Unterstützung für Angehörige

Angehörige von Depressiven: Eigene Bedürfnisse nicht vernachlässigen

Durch die Depression des Partners oder Freundes verändert sich auch der eigene Alltag. Da ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen.

Angehörige von Depressiven: Eigene Bedürfnisse nicht vernachlässigen
Nehmen Sie sich als Angehöriger eines Depressiven auch Zeit für sich alleine.
Getty Images/Hemera

Wenn der eigene Partner, Angehörige oder Freund an einer Depression erkrankt ist, löst dies oft ein wahres Gefühlschaos aus - Unsicherheit und Sorgen sind die bedrückenden Folgen. Durch die Krankheit verändert sich auch der eigene Alltag oft tiefgreifend.

Sich um den Erkrankten zu kümmern, ist in der Regel selbstverständlich eine Aufgabe, die gern und mit großer Fürsorge übernommen wird. Eine Depression ist jedoch eine schwere und mitunter zermürbende Erkrankung, die nicht nur beim Betroffenen Spuren der Erschöpfung und Anspannung hinterlässt. Auch der eigene Energiehaushalt leidet unter der Belastung, die die Depression mit sich bringt. Oft fehlen Zeit und Gelegenheit, die Batterien aufzuladen. Und so stellen Sie vielleicht fest, dass sich zu Ihrer Sorge um den Betroffenen auch der Wunsch gesellt, zwischendurch einmal Zeit für sich zu finden und ein wenig durchatmen zu können. Möglicherweise erschrecken Sie solche Gedanken und Bedürfnisse und lösen bei Ihnen ein schlechtes Gewissen aus. Sie haben Angst, den Betroffenen zu vernachlässigen, ihn im Stich zu lassen oder egoistisch zu sein. Aber dass Sie auch für sich selbst Verantwortung übernehmen, heißt nicht, sich in irgendeiner Form aus der Verantwortung zu stehlen oder den Partner oder Freund „im Regen stehen zu lassen. Es geht nicht darum, sich zwischen dem eigenen Wohlergehen und dem Befinden des depressiven Menschen entscheiden zu müssen. Weder Ihr Partner bzw. Freund noch Sie selbst profitieren davon, dass Sie sich nicht gestatten, auch einmal Entlastung und Zuspruch zu suchen.

Auf die eigenen Bedürfnisse achten

Es ist wichtig, dass Sie sich in dieser Zeit der Belastung nicht selbst vernachlässigen. Die folgenden Hinweise und Anmerkungen sollen Ihnen dabei helfen, einen konstruktiven Umgang mit den Belastungen, die mit der Depression eines Ihnen nahestehenden Menschen einhergehen, zu finden:

  • Sie können dem Betroffenen in vielerlei Hinsicht hilfreich zur Seite stehen, aber überfordern Sie sich nicht. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zum „Ersatztherapeuten werden. Das ist nicht Ihre Aufgabe und in der Regel können Sie dies auch nicht leisten.

  • Es ist wichtig, eine Balance zu finden zwischen Sorge und Achtsamkeit für den depressiven Menschen und der Verantwortung für sich selbst und die eigene Gesundheit. Sie helfen weder dem Betroffenen noch sich selbst, wenn Sie zulassen, dass auch das eigene Leben nur noch von der Depression dominiert wird.

  • Machen Sie nicht alles mit sich allein aus, fressen Sie Ihre Sorgen und Nöte nicht in sich hinein. Suchen Sie das Gespräch mit einer Vertrauensperson. Sich auszutauschen und das eigene soziale Netzwerk in Anspruch zu nehmen, kann eine wichtige Stütze sein.

  • Auch Sie sind nicht endlos belastbar. Innezuhalten und Kraft zu tanken sind berechtigte Bedürfnisse. Gestehen Sie sich diese Bedürfnisse zu. Sie sind kein Ausdruck von Gleichgültigkeit gegenüber Ihrem Partner oder Freund und seinen Anliegen und Nöten.

  • Verlieren Sie Ihr eigenes Leben und die Interessen und Aktivitäten, die Ihnen Freude bereiten, nicht aus den Augen. Treffen Sie sich mit Freunden und Bekannten, lesen Sie ein Buch oder unternehmen Sie etwas. Hieraus können Sie Kraft und Mut gewinnen. Und das hilft auch Ihrem Partner, Angehörigen oder Freund. Die genannten Informationen sollen es Ihnen ermöglichen, beherzt und mit Selbstvertrauen ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Sorge und Verantwortung für Ihren erkrankten Partner, Angehörigen oder Freund einerseits und der Achtsamkeit für sich selbst andererseits. Das ist der beste und hilfreichste Weg für alle Beteiligten, Kraft und Mut für die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Depression zu sammeln.

Die genannten Informationen sollen es Ihnen ermöglichen, beherzt und mit Selbstvertrauen ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Sorge und Verantwortung für Ihren erkrankten Partner, Angehörigen oder Freund einerseits und der Achtsamkeit für sich selbst andererseits. Das ist der beste und hilfreichste Weg für alle Beteiligten, Kraft und Mut für die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Depression zu sammeln.

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Letzte Aktualisierung: 25. Januar 2012

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