Umgang mit der Hörhilfe

Tipps für Hörgeräte-Träger

Ein Hörgerät lässt Schwerhörige wieder hören. Trotzdem kann das Hilfsmittel manchmal Probleme bereiten: Konsonaten wie f und s unterscheiden sich mitunter kaum voneinander oder die Umgebungsgeräusche machen es unmöglich, Gesprächen zu folgen. Für diese Schwierigkeiten gibt es aber Abhilfe.

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Wer seinen Gesprächspartner immer anschaut, kann viele Wörter auch unterstützend von den Lippen ablesen.
(c) Stockbyte

Die meisten Schwerhörigen empfinden das Hörgerät vom ersten Augenblick an als angenehm: Sie hören viel besser und Geräusche klingen kaum anders als vorher – im Gegensatz etwa zum Cochlea-Implant, das von gehörlosen Patienten getragen wird und Geräusche oft blechern wiedergibt. Hörgeräte-Träger brauchen also meistens kein Hörtraining.

Schwerhörige haben es aber schwerer, mit dem Hörgerät Konsonanten zu differenzieren. So können die Patienten zum Beispiel häufig – ähnlich wie es auch Hörgesunden oft am Telefon passiert – ein k und ein t oder auch ein f und s nicht auf Anhieb voneinander unterscheiden. Denn die hohen Frequenzbereiche der Konsonanten werden durch ein Hörgerät nicht vollständig übertragen.

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Auf angenehme Gesprächssituation achten

Hinzu kommt, dass die Geräusche so manche Schwerhörige relativ ungefiltert erreichen: Unterhält er sich, dringen die Umgebungsgeräusche durch das Hörgerät in gleicher Intensität auf ihn ein wie das Gesprochene. Bei Hörgesunden dagegen, die kein Gerät tragen, blendet das Gehirn die unwichtigen Reize aus.

Hörgeräte können normales Hören nie vollständig ersetzen. Aber moderne Hörgeräte können dank spezieller Signalverarbeitung Umgebungsgeräusche deutlich reduzieren und Sprache hervorheben. Sie ermöglichen es, auch in schwierigen Hörsituationen – wie auf Festen oder in Restaurants – Gespräche problemlos zu verfolgen. Schwerhörige, die ein Hörgerät mit Störgeräuschreduzierung und Sprachanhebung tragen, hören in lauter Umgebung Sprache so gut wie 25-jährige Studenten. Dies belegen US-amerikanische Studien an den Universitäten von Iowa und Pittsburgh.

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Dem Gesprächspartner immer zuwenden

Wer ein herkömmliches Hörgerät trägt, muss dagegen mehr Kapazität darauf verwenden, das Gesprochene zu verstehen. Grundsätzlich wird deshalb empfohlen:

  • Den Gesprächspartner immer anschauen, dann kann man viele Wörter auch unterstützend von den Lippen ablesen. Auch Mimik und Gestik des Gesprächspartners geben uns Hinweise über das Gesagte, zum Beispiel in welcher Stimmung unser Gegenüber gerade ist.

  • Die Umgebungsgeräusche klein halten, das heißt, Schwerhörige sollten Radio und Geschirrspüler abschalten, Fenster schließen und Restaurants, Cafés und Bars mit niedrigem Lärmpegel bevorzugen.

Auch Freunde, Familie und Kollegen können darauf achten, dass sie sich dem Hörgeräte-Träger im Gespräch – ebenso wie bei Zurufen oder kurzen knappen Absprachen – immer zuwenden und ihm niemals den Rücken zukehren.

Nicht zu spät für das Hörgerät entscheiden

Wenn Schwerhörige zu lange mit der Anschaffung ihres Hörgeräts warten, können sich Artikulationsstörungen und Störungen der Sprechmelodie entwickeln: Da sie ihre eigene Sprache über das Hören nicht mehr richtig kontrollieren können, wird ihre Sprache zum Teil verwaschen und monoton. Hinzu kommt, dass sie oft mit lauter Stimme sprechen und dadurch eine angestrengte, gepresste und oft heisere Stimme entwickeln.

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Wahrnehmungstraining hilft bei Artikulationsstörungen

Falls nach der Versorgung mit dem Hörgerät diese Probleme bei Schwerhörigen fortbestehen, ist ein Wahrnehmungstraining auf zwei Ebenen, der taktil-kinästhetischen und der auditiven, sinnvoll.

Dieses Training, das Logopäden anbieten, besteht zum Beispiel aus mundmotorischen Übungen: Die Patienten werden aufgefordert nachzuspüren, wie sich die Zunge und die Lippen verändern, wenn sie bestimmte Laute bilden. Auch dem Kehlkopf wird Aufmerksamkeit geschenkt. Vibriert er stark, kann dies für den Patienten ein Zeichen sein, dass er zu laut spricht. Eine weitere Stimulierung der taktil-kinästhetischen Wahrnehmung im Mundraum kann mit Hilfe von Stereognoseplättchen erfolgen. An einem dünnen Faden befestigte Formplättchen – etwa ein Kreuz oder Kreis – werden hierbei auf die Zunge des Patienten gelegt und der Patient erspürt, um welche Form es sich handelt.

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Des Weiteren werden mit den Schwerhörigen gezielte Übungen zur Hörwahrnehmung seiner eigenen Artikulation und Stimme mit dem Hörgerät und der Sprache seines Gesprächspartners durchgeführt. Das kann von Kassetten- oder Videoaufnahmen seines Sprechens bis hin zu Differenzierungsübungen für bestimmte Konsonanten reichen.

Stimme trägt wesentlich zur Gesamterscheinung bei

Schwerhörige, die sich früh genug für ein Hörgerät entscheiden, brauchen normalerweise kein Wahrnehmungstraining, da sich das Gespür für die Lautbildung recht lange erhält. Gerade bei älteren Patienten bleibt aufgrund der langen Sprecherfahrung die Artikulationsfähigkeit oft trotz langer Schwerhörigkeit erhalten. Doch sprechen auch sie meistens recht laut. Da die Stimme wesentlich zur Gesamterscheinung beiträgt und sogar Sympathie oder Antipathie auslösen kann, ist ein Wahrnehmungstraining auch bei extrem lauter Stimme erwägenswert.

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