Austausch und Hilfe

Selbsthilfegruppen für Migränepatienten

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Gemeinsam geht es leichter - Selbsthilfegruppen sind für viele Migräne-Patienten wichtige Anlaufstelle.
Getty Images/Hemera

Selbsthilfegruppen bieten Migräne-Patienten die Gelegenheit zu Austausch und Information. Hier fühlen sich viele Betroffene gut aufgehoben - und ernst genommen.

Patienten mit Magengeschwür oder Arteriosklerose werden von ihren Ärzten meistens ernst genommen. Migränepatienten sind nicht immer so begünstigt: Ihr Leiden lässt sich mit technischen Methoden nicht belegen. So kommt es, dass Migräne oft als Modekrankheit oder psychosomatische Erkrankung betrachtet wird, meint Nikolai Karheiding, Vorsitzender der Selbsthilfeorganisation MigräneLiga.

Migränepatienten fühlen sich angesichts dieser Fehldeutungen unverstanden. Darum sind Selbsthilfegruppen gerade für sie empfehlenswert. "Sie fühlen sich sehr häufig allein gelassen. Eine der häufigsten Patienten-Anfragen bei uns lautet bezeichnenderweise 'Gibt es einen Arzt in meiner Nähe, der sich mit der Krankheit auskennt?' ", sagt Dr. Arne May, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG). Die Patienten spürten oft, dass ihr Hausarzt sie nicht umfassend über ihre Krankheit aufklären kann. "Genau diesen Punkt können Selbsthilfegruppen aber erfüllen, z. B. indem sie Referenten anheuern", meint May.

"Die Patienten fassen wieder Vertrauen"

Das Gefühl, nicht verstanden zu werden, ruft bei vielen Migränepatienten auch Bitterkeit hervor. "Sie sagen oft 'mir kann keiner helfen' und blocken ab, wenn man ihnen z. B. erklären möchte, wie wichtig eine vernünftige Prophylaxe ist. In der Gruppe blühen sie aber recht schnell auf und fassen wieder Vertrauen", sagt Karheiding. Denn die Migränepatienten spüren: Die Gruppe nimmt sie ernst – jeder, der hier sitzt, weiß genau, was es bedeutet, unter Migräne-Attacken zu leiden. Hinzu kommt: Oft hören sie von Therapie- und Prophylaxemöglichkeiten, die ihnen bis dahin unbekannt waren.

Migränepatienten schämen sich ihrer Krankheit

Für viele Migränepatienten ist die Selbsthilfegruppe auch ein Ventil. "Migräne-Kranke schämen sich ihrer Krankheit und outen sich kaum", sagt Karheiding. Der Vorsitzende der MigräneLiga hat dies oft auf Veranstaltungen zum Thema Gesundheit oder Schmerz beobachtet: Zu den Vorträgen, die nur eine allgemeine Einführung ins Thema Migräne boten, erschien kaum ein Betroffener. "Die Patienten hatten Angst, dort ihren Chef, Nachbarn oder Freunde zu treffen und ihren Besuch begründen zu müssen. Handelte es sich jedoch um ein Symposium, in dem zweck- und zielgerichtet gearbeitet werden sollte, war die Veranstaltung richtig voll", meint Karheiding. Offenbar rechneten Migränepatienten nicht damit, auf einem speziellen Symposium Besucher zu treffen, die nicht selbst betroffen sind.

Migränepatienten, die an einer Selbsthilfegruppe interessiert sind, finden auf der Internetseite der MigräneLiga (www.migraeneliga-deutschland.de) eine umfangreiche Liste mit Ansprechpartnern, die alphabetisch nach Städten geordnet ist. (kig)

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Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2012
Quellen: BSMO-Gespräch mit Dr. Arne May, Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG); BSMO-Gespräch mit Nikolai Karheiding, Vorsitzender der MigräneLiga

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