Operation, Bestrahlung, Chemotherapie

Therapie: Wie wird Darmkrebs behandelt?

Krankheitslexikon-Darmkrebs-Kolonkarzinom-92661847.jpg
Die Behandlung bei Darmkrebs richtet sich danach, wie weit der Tumor bereits gewachsen ist. In vielen Fällen werden Operation, und Radiochemotherapie kombiniert.
Getty

Wie bei fast allen Krebserkrankungen stehen auch beim Darmkrebs drei Gruppen von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: die chirurgische Behandlung (Operation), die Chemotherapie, und die Bestrahlung.

Für welche Art und welchen Umfang der Therapie sich der Arzt entscheidet, ist abhängig von der Lage des Tumors, dem Stadium der Erkrankung, der Aggressivität der vorhandenen Krebszellen sowie vom Lebensalter und der körperliche Belastbarkeit des Patienten.

Operation bei Darmkrebs

Das Kernstück bei der Therapie von Darmkrebs ist die Operation, bei der versucht wird, den Tumor vollständig zu entfernen (R0-Resektion). Der Qualität und Sorgfalt des chirurgischen Eingriffs ist entscheidend für den weiteren Krankheitsverlauf.

Bei der Operation werden neben dem Tumor der betroffene Darmabschnitt mit einem Sicherheitsabstand zum Tumor und die dazugehörigen Lymphdrüsen entfernt. Auf diese Weise verhindert man, dass mögliche abgesiedelte Krebszellen später zu Metastasen heranwachsen. Je früher der Darmkrebs erkannt wird, umso leichter kann er komplett entfernt werden und umso besser sind die Heilungschancen.

  • zum  Ratgeber

    Der Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung. Früh erkannt ist er fast immer heilbar. Alle Infos zu Vorsorge, Risiken und Behandlung im Special

Nachdem der betroffene Darmteil entfernt wurde, werden die Darmenden wieder miteinander vernäht. In den meisten Fällen ist der verbleibende Darm in der Lage, die Verdauungsfunktion komplett zu übernehmen. Der natürliche Darmausgang bleibt erhalten. Nur in wenigen Fällen, wenn der Tumor zu nahe am Schließmuskel liegt, muss dieser mit entfernt und ein künstlicher Darmausgang (Stoma) gelegt werden.

Die Heilungschancen allein durch eine Operation sind umso größer, je kleiner der Tumor zu diesem Zeitpunkt ist und je geringer die Ausbreitung der Krebszellen in die Lymphknoten ist.

Anlage eines künstlichen Darmausgangs

Bei Darmkrebs am unteren Ende des Mastdarms kann sich das chirurgische Vorgehen schwierig gestalten. Um dem Patienten auch nach der Operation die willkürliche Kontrolle über die Darmentleerung erhalten zu können, muss ein genügend großer gesunder Mastdarmabschnitt erhalten bleiben.

Ist dies nicht möglich, so wird man einen künstlichen Darmausgang anlegen. Dafür wird auf der Bauchdecke eine kleine Öffnung angelegt, über die der Darminhalt entleert werden kann. Solch eine Öffnung heißt Anus praeter, Kolostoma oder kurz Stoma. Das Kolostoma schließt flüssigkeitsdicht ab und der Darminhalt wird dann entweder in spezielle Beutel oder durch regelmäßige, kontrollierte Spülungen entleert.

Ein bleibender künstlicher Darmausgang kann jedoch bei den heutigen Operationstechniken fast immer vermieden werden. Bei vielen Darmkrebspatienten wird für eine gewisse Übergangszeit solch ein Kolostoma angelegt, um den Darm vorübergehend zu entlasten. Danach kann in einer weiteren Operation der künstliche Ausgang zurückverlegt und die natürliche Darmpassage wieder hergestellt werden.

Operationen bei Metastasen

In den meisten Fällen findet die Bildung von Tochtergeschwüren beim Darmkrebs zunächst in der Leber statt. Finden sich einzelne Lebermetastasen, so können diese in günstigen Fällen operativ entfernt werden. Fast immer werden diese Maßnahmen von einer Chemotherapie begleitet. Auch eine gezielte Therapie mit Laser-, Hitze- oder Kältesonden sowie Zytostatika (Zellgifte, die das Tumorwachstum stoppen) wird in Einzelfällen angewendet. Lungenmetastasen werden manchmal operativ entfernt, allerdings fehlt bislang der Nachweis, dass diese Eingriffe die Heilungschancen wirklich vergrößern.

Chemotherapie

Die Chemotherapie in der Behandlung von Krebserkrankungen zielt darauf ab, Zellen mit vermehrter Teilungstendenz, worunter Krebszellen fallen, in ihrer Vermehrung zu bremsen.

Beim Darmkrebs wird eine Chemotherapie begleitend zur Operation (adjuvant) durchgeführt. Dies tut man in der Annahme, dass eine Streuung von Krebszellen in Lymphdrüsen bereits stattgefunden hat, die noch nicht sichtbar ist und die sich operativ nicht kontrollieren lässt. Auch die Verkleinerung eines Tumors durch eine Strahlen- oder Chemotherapie vor einer Operation wird in manchen Fällen durchgeführt, der Tumor ist dann leichter und sicherer zu operieren.

Die Heilungschancen werden durch die Medikamentengabe deutlich verbessert. Solch eine Chemotherapie muss je nach Krebsausdehnung über sechs Monate bis zu einem Jahr durchgeführt werden.

Strahlentherapie

Auch die Bestrahlung kommt bei der Behandlung des Darmkrebses zum Einsatz. Oftmals wird sie mit einer Chemotherapie kombiniert. Beim Krebs des unteren Mastdarms wird eine Bestrahlung der Operation vorgeschaltet. Dies geschieht, um den Tumor zu verkleinern und die Operation unter Erhaltung der natürlichen Mastdarmfunktion durchführen zu können. Auch in Fällen mit fraglichem Operationserfolg wird bestrahlt, also dann, wenn nicht gesichert werden kann, dass der Tumor vollständig entfernt werden konnte. Durch die Bestrahlung kann das Risiko des Weiterwachsens verbliebener Tumorreste deutlich gemindert werden.

Chemotherapie bei Metastasen

Hat der Darmkrebs bereits in andere Organen gestreut, so ist auch hier eine Chemotherapie angezeigt. Beim Kolonkarzinom finden sich meist Lebermetastasen. Hier besteht die Möglichkeit, die Medikamente sehr gezielt und in hoher Dosis in dieses Organ zu bringen (lokale Chemotherapie). Dazu wird in einem kleinen Eingriff ein dünner Katheter direkt in das Blutgefäß geführt, welches die Leber versorgt. Dieser Katheter wird mit einem kleinen Reservoir (Port) verbunden, welches unter der Haut angelegt wird. Durch Punktion dieses Ports durch die Haut mit einer Kanüle können dann die Medikamente relativ einfach und ohne Infektionsrisiko in die Leber gebracht werden.

  • zum Selbsttest

    Darmkrebs ist zum Teil erblich bedingt. Auch in Ihrer Familie? Testen Sie Ihr Risiko!

Auch Tochtergeschwüre in der Lunge sind durch eine Chemotherapie behandelbar, allerdings muss diese dann über den gesamten Körperkreislauf (systemisch) erfolgen. In den meisten Fällen kann die Chemotherapie ambulant durchgeführt werden, wenn die Klinik oder Arztpraxis darauf eingerichtet ist.

Immuntherapie

Ein Verfahren, das in der Krebsbehandlung in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat, ist die Immuntherapie. Dabei macht man sich die Möglichkeiten eines Organismus zunutze, fremde Zellen oder Substanzen durch die Bildung spezieller Antikörper gezielt zu zerstören. In der Behandlung des Darmkrebses können damit bereits gute Erfolge erzielt werden. Die Bildung der Antikörper erfolgt in diesem Fall durch Mäuse, denen Bestandteile menschlicher Darmkrebszellen gespritzt wurden. Das Immunsystem der Mäuse bildet Antikörper gegen diese Bestandteile. Aus den Antikörpern wurde bereits ein Medikament für die gezielte Behandlung von Dickdarmkrebs entwickelt. Wegen fraglicher Wirksamkeit beim Menschen musste es jedoch vorübergehend vom Markt genommen werden.

Die Immuntherapie wird ebenfalls nicht als alleinige Behandlung, sondern zur Unterstützung der Operation und Chemotherapie bei fortgeschrittenen Darmkrebs eingesetzt. Das Wiederauftreten neuer Krebsgeschwülste und die Krebsausbreitung können damit verringert werden.

Nachsorge nach der Operation

Auch wenn bei einer Operation der Tumor vollständig entfernt werden konnte, sollten sich die Patienten anschließend regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen unterziehen. Nur so kann gewährleistet werden, dass eventuell auftretende neue Tumore (Rezidive) oder mögliche Tochtergeschwüre rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Für den Zeitabstand und den Umfang der Nachsorgeuntersuchungen wurden von verschiedenen Tumorzentren bestimmte Nachsorgepässe entwickelt, in denen die Ergebnisse der Untersuchungen dokumentiert werden.

Palliative Maßnahmen bei weit fortgeschrittenen Darmkrebs

Unter palliativen Maßnahmen versteht man solche Behandlungen, bei der zwar keine Heilung, aber eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität des Patienten erzielt werden kann. Palliative Maßnahmen werden in sehr weit fortgeschrittenen Stadien des Darmkrebses durchgeführt. Zu ihnen gehören:

  • Die Operation des Tumors, um einen Darmverschluss zu vermeiden. Auch kann palliativ eine Umgehung um einen vom Krebs verschlossenen Darmabschnitt angelegt werden.

  • Die Bestrahlung von Darmtumoren oder Metastasen zur Verringerung von Schmerzzuständen.

  • Die Chemotherapie beim fortgeschrittenen Krebsleiden. Hier kann eine Behandlung mit relativ gut verträglichen Medikamenten gewählt werden. Diese kann oft ambulant, das heißt ohne Klinikaufenthalt durchgeführt werden und ermöglicht eine erkennbare Lebensverlängerung bei vergleichsweise guter Lebensqualität.

Zwölf Fakten zum Darmkrebs

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 09. Juni 2016
Durch: es
Quellen: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Onlineinformationen zu Darmkrebs: Informationen für Patienten, Angehörige und Interessierte, Stand: April 2016, abgerufen Juni 2016; S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): Kolorektales Karzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021 - 007OL; Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut, http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html, abgerufen 02/2014

Newsletter-Leser wissen mehr

Der kostenlose Gesundheits-Newsletter

Hier bestellen...