Ernährung bei Multipler Sklerose

Salziges Essen schadet MS-Patienten

Studie stellt größere Hirnschädigungen bei MS-Patienten mit salzreicher Ernährung fest

Vieles deutet darauf hin, dass sich der Krankheitsverlauf einer Multiplen Sklerose durch die Ernährung beeinflussen lässt. Dabei spielt Kochsalz offenbar eine Rolle: MS-Patienten, die viel Salz mit der Nahrung aufnehmen, haben deutlich mehr Hirmläsionen als diejenigen, die sich salzarm ernähren. Aber auch Kohlenhydrate sind in der Diskussion.

Salziges Essen tut MS-Patienten nicht gut
Zu viel Salz ist generell ungesund. Ein hoher Salzkonsum scheint zudem den Krankheitsverlauf bei MS negativ zu beeinflussen.
Getty Images/Ingram Publishing

Zwischen Salzkonsum und dem Krankheitsverlauf bei Multipler Sklerose besteht ein Zusammenhang. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Leitung des MS-Forschers Mauricio Farez von der Universität in Buenos Aires. Wie die Ärztezeitung berichtet, untersuchte das Team um den Wissenschaftler 70 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose zwei Jahre lang regelmäßig und erstellte dabei Aufnahmen des Gehirns per Magnetresonanztomografie (MRT). Gleichzeitig analysierten die Forscher den Kochsalzkonsum der Probanden. Dabei unterschieden sie Patienten mit niedrigem Salzkonsum, deren Salzaufnahme unter zwei Gramm Natriumchlorid pro Tag lag, Patienten mit einem durchschnittlichen Salzkonsum von zwei bis fünf Gramm und MS-Kranke mit einer erhöhten Kochsalzaufnahme von mehr als fünf Gramm am Tag.

Ungünstigerer MS-Verlauf bei hohem Salzkonsum

Die Wissenschaftler beobachteten bei Patienten mit durchschnittlichem Salzkonsum 2,7-mal häufiger und bei Patienten mit hohem Salzkonsum viermal häufiger eine Krankheitsverschlechterung im Vergleich zu denjenigen, die sich salzarm ernährten. Außerdem stand das Auftreten von neuen Hirnschädigungen in Zusammenhang mit dem Salzkonsum: Studienteilnehmer, die gerne und oft zu salzigen Nahrungsmitteln griffen, hatten durchschnittlich acht neue Hirnläsionen mehr als diejenigen, die sparsam mit Kochsalz umgingen. Jedes Gramm Salz jenseits der Fünf-Gramm-Marke war im Schnitt mit 3,7 zusätzlichen Hirnläsionen verbunden.

Effekt von salzarmer Ernährung nicht belegt

Studienleiter Farez schließt aus den Daten, dass MS-Patienten möglicherweise von einer salzarmen Ernährung profitieren. Mit Sicherheit lässt sich dieser Schluss jedoch nicht ziehen. Denn noch ist unklar, ob eine Salzreduktion tatsächlich das Fortschreiten der Multiplen Sklerose bremst, da nicht auszuschließen ist, dass eine schwere Multiple Sklerose das Bedürfnis nach Salz erhöht.

Zusammenhang zwischen Blutzuckerspiegel und Behinderungsgrad

Nicht nur Salz, auch Zucker beziehungsweise Kohlenhydrate stehen im Verdacht, die Multiple Sklerose zu verschlimmern. Dies legt beispielsweise eine Untersuchung an der Louisiana State University nahe, die im März 2013 veröffentlicht wurde. Bei Studienteilnehmern mit einem höheren Glukosespiegel im Blut stellten die Wissenschaftler dabei ein erhöhtes Risiko für stärkere Behinderungsgrade fest. Wissenschaftler der Berliner Charité haben in einer weiteren Studie mit 60 MS-Patienten erste gute Resultate mit ketogener Ernährung gesammelt.

Unter einer ketogenen Ernährung ist der weitgehende Verzicht auf Kohlenhydrate zu verstehen. Stattdessen füllen Gemüse, Eier, Fisch, Fleisch und viel Fett, hier vor allem gesunde Öle, zu 50 bis 80 Prozent den Speiseplan. Zu den positiven Effekten durch diese Diät gehört eine Minderung der Fatigue, der bleiernen Müdigkeit, die vielen MS-Patienten zu schaffen macht. Insgesamt beobachteten die Neurologen der Charité eine deutliche Steigerung der Lebensqualität. Entgegen der Erwartungen verbesserte die fettreiche Diät sogar die Blutfettwerte.

Ketogene Diät kann Lebensqualität verbessern

Die Wirkung der ketogenen Diät auf das Gehirn erklären die Forscher damit, dass durch zu viele Kohlenhydrate in der Nahrung oxidativer Stress entstehe, der den Nerven schade. Nervenzellen beziehen ihre Energie aus Kohlenhydraten. Ein Überangebot lässt sie ständig auf Hochtouren arbeiten, was auf Dauer zu Schädigungen führt, so die vereinfachte Erklärung. Bei einem Mangel an Kohlenhydraten bildet der Körper aus Fetten so genannte Ketone, die von den Nervenzellen alternativ zur Energiegewinnung genutzt werden können. Dies stelle eine schonendere Energieverwertung dar, bei der weniger schädliche Einflüsse auf das Gehirn auftreten. Allerdings seien noch weitere Forschungsarbeiten nötig, heißt es von den Wissenschaftlern der Charité.

Spezielle Diät nur in Rücksprache mit dem Arzt

Die Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz raten auf ihrer Plattform "Neurologen und Psychiater im Netz" bislang zu keiner bestimmten Diät. "Bisher konnte keine bestimmte Ernährungsform oder Diät einen positiven, wirkungsvollen Einfluss auf den Verlauf oder die Symptome einer Multiplen Sklerose beweisen", heißt es dort. MS-Patienten, die aufgrund der bisherigen Studienlage eine spezielle Diät wie die ketogene Ernährung für sich testen wollen, sollten dies nur in Rücksprache mit ihrem Neurologen (Nervenarzt) tun, raten die Fachärzte. Ansonsten sei eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung zu empfehlen.

Ernährungswissenschaftlerin rät zu weniger Tierfett

Darauf, wie diese konkret aussehen kann, ging die Ulmer Ernährungsberaterin Friederike Preiß in ihrem Vortrag anlässlich des 2. Bad Mergenheimer MS-Tags ausführlich ein. Demnach sollten MS-Kranke die Aufnahme von tierischen Fetten einschränken und stattdessen vermehrt auf wertvolle Fettsäuren aus pflanzlichen Fetten zurückgreifen wie beispielsweise Walnuss-, Raps-, Soja- oder Leinöl. Ihre Empfehlung: Maximal zwei Fleisch- oder Wurstmahlzeiten pro Woche, täglich Milch und Milchprodukte, wenig Eigelb, fettarme Produkte und Vollkornprodukte, mindestens zwei Fischmahlzeiten pro Woche und mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag, wobei vor allem Tee, Wasser und Obstsäfte geeignet sind.

Ernährung bei MS

Autor:
Letzte Aktualisierung: 18. September 2014
Quellen: Ärztezeitung, 08.01. 2014: MS-Kranke: Finger weg von Fertigpizza und Chips?; Multiple Sklerose aufhalten: Neue Therapien, Risikofaktoren und andere Neuigkeiten aus der MS-Forschung, Teil 2, Informationen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMGS) vom 06.05.2013;Sport, Ernährung, Impfungen und Kinderwunsch bei Multipler Sklerose (MS), Information der Neurologen und Psychiater im Netz (Januar 2014);Perspektiven für den Alltag mit MS, Informationen des Caritas Krankenhauses Bad Mergentheim zum 2. Bad Mergentheimer MS-Tag, Mai 2011; Wie ketogene Ernährung helfen kann, NDR-Beitrag aus der Reihe "Visite", ausgestrahlt am 24.09.2013

Meistgeklickt zum Thema
Häufige Fragen zu Multipler Sklerose
FAQs

Hier finden Sie die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema Multiple Sklerose und sofort die dazugehörigen Antworten. mehr...

Fortschritt im Kampf gegen Multiple Sklerose
MS-Therapieansatz entwickelt

Hoffnung für MS-Patienten: Ein Hamburger Forscherteam hat ein neues Therapieverfahren entwickelt mehr...

Veränderungen im Nervensystem bei MS
Was im Körper passiert

Es vergeht nicht ein Augenblick im Leben eines Menschen, in dem das Nervensystem nicht aktiv ist. Selbst im Schlaf noch wacht es über den Herzschlag, über die Atmung und auf Geräusche in unserer Umgebung. mehr...

Wie gut ist Ihr Medizinwissen?
Wie viele von 100.000 Menschen in Deutschland bekommen statistisch gesehen MS?
Fragen Sie unsere Experten!

Kostenlos. 24 Stunden täglich. Unsere Gesundheitsexperten beantworten Ihre Fragen.

mehr lesen...
Stichwortsuche in den Fragen und Antworten unserer Community

Durchstöbern Sie anhand der für Sie interessanten Begriffe die Beiträge und Foren in der Lifeline-Community.

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...

Zum Seitenanfang