Topische Therapie

Psoriasis - lokale Behandlung mit Glukokortikoiden

Glukokortikoide sind antientzündlich wirkende Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Kortisol, welche lokal auf die Psoriasis-Herde sowie auf miterkrankte Finger- bzw. Zehennägel aufgetragen werden können. Die Wirksamkeit ist stark, Behandlungserfolge treten im Allgemeinen recht schnell ein. Wegen unerwünschter Begleiterscheinungen können sie jedoch nicht ununterbrochen eingesetzt werden.

Psoriasis - lokale Behandlung mit Glukokortikoiden
Glukokortikoide hilft bei Psoriasis
(c) Stockbyte

Glukokortikoide ("Kortison") sind weltweit die in der Psoriasis-Therapie noch immer am meisten eingesetzten lokal anzuwendenden Wirkstoffe. Da Glukokortikoide aufgrund unerwünschter Begleiterscheinungen nicht ununterbrochen einsetzbar sind und es sich bei der Psoriasis um eine chronische Erkrankung handelt, muss die Therapie sorgfältig geplant und gut kontrolliert werden.

Glukokortikoide: Wirkweise und Anwendung bei Psoriasis

Glukokortikoide sind Abkömmlinge des körpereigenen Hormons Kortisol. Sie sind stark antientzündlich wirksam. Zusätzlich unterdrücken sie die Immunreaktion und wirken hemmend auf die vermehrte Zellteilung. Es steht eine Vielzahl unterschiedlicher Glukokortikoide in verschiedenen Zubereitungen zur Verfügung. Sie werden lokal auf die Psoriasis-Herde oder auf miterkrankte Finger- bzw. Zehennägel aufgetragen. Zur Wirkungsverstärkung können die Substanzen auch unter Folie angewandt werden. Die antiinflammatorische (=antientzündliche) Wirkung von Glukokortikoiden ist (je nach Einzelsubstanz) sehr stark ausgeprägt; der Behandlungserfolg tritt im Allgemeinen schnell ein. Dies ist besonders bei schmerzhaften Pusteln (= Eiterbläschen) im Rahmen einer Psoriasis pustulosa der Hände und Füße von Vorteil. Eine Glukokortikoid-Therapie ist auch gut wirksam bei einer stark entzündlichen Psoriasis der Hautfalten sowie bei Kopfhautpsoriasis.

Mögliche Nebenwirkungen

Zu den unerwünschten Wirkungen der lokal angewandten Glukokortikoide bei Psoriasis zählen u. a.:

  • eine Ausdünnung sowie vermehrte Verletzlichkeit der Haut
  • Beeinträchtigung der Wundheilung
  • Hautrötungen
  • verminderte Abwehrfähigkeit der Haut mit der Folge von Infektionen z. B. durch Hefepilze
  • Depigmentierung (Verminderung der normalen Hautfarbe)
  • Steroid-Akne
  • Risse in der Unterhaut mit der Folge von Dehnungsstreifen (Striae distensae, "Schwangerschaftsstreifen")
  • "geplatzte Äderchen" (Teleangiektasien)
  • eine Entzündung um den Mund herum (auch rosazeaartige periorale Dermatitis genannt)
  • nicht zuletzt können allergische Reaktionen auf das verwendete Präparat auftreten

Besonders bei längerer und großflächiger Anwendung kann es zur Aufnahme des Wirkstoffs in den Körper kommen, wodurch systemische Nebenwirkungen auftreten. Hierbei kann es zur Störung des körpereigenen Glukokortikoidstoffwechsels mit einer Unterdrückung der Nebennierenrindenfunktion kommen. Die Folgen sind Gewichtszunahme mit der Entwicklung des typischen Vollmondgesichts (rund und rot), "Stiernacken" und Stammfettsucht sowie erhöhte Blutfettwerte. Die Störung des Eiweißstoffwechsels führt zu Muskelschwund und Knochenabbau (Osteoporose) mit Schmerzen und Schwäche. Weitere Folgen sind Blutbildveränderungen sowie eine Beeinflussung des Hormonhaushalts, was bei Frauen zu Zyklusstörungen und Vermännlichung vor allem im Behaarungstyp, bei Kindern zu Wachstumsstörungen führen kann. Auch eine diabetische Stoffwechsellage kann ausgelöst werden oder eine bestehende sich verschlechtern. Dieses Krankheitsbild wird als Morbus Cushing bezeichnet. Da der M. Cushing in diesem Falle nicht durch eine körpereigene Störung, sondern durch einen äußeren Einfluss, nämlich der Medikamentengabe, ausgelöst wird, spricht man auch von einem exogenen M. Cushing.

Behandlungsdauer und Intervalltherapie

Eine Glukokortikoid-Behandlung sollte wegen der – je nach Behandlungsdauer sowie nach Potenz und Konzentration des verwendeten Wirkstoffs unterschiedlich ausgeprägten – Nebenwirkungen immer nur zeitlich begrenzt erfolgen. Es wird in der Regel eine Behandlungsdauer von nicht mehr als zwei Wochen empfohlen. Auch kann man zur Verringerung unerwünschter Wirkungen die Glukokortikoide im Wechsel mit Pflegesalben anwenden, sodass beispielsweise auf drei Tage Kortisonsalbe vier Tage Pflegesalbe folgen. Man nennt diese Behandlungsform Intervalltherapie.

Ein Nachteil ist die Tatsache, dass die Hautveränderungen nach Absetzen der Behandlung meist innerhalb weniger Wochen wieder auftreten, z. T. sogar deutlich stärker. Daher sollte sich an den Einsatz von Glukokortikoiden bei Psoriasis stets eine Behandlung mit einem anderen Wirkstoff oder eine Lichttherapie anschließen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 26. März 2009
Quellen: H. Gollnick; B. Bonnekoh: Psoriasis ? Pathogenese, Klinik und Therapie; UNI-MED Verlag Prof. Dr. H. Meffert: Schuppenflechte; Verlag Gesundheit (Medicus) Dr. D. Burkhardt, Prof. Dr. K. Degitz: Rat und Hilfe bei Schuppenflechte; Südwest Verlag A. Unholzer, Prof. Dr. H. C. Korting: Psoriasis vulgaris (Psoriasis, Schuppenflechte); J.-H. Blume: Therapieoptionen bei der Psoriasis vulgaris; in: Haut - Dermatologie, Phlebologie, Allergologie 1/2005 (Viavital Verlag)

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