Medikamente, Operation und Hausmittel

So wird Sodbrennen behandelt

beim arzt wegen sodbrennen
Sodbrennen durch aufsteigende Magensäure ist ein weit verbreitetes Leiden. Halten die Beschwerden an und/oder ist ihre Ursache unklar, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.
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Bei Sodbrennen gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Welche die Richtige ist, hängt im Wesentlichen davon ab, wie häufig die Beschwerden auftreten.

Tritt Sodbrennen nur sporadisch auf – etwa nach einer üppigen Mahlzeit – kann man die Beschwerden in der Regel mit rezeptfreien Medikamenten in den Griff bekommen. Wenn aber in kürzeren Abständen oder über längere Zeiträume hinweg in der Speiseröhre Feueralarm herrscht und sich ein schmerzhaftes, brennendes Gefühl hinter dem Brustbein ausbreitet, sollte ein Arzt die Ursachen abklären und über die geeignete Behandlung entscheiden.

Überblick: Behandlungsmöglichkeiten bei Sodbrennen

Sodbrennen wird in der Regel durch eine Funktionsstörung im Verdauungssystem verursacht. Die Magensäure steigt immer wieder in die Speiseröhre auf – es entstehen die für Sodbrennen typischen Schmerzen, die von einem säuerlich-bitteren Geschmack im Mund begleitet werden. Verursacht werden diese Symptome meist durch eine erhöhte Säureproduktion im Magen und/oder einen nicht richtig funktionierenden Schließmuskel, wodurch der Säurerückfluss in die Speiseröhre ermöglicht wird.

Mehr über verschiedene Ursachen von Sodbrennen können Sie hier nachlesen.

Warum die Behandlung notwendig und wichtig ist

Auch wenn viele Betroffene ihr Magenleiden als Tabuthema empfinden oder es am liebsten verdrängen möchten: Eine effektive Behandlung ist möglich und gerade bei den chronischen Formen des Sodbrennens auch nötig.

Denn unbehandeltes, dauerhaftes Sodbrennen kann weitere Beschwerden und Folgeerkrankungen nach sich ziehen: angefangen bei dem andauernden Gefühl einer "zugeschnürten Kehle", Schluckbeschwerden, Schlafstörungen und Heiserkeit bis hin zu Speiseröhren- und Halsentzündungen. Langfristig kann das Gewebe der Speiseröhre angegriffen werden, sodass es möglicherweise zu bösartigen Gewebeveränderungen kommt

Medikamente bei gelegentlichen Beschwerden

Bei gelegentlichem Sodbrennen genügt es meist, auf säureneutralisierende Wirkstoffe, sogenannte Antazida, zurückzugreifen, die in der Apotheke rezeptfrei erhältlich sind. Die meisten Antazida enthalten als Wirkstoffe Aluminiumhydroxid, Magnesiumhydroxid, Hydrotalcit oder Magaldrat. Diese Wirkstoffe neutralisieren überschüssige Magensäure; es gibt sie als Gel, Suspension oder Kautabletten.

Antazida eignen sich für alle, bei denen Sodbrennen ein sporadisches Problem ist – zum Beispiel nach einem opulenten, fettreichen Essen oder einem feucht-fröhlichen Abend. Die Mittel wirken schnell und nehmen den brennenden Schmerz innerhalb von 15 bis 30 Minuten. Der Grund für die schnelle Wirkung: Antazida müssen nicht erst über die Blutbahn aufgenommen werden – sie bewirken die Neutralisation der Magensäure direkt im Magen.

Aufgrund der geringen Nebenwirkungen können Antazida in der Regel auch von Schwangeren, die häufig unter Sodbrennen leiden, eingenommen werden – sicherheitshalber sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. Patienten mit Nierenerkrankungen dürfen Antazida generell nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen.

H2-Blocker und Protronenpumpenhemmer bei chronischem Sodbrennen

Tritt das  Sodbrennen chronisch auf, ist eine Therapie mit H2-Blockern oder Protronenpumpenhemmer (kurz: PPI) nötig. Beide Mittel greifen in den Mechanismus der Säurebildung im Magen ein und können so die säurebedingten Beschwerden bei Sodbrennen lindern.

H2-Blocker

H2-Blocker besetzen spezielle Bindungsstellen der Magenschleimhaut, an denen normalerweise der körpereigene Botenstoff Histamin andockt und die Säureausschüttung auslöst. Indem die H2-Blocker diese Andockstation blockieren, kann sich das Histamin dort nicht mehr anlagern. Die Folge: Weniger Magensäure wird ausgeschüttet.

Im Vergleich zu Antazida, die direkt im Magen die bereits vorhandene Säure abpuffern, tritt die Wirkung von H2-Blocker etwas verzögert ein, da sie zunächst über die Blutbahn zum Magen gelangen müssen. Die Wirkung der H2-Blocker hält über mehrere Stunden an, sodass diese Medikamente insbesondere für Menschen geeignet sind, die unter nächtlichem Sodbrennen leiden.

Gelegentlich treten bei der Einnahme Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfälle oder Verstopfungen, Juckreiz, Muskel- und Gelenkschmerzen auf. Schwangere und Stillende sollten deshalb keine H2-Blocker nicht einnehmen.

Die wirksamen Medikamente können außerdem die Verstoffwechselung anderer Arzneimittel in der Leber beeinflussen – im Zweifelsfall geben dazu Arzt oder Apotheker Auskunft. In der Regel verschreibt der Arzt die H2-Blocker. Es gibt sie aber auch in niedriger Dosierung rezeptfrei in der Apotheke.

Protonenpumpenhemmer (PPI)

Wie der Name schon sagt, blockieren Protonenpumpenhemmer die Protonenpumpen in den säurebildenden Zellen des Magens, den sogenannten Belegzellen. Diese Protonenpumpen spielen eine entscheidende Rolle bei der Säureproduktion im Magen.

Um ihren Wirkungsort im Körper zu erreichen, müssen PPI jedoch zunächst im Darm aufgenommen werden. Über die Blutbahn erreichen sie dann die Belegzellen im Magen. Daher kann einige Zeit vergehen, bis der Patient eine Linderung bemerkt.

Allerdings ist mit einer länger anhaltenden Wirkung zu rechnen: Die verminderte Produktion von Magensäure wirkt den Beschwerden effektiv entgegen und kann dazu beitragen, dass die Schleimhaut der Speiseröhre nicht weiter durch die aufsteigende Säure geschädigt wird.

Auch bei der Einnahme von PPI können Nebenwirkungen wie Durchfall, Verstopfung, Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen auftreten. Auch können die Wirkstoffe zu einer verstärkten oder herabgesetzten Wirksamkeit anderer Arzneimittel führen, sodass Patienten im Zweifel den Arzt oder Apotheker fragen sollten. Zur Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sind PPI nicht geeignet.

Wichtig: Auch wenn diese Medikamente rezeptfrei erhältlich sind, sollten die Ursachen für anhaltendes Sodbrennen unbedingt ärztlich abgeklärt werden!

Wann muss bei Sodbrennen operiert werden?

Wenn alle verfügbaren Medikamente nicht ausreichen, um den Rückfluss der Magensäure zu verhindern, kann eine Anti-Reflux-Operation erforderlich sein. Der Eingriff ist eine gute Alternative zu einer Langzeitbehandlung mit Medikamenten.

Eine operative Therapie erwägen Ärzte vor allem dann, wenn der Leidensdruck der Betroffenen hoch ist und Medikamente nicht ausreichend wirken, um ihn zu lindern.

Meist ist eine Verschlussschwäche des Ringmuskels zwischen Magen und Speiseröhre der Grund, dass vermehrt Magensäure nach oben steigt. Insbesondere bei älteren Menschen liegt häufig auch ein Zwerchfellbruch vor, der dazu führt, dass die Verankerung der Speiseröhre gelockert und damit die Schließmuskelfunktion beeinträchtigt wird.

Verschiedene OP-Verfahren

Als "Fundoplikatio" bezeichnen Mediziner die Operationsmethode, mit welcher der Verschlussmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre wiederhergestellt wird. Dazu wird heutzutage die sogenannte minimal-invasive Technik angewendet, bei der eine komplette Öffnung des Bauchraumes nicht mehr erforderlich ist.

Während der Operation kann ein Zwerchfellbruch beseitigt und die Durchtrittsöffnung der Speiseröhre durch das Zwerchfell verkleinert werden. Zusätzlich ist meist eine Verstärkung des Ventilmechanismus erforderlich: Dazu wird der obere Teil des Magens verwendet, der wie eine Manschette – ähnlich einem Rollkragen – um den unteren Teil der Speiseröhre gelegt wird.

Neben der Fundoplikatio gibt es weitere operative Methoden, mit denen man dem Rückfluss der Magensäure entgegenwirkt: Bei der "Stretta-Procedure" werden durch Erhitzung die Muskelzellen im Ringmuskel geschrumpft und so eine natürliche Säurebarriere geschaffen.

Außerdem kann auch ein gelöster Kunststoff (Polymer) in die Muskelschicht des unteren Speiseröhrenschließmuskels gespritzt werden. Die Kunststoffmasse bildet dann ebenfalls eine Barriere gegen den aufsteigenden Magensaft. Meistens können die Patienten nach der Operation auf eine weitere Einnahme von Medikamenten gegen das Sodbrennen verzichten.

Psychotherapie bei Sodbrennen

Verdauungsbeschwerden und Sodbrennen können auch durch ein gestörtes Wechselspiel von Körper und Psyche entstehen. Die Erfahrung zeigt, dass Verdauungsbeschwerden oftmals auftreten, wenn sich die Betroffenen in belastenden Lebenssituationen befinden.

Wird der Stress in sich "hineingefressen", verkrampft sich der Magen und kann mit einer vermehrten Produktion von Magensäure reagieren. Auf diesem Weg kann es auch zu den typischen Sodbrennen-Beschwerden kommen. Eine Psychotherapie kann dazu beitragen, dass Betroffene die Zusammenhänge besser verstehen und lernen, in brenzligen Situationen wirksam gegenzusteuern.

Psychotherapie kann ergänzend sinnvoll sein

Deshalb empfehlen auch die medizinischen Fachgesellschaft eine kombinierte Behandlung, wenn klare psychische Faktoren vorliegen. Die Psychotherapie kann dabei verschiedene Behandlungsansätze verfolgen. Bekannte Verfahren sind kognitive Verhaltenstherapien, psychodynamische Psychotherapien oder auch Hypnose.

Gemeinsames Ziel dieser Therapien ist es, die Patienten in einem gesünderen Umgang mit Stress und allgemein belastenden Situationen zu schulen und Prozesse, die die Krankheitsentwicklung fördern, zu stoppen.

Pflanzliche Mittel und Hausmittel bei Sodbrennen

Anstatt mit chemisch-synthetischen Medikamenten kann gelegentliches Sodbrennen auch mit pflanzlichen Präparaten behandelt werden. Daneben können bestimmte Hausmittel Linderung verschaffen. Alle Informationen zu Hausmitteln und pflanzlichen Mitteln bei Sodbrennen lesen Sie hier.

Gewicht reduzieren

Auch Übergewicht ist eine Ursache für Sodbrennen. Durch die Extrakilos ist der Mechanismus zwischen Speiseröhre und Magen gestört – Teile des sauren Mageninhalts können in die Speiseröhre zurückfließen und dort die Schleimhaut attackieren.

Wer aufgrund seines Übergewichts Sodbrennen bekommt, sollte sich deshalb Gedanken machen, wie er sich von seinen unliebsamen Pfunden langfristig verabschieden kann. Eine entsprechende Gewichtsreduzierung sollte jedoch magenschonend und langsam vonstatten gehen.

TCM und Akupunktur bei Sodbrennen

Nach der Lehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) besteht bei Sodbrennen ein Ungleichgewicht der Elemente Wasser und Feuer. Dieses muss ausgeglichen werden. Unabhängig von schulmedizinischen Lehrmeinungen empfiehlt die Traditionell Chinesische Medizin Patienten mit Sodbrennen Nahrungsmittel wie Kohlrabi, Rettich, Milch, Sojasprossen, geriebene Mandarinenschale, Tomaten, Bananen, Kartoffeln, Sojasauce und Erdnüsse.

Unterstützend sollen zudem Naturarzneien aus der chinesischen Apotheke wirken, etwa Muscheln, getrocknete Algen, bestimmte Wurzeln und Fischknochen, die als Tee zubereitet werden.

Hilfe durch Akupressur

Hilft die Ernährungsumstellung nicht weiter, verweisen die Chinesen auf die Akupressur. Nach fernöstlicher Vorstellung ist der Fluss der Lebensenergie Qi durch bestimmte Körperbahnen (Meridiane) bei Krankheiten gestört. Ein ungleichmäßiges Abfließen der Energien lässt sich durch Akupressur besonderer Meridianpunkte beheben.

Bei der Behandlung von Sodbrennen ist der Punkt "Perikard 6" von Bedeutung. Wird dieser Punkt mit dem Zeigefinger für rund zwei Minuten kräftig massiert, kann dies beruhigend wirken – sowohl auf den Magen als auch das Gemüt. Die Akupressur des Punktes soll ein in der Tiefe spürbares Druckgefühl verursachen.

Der Punkt befindet sich auf der Innenseite des Unterarms, auf der Mitte zwischen Speiche und Elle, zwischen den beiden tastbaren Beugesehen der Finger rund zweieinhalb Fingerbreiten von der Beugefalte des Handgelenks entfernt. Nach einer Viertelstunde kann die Anwendung wiederholt werden.

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Letzte Aktualisierung: 17. Januar 2017
Durch: es
Quellen: DVGE Verlag für Gesundheit und Ernährung

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