Ernährung, Bewegung, Medikamente

Typ-2-Diabetes: Behandlungsoptionen

Den Blutzuckerspiegel in den Griff bekommen

Bewegungsmangel und Überernährung sind neben den Genen für einen Typ-2 Diabetes verantwortlich. Daher sind Bewegungs- und Ernährungstherapie die wichtigsten Therapiebausteine. Reicht dies nicht, müssen Tabletten genommen und Insulin gespritzt werden.

Typ-2-Diabetes: Behandlungsoptionen
Bewegung und der Abbau von Übergewicht sind bei Typ-2-Diabetes die Basis.
(c) Getty Images/Goodshoot RF

Die Gene spielen eine nicht unerhebliche Rolle in der Entstehung eines DiabetesTyp-2 Diabetes. Dennoch entscheidet der Lebensstil darüber, ob das genetische Programm tatsächlich zum Tragen kommt. Wird rechtzeitig mit genügend sportlicher Aktivität und gesunder Ernährung gegengesteuert und ein zu hohes Gewicht vermieden, lässt sich in weit mehr als der Hälfte der Fälle die Manifestation vermeiden. Und selbst wenn sich der Zug schon in Richtung Diabetes in Bewegung gesetzt hat, kann er noch gestoppt werden, sofern die Patienten erfolgreich und dauerhaft abnehmen und sich regelmäßig bewegen. Dies überrascht nicht, denn mangelnde Bewegung und starkes Übergewicht (Adipositas) begünstigen eine gestörte Insulinsensitivität, den grundlegenden Defekt bei einem Typ-2 Diabetes.

Die Basis der Therapie

Auch nach der Diagnose eines Typ-2 Diabetes stellen regelmäßige körperliche Aktivität und Ernährungsumstellung bzw. Gewichtsreduktion die Basistherapie dar. Denn Übergewicht und Bewegungsarmut spielen nicht nur mit Blick auf die Zuckerkrankheit eine wichtige Rolle, sondern begünstigen weitere Krankheiten, wie hohen Blutdruck (Hypertonie) und hohe Blutfette (Dyslipidämie), die oftmals mit der Zuckerkrankheit einhergehen. Das verschlechtert insgesamt die Prognose. Wird durch regelmäßige Bewegung und normales Gewicht gegengesteuert, sinkt das Risiko von Herz- und Gefäßerkrankungen wieder. Die Gewichtsreduktion muss gar nicht so groß sein, wie oft vermutet bzw. befürchtet. Bereits fünf Kilo weniger auf der Waage bringen im Anfangsstadium mehr als Medikamente. Zwei weitere Bausteine der Basistherapie sind die Diabetes-Schulung und, relativ früh, die unterstützende Einnahme von Tabletten (meist Metformin *).

Körperliche Bewegung - ein Muss

Der hauptsächliche Grund, warum Diabetiker ihre körperliche Aktivität steigern sollten, ist, dass Muskelaktivität, Insulinsensitivität und Glukoseverbrennung eng miteinander verknüpft sind. Muskelarbeit steigert in Anwesenheit von Insulin die Zuckeraufnahme aus dem Blut. Da normalerweise nicht während des Sports gegessen wird, deckt der Körper den Bedarf nach Verbrauch der im Blut gelösten Glukose, indem die Leber Glukose aus den Speichern freisetzt. Das Signal dafür ist der Abfall des Insulinspiegels im Blut. Dafür sind Gegenspieler des Insulins verantwortlich. Bei Bewegungsmuffeln haben die Muskelzellen dagegen keinen großen Bedarf an Glukose; das vom Körper noch gebildete Insulin kann weniger ausrichten, es entsteht eine Insulinresistenz. Ausdauertraining verbessert daher die Insulinsensitivität und Blutzuckereinstellung. Welche Form des Trainings für den Einzelnen geeignet ist, richtet sich nach gleichzeitig bestehenden Krankheiten und den eigenen Vorlieben. Ideal sind rhythmisch gleichbleibende Bewegungen mit möglichst geringem Widerstand, damit Gelenke, Herz und Lunge nicht zu sehr belastet werden. Beispiele sind Nordic Walking, schnelles Gehen, Bergwandern, langsamer Dauerlauf, Schwimmen, Radfahren oder auch Ballspiele und leichtes Krafttraining. Anfänglich sollte die Belastungsdauer zehn Minuten nicht überschreiten. Langfristig sollte drei- bis viermal pro Woche für 30 bis 60 Minuten trainiert werden. Zudem sollte das Augenmerk auf Möglichkeiten, die Aktivität in den Alltag zu integrieren, gelenkt werden: Treppensteigen statt Aufzug, Fahrrad statt Auto, Spazierengehen und Gartenarbeit können ebenfalls einen Beitrag leisten.

Ernährung optimieren

Die meisten Typ-2 Diabetiker sind mehr oder weniger stark übergewichtig. Daher ist der erste Schritt der Diabetestherapie eine kalorienreduzierte Kost. Je nach Gewicht, körperlicher Aktivität und Alter wird die Energiezufuhr auf 1000-1800 kcal begrenzt. Daneben geht es um Ernährungsumstellung. Schnell vom Körper verwertbare Kohlenhydrate wie Zucker oder Weißmehlprodukte sollten so weit wie möglich vom Speiseplan verschwinden, da sie die Einstellung der Blutzuckerwerte erschweren. Stattdessen sollte der Kohlenhydratbedarf über ballaststoffreiche Nahrung wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte gedeckt werden. Wurstwaren sollten aufgrund der in ihnen enthaltenen gesättigten Fette nur selten auf dem Speiseplan stehen, der Alkoholkonsum reduziert und auf Zigaretten ganz verzichtet werden. Wie der Speiseplan im Einzelfall aussieht, wird im Rahmen der Schulung mit der Diabetesberaterin entschieden.

HbA1c-Wert und medikamentöse Therapie

Sinkt der Blutzuckerwert durch diese Lebensstiländerungen nicht in den Normalbereich, werden Tabletten, sogenannte orale Anti-Diabetika (OAD), erforderlich. Der Einstieg in die medikamentöse Therapie erfolgt heute mit Metformin* . Es sei denn, es gibt gute Gründe, die dagegen sprechen - beispielsweise eine eingeschränkte Nierenfunktion, ein frischer Herzinfarkt , eine schwere Herzinsuffizienz, Leber- oder Lungenerkrankung, Infektionskrankheiten mit Fieber, Alkoholismus oder Unverträglichkeiten.

In diesem Fall und wenn trotz nicht-medikamentöser Therapie aus Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Schulung nach drei bis sechs Monaten der Langzeit-Blutzucker (HbA1c-Wert) weiterhin über 6,5 Prozent liegt, wird auf eine andere orale Therapie umgestellt. Dies kann nach Empfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft ein Alpha-Glukosidase-Hemmer, Glitazon, Sulfonylharnstoff oder Sulfonylharnstoff-Analogon sein.

Beträgt der Langzeit-Blutzucker-Wert (HbA1c) nach weiteren drei bis sechs Monaten immer noch mindestens 6,5 Prozent, sollte die Therapie intensiviert werden. Sonst sind die Therapieziele Symptomfreiheit, Vermeidung von Akutkomplikationen – z.B. Infekte oder Koma –, Vermeidung von Folgekrankheiten und Erhalt bzw. Wiederherstellung der Lebensqualität in Gefahr.

Gleichzeitig muss aber im Einzelfall darauf geachtet werden, dass dieses ehrgeizige Therapieziel nicht mit Unterzuckerungen erkauft wird. Dann sollten, zumindest zeitweilig, etwas höhere HbA1c-Werte toleriert werden. Sofern der HbA1c maximal 7,5 Prozent beträgt, kann mit Tabletten weiterbehandelt werden. Metformin wird dann mit anderen oralen Anti-Diabetika (OADs) kombiniert, liegt er darüber, muss mit Insulin kombiniert werden.

Wann muss Insulin gespritzt werden?

Ist auch mit der medikamentösen Kombinationstherapie der HbA1c nicht auf maximal 6,5 Prozent zu drücken, sollte ebenso wie bei einem HbA1c von 7,5 Prozent oder mehr unter der anfänglichen Basistherapie zusätzlich mit einer Insulintherapie begonnen werden. Für die Kombination aus Tabletten - meist Metformin * - und Insulin gibt es zwei prinzipiell unterschiedliche Varianten. Entweder das OAD wird mit Basalinsulin, das die Grundversorgung mit Insulin gewährleistet, kombiniert oder Insulin wird zu den Mahlzeiten gegeben (prandiale Insulintherapie). Führt auch dies nicht ans Ziel, d.h. zu einem HbA1c von maximal 6,5 Prozent, muss die Insulintherapie intensiviert werden und sowohl Basalinsulin, als auch zu den Mahlzeiten Insulin gespritzt werden.

Metformin: Eine Substanz aus der Gruppe der Biguanide, die den Blutzuckerspiegel senkt und die Insulinsensitivität verbessert. Es wird vor allem bei übergewichtigen Typ-2 Diabetikern eingesetzt.

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