Allergien und Asthma

Asthma: Wenn der Beruf krank macht

Auch wenn der Beruf Spaß macht, in einigen Fällen kann er krank machen. Das berufsbedingte Asthma ist weit verbreitet, wird aber oft nicht erkannt. Laut Schätzungen entwickeln fünf bis zehn Prozent der erwachsenen Asthmatiker ihre Erkrankung aufgrund von Stoffen am Arbeitsplatz, die reizen oder auf die sie empfindlich reagieren (Allergene). Mehr als 400 Stoffe sind als Auslöser von Berufsasthma bekannt. Rauchen wirkt dabei als verstärkender Faktor.

Asthma: Wenn der Beruf krank macht
Bestimmte Berufsgruppen sind besonders Asthma-gefährdet.
(c) Getty Images/iStockphoto

Das Risiko, an einem berufsbedingten Asthma zu erkranken, ist nicht bei allen Berufsgruppen gleich hoch. Besonders gefährdet sind Beschäftigte in Bäckereien und Gesundheitsberufen. Von 113 befragten britischen Bäckern im Jahr 2003 klagten 27 Prozent über Nasenjucken, 25 Prozent über Atemwegssymptome wie Enge in der Brust, Husten oder Keuchen. Auch Schweißer, Friseure, Chemiearbeiter und Lackierer, Reinigungskräfte, Feuerwehrleute und viele andere haben ein erhöhtes Risiko, an Asthma zu erkranken. Nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Landwirtschaft und Tierzucht sind Arbeitnehmer vielen Allergenen ausgesetzt. Aufgrund der von Land zu Land verschiedenen industriellen Infrastruktur ist z.B. in Deutschland das Bäckerasthma am häufigsten, hingegen sind in Italien Latex und in Finnland Tierbestandteile die häufigsten Auslöser für ein Berufsasthma.

Berufe und ihre häufigsten Auslöser

Berufsfeld Auslösendes Allergen oder Reizstoff
Bäcker, Bäckereifachverkäuferin Mehlstaub, Hefe, Enzyme in Backmitteln
Bauarbeiter, Maler, Lackierer Metalle, Chrom und Nickel als Zementbestandteile, Betonhärtemittel, Kleber, Lacke, Lösungsmittel, Isocyanate, Epoxidharze
Druckindustrie Farben, Terpentin, Lösemittel, Gummi
Fotoindustrie Farbstoffe, Fixierer, Entwickler
Friseure Haarfarben, Bleichmittel, Festiger, Duftstoffe, Gummi, Nickel etc.
Metallarbeiter Öle, Schmierstoffe, Lötwasser, Kühlmitte, Rostschutzmittel etc.
Pflegeberufe Latex, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Lokalanästhetika, Antibiotika
Schreiner Holzstäube, Lacke, Kleber, Lösemittel
Tierpfleger, Landwirtschaft Tierallergene (Haare, Kotbestandteile etc.), Schimmelpilze
Reinigungskräfte Allergene und Reizstoffe in Reinigungsmitteln, Hausstaubmilben-Exkrete, Schimmelpilze

(Angaben nach Informationen der Deutschen Atemwegsliga e.V.)

Wie erkennt man die Erkrankung?

Wenn sich die Asthmasymptome (Husten, Keuchen, Engegefühl in der Brust und Atemnot) an arbeitsfreien Tagen oder im Urlaub bessern, so ist dies ein wichtiger Hinweis auf ein Berufsasthma. Die Frage, ob die Symptome während der Arbeitszeit zunehmen, ist weniger sinnvoll, da sich die Erkrankung bei vielen Betroffenen erst nach der Arbeit oder nachts bemerkbar macht. In jedem Fall sollte die Überweisung an einen Spezialisten erfolgen, da entsprechende Lungenfunktionsuntersuchungen und Allergietests erfolgen müssen.

Was ist bei der Diagnose Berufsasthma zu tun?

Die wichtigste Maßnahme ist die Vermeidung oder Reduzierung auslösender Stoffe. Laut §3 der Berufskrankheitenverordnung muss auch schon bei begründetem Verdacht auf eine Gesundheitsgefährdung unverzüglich eine Expositionsprophylaxe (Vermeidung schädlicher Stoffe) bzw. im Einzelfall sogar eine Unterlassung der gefährdenden Arbeit erfolgen. Berufsasthma ist prinzipiell vermeidbar! Wenn innerhalb von zwölf Monaten nach den ersten Symptomen eine weitere Auseinandersetzung mit dem Gefahrstoff vermieden wird, dann sind die Erholungsaussichten gut. Zum Beispiel kann ein Bäcker, der auf bestimmte Hefestoffe reagiert, in Zukunft in einer Konditorei arbeiten bewiehungsweise eine Atemschutzmaske tragen. Eine Krankenschwester mit Latexallergie würde auf ihrer Station nur latexfreie Handschuhe vorfinden. Zudem sollten das Asthma begünstigende Faktoren, z.B. Tabakrauchen, gemieden werden.

Was muss der Arbeitgeber gewährleisten?

Wenn die auslösenden Faktoren nicht vollständig ausgeschaltet werden können, muss der Arbeitgeber zumindest bestimmten Richtlinien folgen:

  • In regelmäßigen Abständen sollte durch Arbeitsmediziner und Sicherheitstechniker die Gefährdung ermittelt werden.
  • Alle Beteiligten (Arbeitgeber und -nehmer, Ärzte, Staatliche Organe, Gewerkschaften) sollten zusammen arbeiten.
  • Betroffene und gefährdete Arbeitnehmer müssen ausführlich über Gesundheitsrisiken aufgeklärt und in Schutzmaßnahmen geschult werden.
  • Bei ihnen sollten regelmäßig betriebsärztliche Untersuchungen inklusive Messungen der Lungenfunktion bzw. ein Fragebogenscreening durchgeführt werden.

Autor:
Letzte Aktualisierung: 06. Februar 2012
Quellen: Nach Informationen von Atemwegsliga.de, Ärzteblatt 10/2003, Occupationalasthma.com (Practical Issues in Asthma Management) und BBCNews 10/2003

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