Rauchen und Krebs

Raucher riskieren nicht nur Lungenkrebs

Dass Rauchen Lungenkrebs verursacht, ist allgemein bekannt. Aber auch für andere Organe steigt die Krebsgefahr erheblich. Vermutlich geht knapp ein Drittel aller Krebserkrankungen auf das Inhalieren von Tabakrauch zurück.

Zigarette qualmt vor sich hin
Zigarettenrauch enthält mehr als 4000 verschiedene chemische Bestandteile.
Getty Images/iStockphoto

Die Auswirkungen des Rauchens sind enorm, es gilt als einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Krebs, vor allem Lungenkrebs. Etwa 30 Prozent aller Krebserkrankungen sowie 25 bis 30 Prozent aller Krebstodesfälle sind vermutlich auf die Wirkung von Tabakrauch zurückzuführen. In den Industrieländern stellt das Inhalieren von Tabakrauch die häufigste Einzelursache für die Krebssterblichkeit dar. Raucher sterben zweimal so häufig an Krebs wie Nichtraucher. Dabei geht es längst nicht nur um Lungenkrebs.

Welche Krebsarten werden durch das Rauchen begünstigt?

Schätzungsweise neun von zehn Krebserkrankungen in Organen, die direkt mit Tabakrauch in Kontakt kommen, sind Folge des Rauchens. Dabei handelt es sich um Krebs der Mundhöhle, des Kehlkopfes, Lungenkrebs und Speiseröhrenkrebs. Aber auch andere Krebsarten werden durch Stoffe, die im Tabakrauch beziehungsweise in Tabakprodukten enthalten sind, begünstigt – beispielsweise Krebserkrankungen von Harnblase, Niere, Magen, Bauchspeicheldrüse, Brust und Gebärmutterhals sowie Leukämien.

Nicht nur das Krebsrisiko an sich, auch der Verlauf von Krebserkrankungen wie Lungenkrebs wird durch das Rauchen beeinflusst. So erhöht Rauchen etwa bei fortgeschrittenem Dickdarmkrebs und bei HPV-(humane Papillomviren-)bedingten Tumoren im Kopf-Halsbereich das Risiko für einen Krankheitsrückfall und die Sterblichkeit an der Erkrankung.

Wovon hängt das Risiko ab?

Das Krebsrisiko, nicht nur für Lungenkrebs, variiert mit der Intensität des Rauchens. Es erhöht sich mit steigender Zahl der täglich gerauchten Zigaretten, einem frühen Beginn des Zigarettenrauchens und der Zahl der Raucherjahre. Ebenso haben das Ausmaß der Inhalation des Zigarettenrauchs und die Art der gerauchten Zigaretten Einfluss. Ähnliches gilt für Pfeifenrauch, wenn auch die Bedeutung des Pfeiferauchens insgesamt geringer ist.

Was macht den Rauch so gefährlich?

Zigarettenrauch ist ein komplexes Gemisch aus den Destillations- und Verbrennungsprodukten des brennenden Tabaks. Er enthält mehr als 4000 verschiedene chemische Bestandteile, von denen mindestens 50 nachweislich krebserregend („karzinogen“) wirken. Dazu zählen beispielsweise polyaromatische und heterozyklische Kohlenwasserstoffe, N-Nitrosamine, aromatische Amine, Aldehyde und radioaktive Elemente. Die Substanzen lösen Störungen im Erbgut der Zellen, der sogenannten DNA, aus, die normalerweise repariert werden können. Bei Rauchern funktionieren diese Reparatursysteme nur noch eingeschränkt, weshalb ein hohes Risiko besteht, dass sich die Zellen nach und nach bösartig verändern. Dieser Prozess kann sich mitunter über Jahre hinziehen. Wird das Rauchen aufgegeben, bilden sich die Veränderungen allmählich wieder zurück. So geht beispielsweise das Lungenkrebs-Risiko nach fünf Jahren Rauchabstinenz um die Hälfte zurück, ist jedoch nach zehn Jahren immer noch doppelt so hoch wie bei Personen, die niemals geraucht haben.

Auch passives Rauchen erhöht Risiko für Lungenkrebs

Der Hauptstromrauch, der den Hauptanteil des aktiven Rauchs ausmacht, entsteht bei einer Temperatur von 950°C durch das Einziehen der Luft in die brennende Zigarette. Der Nebenstromrauch bildet sich bei einer Temperatur von 350°C durch das Glimmen der Zigarette. Er spielt besonders beim passiven Rauchen eine Rolle. Denn auch Passivrauchen erhöht das Risiko für Lungenkrebs. Der passiv, also von nicht rauchenden Personen eingeatmete Rauch enthält die krebserregenden Substanzen teilweise sogar in höheren Konzentrationen als der Hauptstromrauch. Es wird geschätzt, dass Personen, die zum Beispiel am Arbeitsplatz oder im Privatleben passiv Zigarettenrauch ausgesetzt sind, ein 1,3 bis 1,6-fach erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Dies führt einer Berechnung zufolge zu circa 400 zusätzlichen Lungenkrebstodesfällen pro Jahr, die nicht auf eigenes Rauchen zurückgehen.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 20. November 2011
Quellen: Drings, P.: Rauchen und Krebs. In: Der Onkologe 10(2), (2004), S. 156-165 Charlesworth, J.C. et al.: Transcriptomic epidemiology of smoking: the effect of smoking on gene expression in lymphocytes. In: BMC Medical Genomics 3:29, (2010) Moy, K. A. et al.: Alcohol and Tobacco Use in Relation to Gastric Cancer: A Prospective Study of Men in Shanghai, China. In: Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention 19(9), (2010), S. 2287-2297 Chilian-Herrera, O. L. et al.: Passive smoking increases the risk of breast cancer among pre- and post-menopausal Mexican women. Präsentation anlässlich der 3. „ The Science of Cancer Health Disparities“ Conference der American Association for Cancer Research 2010, Abstract A99http://www.aacr.org/Uploads/DocumentRepository/2010_conf/CHD/CHD2010_abstracts_poster_A.pdf McCleary, N.J. et al.: Impact of smoking on patients with stage III colon cancer. Results from Cancer and Leukemia Group B 89803. In: Cancer 116(4), (2010), S. 957-966 Maxwell, J. H. et al.: Tobacco Use in Human Papillomavirus–Positive Advanced Oropharynx Cancer Patients Related to Increased Risk of Distant Metastases and Tumor Recurrence. In: Clinical Cancer Research 16(4), (2010), S. 1226-1235

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