftenden Funktion Beistand leisten können. Wildpflanzen lassen sich ebenfalls gezielt zur körperlichen und geistigen Stärkung bei Erschöpfungszuständen und Konzentrationsstörungen einsetzen, die im Klimakterium auftreten können. So helfen Brennnesseln bei Eisen- und Energiemangel und sollten öfter auf dem Speiseplan stehen. Für die geistige Kräftigung hat die Heilpflanzenexpertin eine Teemischung zusammengestellt, die Eisenkraut (stärkt die Konzentration), Melisse (fördert die Aufmerksamkeit) und Rosmarin (aktiviert das Gedächtnis) enthält.

Entkrampfendes Fußbad mit Beifuß

"Manche Frauen klagen während der Menopause zudem über schmerzende Gelenke. Das kann daran liegen, dass im Körper durch den sinkenden Östrogenhaushalt weniger Gelenkschmiere gebildet wird", erklärt Bertlies Adler. "In diesem Fall hat sich Beifuß bewährt, der anregend und entkrampfend auf den gesamten Körper wirkt." Ein Fußbad – eine Handvoll Beifuß mit kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, abgießen und den Sud in eine Fußbadewanne geben – lindert den Schmerz in den Gelenken und unterstützt bei Antriebslosigkeit oder Erkrankungen des Unterleibs. (Mehr über typische Symptome der Wechseljahre lesen)

Cover der aktuellen LandApotheke  3/2014
Cover der aktuellen LandApotheke 3/2014
LandApotheke

 

Wechseljahrsbeschwerden lindern: Räuchermischung gegen Schlafstörung

Schlafstörungen beeinträchtigen das Wohlempfinden in jedem Alter, treten in den Wechseljahren jedoch häufiger auf. Das kann an der Hormonumstellung, Schweißausbrüchen oder nächtlichen Grübeleien liegen. Bertlies Adler: "In dieser Situation habe ich persönlich sehr gute Erfahrungen mit einer zarten, kaum wahrnehmbaren Räuchermischung gemacht. Der feine Duft von Hopfen, Tonkabohne, Lavendel, Kamille und Melisse entspannt, beruhigt, vermittelt Geborgenheit – und hilft dabei, das Gedankenkarussell im Kopf anzuhalten."

Dieser Artikel wurde zuerst in der Ausgabe 4/ 2013 der veröffentlicht.

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