Anstieg der Tumor-Erkrankungen in der Lunge

Lungenkrebs trifft zunehmend junge Frauen

"Wenn Frauen rauchen wie Männer, sterben sie auch wie Männer", wurde die Lungenkrebs-Expertin Martina Pötschke-Langer im Vorfeld der Zweiten Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg zitiert. Neben den Krebserkrankungen zeigen auch andere durch das Rauchen begünstigte Erkrankungen - wie Herzinfarkte - eine steigende Tendenz.

Wer früh mit dem Rauchen anfängt, hat ein deutlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Gerade unter jungen Frauen nehmen die Lungenkrebs-Fälle zu. Diese veränderte Altersverteilung bei Lungenkrebs geht vor allem auf Tabakrauch zurück.
(c) Getty Images/Hemera

Mehr als 110.000 Menschen in Deutschland sterben jährlich an den Folgen des Rauchens. Immer häufiger sind es Frauen - und sie werden immer jünger. Kein anderes europäisches Land musste im letzten Jahrzehnt mit derzeit etwa drei Prozent pro Jahr einen so dramatischen Anstieg der Lungenkrebserkrankungen bei Frauen in der Altersgruppe zwischen 35 und 55 Jahren verzeichnen wie die Bundesrepublik.

Lungenkrebs-Risiko: Jede dritte deutsche Frau raucht

Diese alarmierenden Zahlen kommen in erster Linie durch den Tabakkonsum zustande. Während immer mehr Männer das Rauchen aufgeben und auch die Zahl der Lungenkrebsfälle bei ihnen leicht abgenommen hat, steigt die Anzahl der Raucherinnen vor allem in den jungen Altersklassen: Umfragen zufolge raucht derzeit jede dritte Deutsche.

Frauen rauchen häufig zur Gewichtskontrolle

Die Gründe dafür sind vielfältig: Gerade in den letzten Jahren sind Frauen von der Tabakindustrie besonders mit "Light"- und den so genannten "Slim"-Produkten gezielt beworben worden. Mittleweile sind entsprechenden Zigaretten-Kennzeichnungen zwar verboten, in den Gehirnen aber längst festgesetzt. Auch haben Frauen im Berufsleben ihre männlichen Kollegen eingeholt und nehmen dabei verstärkt männliche Verhaltensmuster wie das Rauchen an - sei es durch Stress, sei es durch unbewusste Nachahmung. Nicht zuletzt dämpfen Zigaretten den Appetit und viele Ex-Raucherinnen greifen wieder zum Glimmstängel, wenn der Zeiger der Waage nach oben wandert.

Wer als Kind anfängt, vervielfacht sein Krebsrisiko

Besonders alarmierend ist das junge Einstiegsalter und daraus resultierend die zunehmende Zahl junger Lungenkrebspatientinnen. Das krebsbedingte Sterben beginne bereits mit dem 35. Lebensjahr, wenn man bereits als Zehn- bis 15-Jährige mit dem Rauchen anfängt, so die Experten des Krebsforschungszentrums Heidelberg. Weitere entscheidende Risikofaktoren sind die Dauer, über die eine Person raucht und die Anzahl der gerauchten Zigaretten. So erhöht sich das Lungenkrebsrisiko bei 25 Zigaretten täglich etwa um das 25-Fache.

Nicht nur Lungenkrebs, sondern auch Tumore an Zunge, Blase, Kehlkopf

"Die lange Latenzzeit zwischen Rauchbeginn und Auftreten der ersten Gesundheitsschäden täuscht viele Menschen über die Gefahren des Nikotinkonsums hinweg", warnt die Deutsche Krebshilfe. Zu diesen zählen neben dem Lungenkrebs auch andere Krebsarten wie Kehlkopf-, Mundhöhlen-, Speiseröhren-, Bauchspeicheldrüsen-, Harnblasen und Nierenkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Folgen wie Schlaganfall und Herzinfarkt.

Kürzlich wurden auch Magen-, Leber- und Gebärmutterhalskrebs sowie die myeloische Leukämie als tabakbedingt identifiziert. Jeder Raucher sollte sich vor Augen halten, dass sich dieses Risiko bei Tabak-Abstinenz wieder reduziert und etwa zehn bis 15 Jahre nach dem Rauchstopp dem eines Nichtrauchers entspricht. Anders verhält es sich mit dem Lungenkrebs-Risiko: Frauen, die mit 40 aufhören zu rauchen, haben zwar ein weitaus geringeres Risiko als gleichaltrige Raucherinnen - allerdings immer noch ein höheres als lebenslange Nichtraucherinnen.

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Letzte Aktualisierung: 10. Juni 2013
Letzte Änderung durch: sw

Quellen: Nach einer Pressemeldung des Deutschen Krebsforschungszentrums und Informationen der Rhein-Zeitung Online