Formen, Ursachen und Risiken von Schwerhörigkeit

So komplex wie das Hören sind auch die Auslöser für Schwerhörigkeit. Sie kann angeborenen sein oder durch Erkältungen oder eine Mittelohrentzündung ausgelöst werden. Der bedeutendste Risikofaktor ist eine hohe Lärmbelastung, aber auch Medikamente und das Rauchen können auf die Ohren gehen.

frau hält sich ohren zu
Zu viel Lärm geht auf die Ohren. Eine andauernde, hohe Lärmbelastung ist der größte Risikofaktor für die Entstehung von Schwerhörigkeit.
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Gutes Hören ist ein komplexer Prozess, an dem zahlreiche anatomische Strukturen mit verschiedenen Funktionen mitwirken. Folglich kann es an unterschiedlichen Stellen – zum Beispiel im Mittelohr oder im Innenohr - zu einer Schädigung kommen, die sich in einer Verschlechterung des Hörvermögens äußert. Dementsprechend werden mehrere Formen der Schwerhörigkeit unterschieden.

Beim normalen Hörprozess wird das Trommelfell durch Schallwellen, die von der Ohrmuschel gebündelt und über den Gehörgang weitergeleitet werden, in Schwingungen versetzt. Diese Schwingungen werden über die Gehörknöchelchen im Mittelohr an das Innenohr weitergeleitet und dort in elektrische Impulse übersetzt. Über den Hörnerv gelangen diese Impulse in das Hörzentrum im Gehirn und werden dort zu einer Information zusammengesetzt. Liegen auf diesem "Weg" Störungen vor, kann es zu einer Beeinträchtigung des Hörvermögens kommen.

Formen der Schwerhörigkeit

Je nachdem, in welchen Bereichen eine Schädigung vorliegt, unterscheidet man folgende Kategorien der Schwerhörigkeit, die zum Teil unterschiedliche Ursachen haben:

  • Schallleitungsschwerhörigkeit (Mittelohrschwerhörigkeit)
  • Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohrschwerhörigkeit)
  • Kombinierte Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit
  • Zentrale Schwerhörigkeit (Störungen auf Gehirnebene)

Schallleitungsschwerhörigkeit (Mittelohrschwerhörigkeit)

Bei der Schallleitungsschwerhörigkeit wird der über die Ohrmuschel aufgenommene Schall nicht richtig an das Innenohr weitergeleitet. Das Innenohr kann dabei ganz normal funktionieren. Personen mit dieser Form der Schwerhörigkeit hören akustische Signale und Sprache leiser als Normalhörende. Sie nehmen alles Gehörte "dünner" wahr, wobei die Qualität des Gehörten weitgehend erhalten bleibt und alle Tonhöhen (Frequenzen) gleich stark betroffen sind. Eine akute, also vorübergehende, Schallleitungsschwerhörigkeit wird häufig durch einen verstopften Gehörkanal ausgelöst. Fremdkörper, Wasser (etwa nach dem Schwimmen) oder Ohrenschmalzpropfen können den Gehörkanal verstopfen. Darüber hinaus kommen als Ursachen für eine Störung der Schallleitung auch eine Mittelohrentzündung, Belüftungsstörungen (bei Erkältungen) oder Veränderungen im Gehörgang oder im Mittelohr (Verknöcherung, Narben, Entzündungen, Tumore, Fehlbildungen) infrage.

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Schallempfindungsschwerhörigkeit (Innenohrschwerhörigkeit)

Die Schallempfindungsschwerhörigkeit geht auf Störungen der anatomischen Strukturen des Innenohrs - seltener des Hörnervs - zurück. In diesem Fall wird der Schall in der Regel noch gut empfangen, allerdings ist die Wahrnehmung von Geräuschen, Klängen und Sprache verändert: Die verschiedenen Frequenzen (Tonhöhen) sind nicht wie bei der Schallleitungsstörung gleich stark betroffen. Zunächst gehen die hohen Töne verloren, was zu einer veränderten Qualität des Gehörten führt.

Zur Gruppe der Schallempfindungsstörungen zählen beispielsweise die Altersschwerhörigkeit und Lärmschwerhörigkeit. Auch ein Hörsturz, zahlreiche Krankheiten wie Mumps, Masern, Meningitis, Multiple Sklerose und einige Medikamente – beispielsweise Malariamittel, Acetylsalicylsäure, Antibiotika –  können eine Schallempfindungsschwerhörigkeit auslösen.

Darüber hinaus können auch angeborene Fehlbildungen oder Funktionsstörungen im Innenohr sowie Erkrankungen der Mutter während der Schwangerschaft (durch Viren, Röteln) zu dieser Form der Schwerhörigkeit führen. Frühchen und Kinder, die während der Geburt einen Sauerstoffmangel oder Hirnblutungen erlitten haben, sind ebenfalls besonders gefährdet.

Mehr zur Schwerhörigkeit bei Kindern lesen Sie hier.

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Kombinierte Formen

Eine Störung der Schallleitung kann auch zusammen mit einer beeinträchtigen Schallempfindung auftreten. Das kann der Fall sein, wenn sich bei einer Mittelohrentzündung die Entzündung auf das Innenohr ausdehnt. Neben der Schwerhörigkeit treten dann Symptome wie Drehschwindel und Erbrechen auf. Um zu verhindern, dass die Erkrankung fortschreitet und sich eine Hirnhautentzündung entwickelt, muss dringend eine ärztliche Behandlung erfolgen.

Risikofaktoren für Schwerhörigkeit

Eine Reihe von Risikofaktoren begünstigen das Entstehen von Gehörschäden und Schwerhörigkeit.

Risikofaktor Lärm

Lärmbelastung ist der größte Risikofaktor für Schwerhörigkeit. Die Lärmschwerhörigkeit, auch Hörermüdung genannt, entsteht durch eine intensive Lärmeinwirkung, die zu einer Störung der Schallempfindung führt. Häufig sind von der Lärmschwerhörigkeit bestimmte Berufsgruppen betroffen, aber auch Kinder und Jugendliche sind gefährdet.

Gefährlich wird es, wenn mehr als 85 Dezibel regelmäßig und über einen längeren Zeitraum auf die Ohren einwirken. Das entspricht ungefähr dem Lärmpegel, der von einem fahrenden LKW ausgeht.

Schallpegel von Umweltgeräuschen

Geräuschquelle

Geräuschpegel

Schneefall 10 Dezibel
Blätterrascheln 25 Dezibel
Computerlüfter 40 Dezibel
Leise Radiomusik 50 Dezibel
Büroarbeit/Gespräch 60 Dezibel
Verkehr 70 Dezibel
Rasenmäher 80 Dezibel
Walkman 110 Dezibel
Düsentriebwerk 130 Dezibel

Es ist aber nicht nur die Lautstärke, die als unangenehm und krank machend empfunden wird. Genauso wichtig ist die Situation, in der Lärm erlebt wird. So kann beispielsweise das Schnarchen des Nachbarn im Zugabteil als sehr unangenehm empfunden werden, obwohl das messbare Geräusch des Schnarchens vielleicht gar nicht so hoch ist. Ebenfalls sind Dauergeräusche, zum Beispiel im Großraumbüro, Stressfaktoren für Ohr und Psyche. Auch positiv empfundene Geräusche wie zum Beispiel Musik können gesundheitliche Folgen haben.

Nach wie vor führt die Lärmschwerhörigkeit die Liste der Berufskrankheiten an. Von 28.000 anerkannten Fällen von Berufskrankheiten handelt es sich bei rund 8.000 Fällen, das sind 29 Prozent, um Lärmschwerhörigkeit. Für den Lärm am Arbeitsplatz gibt es klare Regelungen, die einen Gehörschutz vorsehen, wenn der Geräuschpegel 85 Dezibel übersteigt. Beim Freizeitlärm sieht es da leider ganz anders aus.

Ohrenbetäubend: Kopfhörer, Disko & Konzert

Seit geraumer Zeit steigt die Zahl der dauerhaft schwerhörigen Jugendlichen stetig an. Grund dafür ist das laute Musikhören in der Diskothek, auf Konzerten oder per Kopfhörer. Geräuschpegel von über 100 Dezibel sind hier keine Seltenheit. Diese Lautstärke entspricht in etwa dem Lärmpegel, der von einem Presslufthammer ausgeht. Alarmsignale, wie das Pfeifen in den Ohren nach Disko- oder Konzertbesuch sind erste Anzeichen, dass das gehör Schaden genommen hat

Knalltrauma: Kinder besonders gefährdet

Neben der Dauerbeschallung stellt auch der Impulslärm eine große Gefahr für das Hörvermögen dar. Bereits ein einziger überlauter Knall kann das Gehör für immer schädigen. Bei Kindern geht das Risiko in erster Linie von Spielzeugpistolen oder Silvesterknallern ausgeht. Bei handelsüblichen Spielzeugpistolen kann die Schallbelastung - wenn sie in Ohrnähe abgefeuert werden - einen gefährlichen Schallpegel von 130 Dezibel erzeugen. Ein in Ohrnähe abgefeuertes Zündplättchen stehe mit bis zu 180 Dezibel einem Infanteriegewehr nicht nach.

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Risikofaktor Rauchen

Raucher haben nicht nur ein erhöhtes Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nikotinkonsum kann auch das Entstehen Schwerhörigkeit begünstigen.

Mediziner führen dies auf die gefäßverengende Wirkung des Nikotins zurück. Dadurch werden das Innenohr und die Hörnervenzellen schlechter durchblutet und auf Dauer geschädigt. Das Risiko ist dabei umso höher, je mehr Zigaretten konsumiert werden. Selbst Nikotin-Abstinenzler, die mit einem Raucher zusammenlebten, haben ein höheres Risiko für Gehörschäden, als Menschen in reinen Nichtraucherhaushalten.

Akuten und chronischen Tinnitus behandeln

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Risikofaktor Infektionen

Auch ein simpler Schnupfen kann manchmal zu Schwerhörigkeit führen: Es gibt über hundert Schnupfen-Viren (Rhino-Viren), die auch zu einer Innenohrentzündung, einem Paukenerguss oder einer Grippe-Otitis führen können. Die spielt sich meist im Mittelohr ab. Unter ungünstigen Situationen, zum Beispiel bei Druckschwankungen während des Fliegens können die Schnupfen-Viren jedoch ins Innenohr eindringen und dort die Haarzellen angreifen. Es kommt dann meistens zu einer Innenohrentzündung, die mit einer Schallempfindung-Schwerhörigkeit einhergeht. Das Hörvermögen kann sich dauerhaft verschlechtern, denn die für das Hören unentbehrlichen Haarzellen werden geschädigt.

Neben Schnupfen-Viren können auch Röteln-, Keuchhusten- und Masern-Erreger sowie Pilze die Haarzellen im Innenohr schädigen und zu einer Innenohrentzündung mit Schwerhörigkeit führen.

Schwerhörigkeit durch Verspannungen

Manchmal führt die dauerhafte Muskelanspannung im tiefen Kopfgelenksbereich zu Schwerhörigkeit oder Hörstörungen wie Tinnitus. Helfen können in diesem Fall Rotlicht oder eine Wärmflasche im Nacken. Sollte diese Sofortbehandlung nicht wirken, ist professioneller Rat dringend. Bei Verspannungen im Halswirbelbereich darf nämlich nicht viel Zeit bis zum Arztbesuch verstreichen: Anderenfalls können die Hörstörungen chronisch werden.

Ausführliche Informationen zur Behandlung der Schwerhörigkeit lesen Sie hier.

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Letzte Aktualisierung: 31. Mai 2017
Durch: es

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