Ernährung

Mangelernährung bei Krebs

Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust sind eine häufige Folge von Krebserkrankungen und können Ausdruck einer Mangelernährung sein. Sie effektiv zu behandeln, verbessert die Lebensqualität der Betroffenen.

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Appetitlos durch Krebs: Spätestens bei Gewichtsverlust von fünf Prozent sind Gegenmaßnahmen nötig.
(c) Stockbyte

Mangelernährung ist eine häufige Folge von Krebserkrankungen und ihren Therapien. Etwa jeder zweite Tumorpatient ist davon betroffen, bei bestimmten Krebsarten, z.B. Tumoren im Kopf-Halsbereich und des oberen Magen-Darmtrakts, hoch-malignen, d.h. besonders aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen und kleinzelligem Lungenkrebs, sind es oft sogar noch mehr. Die mit Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust verbundene Mangelernährung kann praktisch in jedem Erkrankungsstadium auftreten. Bei vielen Patienten beginnt sie bereits vor der Diagnosestellung.

Für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist der Zustand oftmals sehr belastend. Die Patienten möchten gern essen, können es aber nicht. Ihre Angehörigen wiederum fühlen sich hilflos, weil sie ihnen das Essen nicht ermöglichen können. Es ist ratsam, sich in dieser Situation professionelle Unterstützung und Beratung zu suchen.

Wie entsteht Mangelernährung?

Mangelernährung bei Krebserkrankungen ist die Folge eines Zusammenspiels verschiedener Faktoren. Eine unzureichende Nahrungsaufnahme ist daran meist ebenso beteiligt wie eine beeinträchtigte Verwertung und Aufnahme der Nährstoffe im Magen-Darmtrakt und ein gesteigerter Energieumsatz. Die Ursachen dafür sind vielfältig und können sowohl von der Krebserkrankung selbst als auch von den Therapien herrühren: Übelkeit und Erbrechen, vorzeitiges Sättigungsgefühl bei der Nahrungsaufnahme, Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen, Mundtrockenheit, Darmprobleme wie Verstopfung oder Durchfall, Schluckprobleme, Geruchsstörungen sowie Pilzinfektionen der Mundschleimhaut (Mundsoor) kommen in Frage.

Gesundheitliche Folgen von Mangelernährung

Mangelernährung bzw. die damit verbundenen Symptome Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust beeinträchtigen nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen. Auch gesundheitliche Konsequenzen sind zu befürchten. Mangelernährung führt beispielsweise zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber bestimmten Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Harnwegsinfekten und Wundheilungsstörungen. Zudem verlieren Krebspatienten neben Fettmasse auch gesunde Körperzellmasse, insbesondere Muskelmasse. Dies geht mit einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit einher.

Experten vermuten, dass eine Mangelernährung auch die Lebenserwartung selbst einschränkt. So gibt es einen Zusammenhang zwischen der Schwere einer Krebserkrankung und dem Auftreten von Auszehrung, sogenannter Tumorkachexie, und Abmagerung. Untersuchungen ergaben, dass ein krebsbedingter starker Gewichtsverlust mit einer verschlechterten Prognose der Erkrankung einhergeht.

Wann liegt eine Mangelernährung vor?

Spätestens bei einem Gewichtsverlust von fünf Prozent des gesunden Ausgangsgewichts sollte eine eingehende Ernährungsdiagnostik durchgeführt werden. Hierzu gehören die Kontrolle des Gewichtsverlaufs, die Messung bestimmter Laborparameter und die Erfassung der Ernährungsweise. Eine Mangelernährung droht, wenn ein Krebspatient mehr als eine Woche lang weniger als 60 Prozent des errechneten Bedarfs an Nährstoffen zu sich nimmt. Sind folgende Kriterien erfüllt, liegt eine Mangelernährung vor:

  • aktuelles Körpergewicht unter 90 Prozent des Normalgewichts oder
  • ungewollter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent in sechs Monaten bzw. mehr als fünf Prozent in drei Monaten
  • Albumin und Cholinesterase im Blut unter der Norm oder
  • kontinuierlicher Abfall von Albumin und Cholinesterase im Blut

Maßnahmen gegen Mangelernährung

Droht eine Mangelernährung oder liegt sie bereits vor, sollten eine Ernährungsberatung und Ernährungstherapie erfolgen. Ziel der Ernährungstherapie ist es, das Körpergewicht zu stabilisieren und die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Die Ernährungstherapie muss nicht zwangsläufig auf „künstlichem“ Weg, also etwa in Form von Infusionen erfolgen. So sollte zunächst versucht werden, einen abwechslungsreichen Speiseplan zu erstellen, der sich möglichst an der Wunschkost des Patienten ausrichtet und flexibel den jeweiligen aktuellen Bedürfnissen angepasst werden kann. Nahrungsmittel, die Übelkeit erregen, sollten vermieden werden, ebenso besonders heiße, scharfe, saure oder zu süße Speisen, die zu Reizungen der Schleimhäute führen können. Welche Nahrungsmittel im Einzelnen besonders geeignet sind, hängt von der Krebserkrankung und dem Zustand des Patienten ab.

Kann ein Patient keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen, ist es möglich, ihm Nahrung in flüssiger Form als Getränke oder passierte Speisen anzubieten. Hierfür steht trinkfertige Sondennahrung zur Verfügung, die alle wichtigen Nährstoffe enthält. Sie ist in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich.

Lässt sich die Mangelernährung nicht aufhalten, ist eine „künstliche“ Ernährung in Form von Infusionen über die Venen möglich.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 19. Januar 2011
Quellen: Adamietz, I.A.: Ernährung bei Tumorpatienten. In: Der Onkologe 16(1), (2010), S. 81-96 Ollenschläger, G.: Ernährungstherapie in der Palliativmedizin. In: Der Internist 41(7), (2000), S. 641-647 Arends, J. et al.: Ernährung von Tumorpatienten gemäß DGEM- und ESPEN-Leitlinien. In: Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.): Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien 2008: Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie maligner Erkrankungen. Auflage: Neuauflage. Update. Zuckschwerdt, 25. Februar 2008, S. 400-403

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