Pathophysiologie

Wo entsteht Lungenkrebs?

Die Atmung ist ein unbewusster Vorgang, sie läuft ohne unser Zutun ab. Meistens bemerken wir sie erst, wenn etwas nicht in Ordnung ist, z.B. bei einer Erkältung oder bei verstopfter Nase. Aber auch anstrengender Sport lässt uns die Maße unserer Lunge spüren. Auch Lungenkrebs kann die Atmung beeinflussen.

Das Gesamtlungenvolumen beträgt normalerweise etwa 6 Liter.
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Am häufigsten entsteht Lungenkrebs in den Bronchien. Von hier breitet er sich in das umliegende Gewebe aus. Schließlich treffen Krebszellen auch auf Blut- und Lymphgefäße, über die sie sich weiter im Körper ausbreiten können.

Die Entwicklung von Krebszellen vollzieht sich vor allem in der Schleimhaut der Bronchien. Schädliche Stoffe, z. B. Tabakrauch, die über einen längeren Zeitraum auf die Schleimhaut einwirken, begünstigen vermutlich die Entstehung von bösartigen (malignen) Zellen.

Weil die meisten Lungenkrebse in den Bronchien entstehen, heißen sie "Bronchialkarzinome".

Was sind die Ursachen für Lungenkrebs?

In Deutschland ist der Lungenkrebs sowohl bei Männern als auch bei Frauen die dritthäufigste Krebserkrankung, bezogen auf neue Krebsfälle pro Jahr. Laut Krebsregister des Robert-Koch-Instituts erkranken pro Jahr in Deutschland knapp 56.000 Männer und Frauen. Betrachtet man die Sterblichkeit, liegt Lungenkrebs bei den Männern an erster und bei den Frauen an dritter Stelle. Seit Ende der 80er Jahre geht die Zahl der Neuerkrankungen bei den Männern zurück, während sie bei den Frauen ansteigt. Dahinter stehen vermutlich veränderte Rauchgewohnheiten.

Bei nahezu neun von zehn männlichen und sechs von zehn weiblichen Lungenkrebs-Kranken lässt sich nachweisen, dass der Krebsentstehung Rauchen zugrunde lag.

Auch Passivrauchen kann ein Risikofaktor für die Entstehung von Lungenkrebs sein. Weitere Auslöser stellen so genannte kanzerogene (krebserregende) Substanzen wie Asbest, Chrom, Arsen, Nickel und bestimmte Kohlenwasserstoffe dar, denen vor allem spezielle Berufsgruppen ausgesetzt sind. Auch Radon kann Lungenkrebs hervorrufen.

Lungenkrebs: Tragische Statistik

Jedes Jahr versterben weltweit rund eine Million Menschen an Lungenkrebs. Im Jahr 2.000 waren es in Deutschland allein 39.000 Menschen!

Trotz bestmöglicher medizinischer Versorgung überleben nur etwa 13 % der männlichen und 14 % der weiblichen Lungenkrebs-Kranken die ersten fünf Jahre. Ein Grund dafür ist, dass dieser Krebs lange im Verborgenen wächst und erst sehr spät Beschwerden auftreten.

Die Behandlung ist somit in vielen Fällen darauf ausgerichtet, den Fortgang der Krankheit zu verlangsamen und die Beschwerden deutlich zu erleichtern.

Verschiedene Formen des Bronchialkarzinoms

Wie bei anderen Krebserkrankungen auch gibt es verschiedene Arten von Bronchialkrebs. Man unterscheidet je nach Ursprung der Krebszellen in:

Die Einteilung ist wichtig für Therapie und Verlauf der Krebserkrankung.

1. Das kleinzellige Bronchialkarzinom

Diese Form des Lungenkrebses ist durch ein schnelles Wachstum und früh auftretende Metastasen gekennzeichnet. Dabei gelangen Krebszellen über die Blutbahn in Lunge, Knochen, Gehirn, Leber und Knochenmark und bilden dort Absiedlungen (Metastasen). Für die Therapieplanung ist es wichtig zu wissen, wie weit fortgeschritten der Tumor ist also, in welchem Stadium er sich befindet. Deshalb werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt.

1.1. Einteilung in Stadien

In der Regel unterscheiden Mediziner zwischen begrenzter (limited disease) und fortgeschrittener Krankheit (extensive disease). Im ersten Fall ist die Ausbreitung des Krebses auf einen Lungenflügel begrenzt, im letzten hat sich das Karzinom auch auf andere Organe ausgedehnt.

Der Behandlungsplan ist abhängig vom Tumorstadium. Bei der Festlegung der Therapie werden neben der exakten Stadien-Einteilung auch Gesundheitszustand und das allgemeine Abwehrsystem des Patienten sowie die Zielsetzung der Behandlung berücksichtigt.

2. Das nichtkleinzellige Bronchialkarzinom

Diese Krebsform wächst langsamer als der kleinzellige Lungenkrebs und metastasiert auch nicht so schnell. Das nichtkleinzellige Bronchialkarzinom kann in unterschiedlichen Zelltypen entstehen und wird entsprechend benannt. Man unterscheidet:

2.1. Einteilung in Stadien

Die Einteilung der Stadien erfolgt nach dem sogenannten TNM-System. Dabei steht "T" für die Größe des Tumors, "N" für die Anzahl und Lokalisation der befallenen Lymphknoten und "M" für Fernmetastasen in anderen Organen. Unterschieden werden T1-4, N0-3 und M0-1. So bedeutet T1 N0 M0: kleiner Tumor, keine Lymphknoten befallen und keine Fernmetastasen vorhanden. Diese Einteilung ist wichtig, da sich die Therapie nach ihr richtet.

Je nach Schweregrad des Tumors können auch Bronchialkarzinome Einfluss auf die Atmung haben.

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Letzte Aktualisierung: 01. August 2015
Letzte Änderung durch: mp