Langzeit- und Bedarfsmedikamente

Asthma-Medikamente: Controller und Reliever

Asthma-Medikamente können asthmatische Beschwerden wie Husten, pfeifende Atemgeräusche und Luftnot lindern oder ganz verhindern. Außerdem können sie einer Verschlimmerung der Asthma-Symptomatik vorbeugen und kritische Situationen entschärfen.

In der Asthma-Therapie gibt es Medikamente, die über einen Inhalator eingeatmet werden.
© iStock.com/Louis-Paul St-Onge

Es wird grundsätzlich zwischen zwei Behandlungsstrategien unterschieden, bei denen zwei unterschiedliche Medikamentengruppen zum Einsatz kommen. Die langfristige Behandlung erfolgt durch sogenannte „Controller“-Medikamente; bedarfsmäßig – wenn sich die Beschwerden plötzlich verschlechtern - kommen die „Reliever“ zum Einsatz.

Heute stehen wirksamen Therapiemaßnahmen zur Verfügung, um die Beschwerden bei Asthma in den Griff zu bekommen. Dabei kommen unterschiedliche verschreibungspflichtige Medikamentengruppen bzw. Wirkstoffe zum Einsatz, die meist in Form eines Sprays oder Pulvers mittels Inhalatoren eingeatmet werden. Dabei wird unterschieden zwischen Substanzen, die langfristig gegen die Entzündung der Bronchien wirken und deshalb regelmäßig eingenommen werden („Controller“) und Wirkstoffen, die eine kurzfristige Erweiterung der Atemwege bewirken und daher nur im Falle von akuten Beschwerden für eine schnelle Linderung gedacht sind („Reliever“). Bei schweren Asthmaformen kann zusätzlich die Einnahme von Kortison in Tablettenform erforderlich sein, um die Entzündung in den Atemwegen wirksam zu bekämpfen.

Ziel der medikamentösen Behandlung bei Asthma

Der Schweregrad des Asthmas beziehungsweise die aktuelle Symptomatik ist die Basis für die Auswahl der geeigneten Medikamente durch den Arzt. Ziel der Behandlung ist es, das Asthma soweit unter Kontrolle zu bekommen, dass möglichst wenig Beschwerden auftreten und Folgeschäden sowie krankheitsbedingte Beeinträchtigungen im Alltag vermieden werden. Mediziner sprechen dann von einem „kontrollierten Asthma“. Es werden drei Grade der Asthmakontrolle unterschieden:

  1. Kontrolliertes Asthma
  2. Teilweise kontrolliertes Asthma
  3. Unkontrolliertes Asthma

Die jeweils erforderlichen Medikamente werden vom Arzt in Abhängigkeit davon verordnet, welcher Grad der Asthmakontrolle vorliegt. Dabei geht er nach einem international anerkannten Stufenschema vor, das Empfehlungen für die Asthmabehandlung gibt.

Langzeitbehandlung: Entzündung hemmen

Die Langzeitmedikamente dienen dazu, die Beschwerden langfristig zu kontrollieren, indem sie der Entzündung in den Atemwegen entgegenwirken. Diese Medikamentengruppe wird deshalb auch „Controller“ genannt und regelmäßig angewendet, um die erhöhte Entzündungsbereitschaft der Atemwege zu reduzieren und damit ursächlich gegen das Asthma vorzugehen.

Angriffspunkt der Langzeitbehandlung ist die Entzündung, daher kommt hier als antientzündlich wirksame Substanz das Kortison zum Einsatz. In der Regel wird das Kortison als Spray oder Pulver eingeatmet, also inhaliert. Daher werden diese Medikamente auch als „inhalative Kortikosteroide“ bezeichnet. In dieser Form ist es besser verträglich als in Tablettenform, da es eingeatmet hauptsächlich in den Bronchien wirkt und nicht über den Blutkreislauf seine Wirkungen im ganzen Körper entfaltet.

Bedenken gegen die Kortisongabe muss man als Patient nicht haben. Inhalative Kortisonpräparate in der Asthma-Therapie haben praktisch keine Nebenwirkungen, da die Dosierung sehr gering ist. Tatsächlich ist in den Medikamenten viel weniger Kortison als der menschliche Körper selbst produziert. Osteoporose, Übergewicht und andere negativen Folgen können nur bei hochdosierten Kortisoneinsatz in Form von Spritzen oder Tabletten auftreten – nicht bei Präparaten zum Inhalieren.

Wenn die Langzeitbehandlung mit kortisonhaltigen Sprays nicht ausreicht, um die Asthmabeschwerden langfristig unter Kontrolle zu bekommen, kann auch ein sogenanntes langwirkendes Betamimetikum (zusätzlich zum Kortisonspray) zum Einsatz kommen. Für solche Fälle stehen zwischenzeitlich auch Kombinationspräparate zur Verfügung, die beide Wirkstoffe enthalten. Nur bei besonders schweren Formen des Asthmas kommen Kortisontabletten zum Einsatz.

Weitere Langzeitmedikamente sind Montelukast und Theophyllin, die allerdings nur in begründeten Fällen zum Einsatz kommen. Omalizumab ist ein neuerer Wirkstoff, der nur bei sehr schwerem allergischem Asthma verordnet werden kann und unter die Haut gespritzt wird.

Bedarfsmedikamente: Beschwerden lindern

Die zweite Medikamentengruppe, die bei Asthma zum Einsatz kommt, sind sogenannte Bedarfsmedikamente. Sie werden – wie ihr Name schon verrät – nur bei Bedarf eingesetzt, d. h. wenn sich die Beschwerden plötzlich verschlechtern oder eine Notfallsituation eintritt. Sie sind durch einen schnellen Wirkeintritt gekennzeichnet und durch eine rasche Erweiterung der Bronchien für eine rasche Linderung der Symptome. Daher werden diese Medikamente auch als „Reliever“ (engl.: Helfer) bezeichnet. Da ihre Wirkung zwar schnell eintritt aber nicht lange anhält und sie lediglich eine kurzfristige Erweiterung der Atemwege bewirken jedoch nicht die Entzündungsbereitschaft der Bronchialschleimhaut herabsetzen, sind sie nicht für die Dauerbehandlung geeignet. Zur Behandlung im Bedarfsfall werden meist schnellwirkende Betamimetika eingesetzt, die als Spray oder Pulver inhaliert werden. Die medizinisch korrekte Bezeichnung für diese Medikamente lautet „Beta-2-Sympathomimetika“.

Bei sehr leichtem Asthma

Wenn nur eine sehr leichte Form des Asthmas vorliegt, kann es mitunter ausreichen, lediglich Bedarfsmedikamente gegen die gelegentlich auftretenden Beschwerden anzuwenden. Das sollte aber in jedem Fall mit dem behandelnden Arzt geklärt werden. Patienten sollten dabei auch im Hinterkopf behalten, dass eine zu häufige Anwendung von Bedarfsmedikamenten ein Hinweis darauf sein kann, dass das Asthma nicht ausreichend behandelt ist und Langzeitmedikamente erforderlich sind.

Autor: Andreas Gill, Medizinredakteur / Expertenteam
Letzte Aktualisierung: 23. August 2018
Quellen Nationale Versorgungsleitlinie Asthma, 2. Auflage, Stand Juli 2011
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